Rauchverbot, Anti-Raucher-Kampagne – was wirkt?

Die neue Kampagne «Ich bin stärker» des Bundesamtes für Gesundheit soll Raucher zum Aufhören motivieren. Doch die Anti-Raucher-Aktionen des Bundes sind umstritten.

Die zwei neuen Clips des Bundesamtes für Gesundheit.

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Ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer raucht. Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sterben hierzulande jedes Jahr noch immer rund 9000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Mit einer neuen Präventionskampagne nimmt das BAG nun einen weiteren Anlauf, die Schweizer von den Glimmstängeln loszubringen. Mit dem Slogan «Ich bin stärker» sollen bis 2017 Plakate und Werbespots jene Raucher ansprechen, die mit dem Gedanken spielen aufzuhören.

Für Adrian Kammer, Leiter Kampagnen beim BAG, steht klar die Motivation im Vordergrund. Gegenüber der Sendung «Treffpunkt» von Radio SRF 1 sagt er: «Wir wollen nicht abschrecken, sondern die Menschen ermuntern – sie sollen probieren, mit dem Rauchen aufzuhören, weil es sich lohnt.»

Seit 2001 fährt das BAG regelmässig Anti-Raucher-Kampagnen; bisher gab das Bundesamt 38 Millionen Franken dafür aus. Die aktuelle Kampagne wird in den kommenden Jahren weitere neun Millionen Franken kosten.

Stadler: Herausgeworfenes Geld

Nicht zuletzt deswegen sind die BAG-Kampagnen auch umstritten. Die neun Millionen Franken seien herausgeworfenes Geld, sagte etwa der Arzt Beda Stadler letzten Juli gegenüber der «Basler Zeitung» (Artikel online nicht verfügbar). Der Wirkungsnachweis für solche Kampagne fehle, so Stadler. Die einzige zielführende Präventionsmassnahme sei die Erhöhung der Zigarettenpreise.

Auch der Kommunikationsberater Kaspar Loeb zeigt sich gegenüber «Treffpunkt» skeptisch: Die Preisentwicklung und die Tatsache, dass in Restaurants nicht mehr geraucht werden dürfe, seien mindestens so wirksam wie eine Kampagne. «Ich glaube nicht, dass sich wegen dieser Werbung jemand eher fürs Aufhören entscheidet.»

Dass eine Kampagne alleine nicht zum Ziel führe, dessen ist man sich auch beim BAG bewusst. Diese sei ja auch ein Teil aller Massnahmen. Gerade deshalb will Adrian Kammer die Kritik an «Ich bin stärker» auch nicht gelten lassen: «Solche Programme haben sehr wohl eine grosse Wirkung.» Mit dem Rauchen aufzuhören, sei ein langer Prozess; dabei könne man die Menschen unterstützen. Daniel Bach, Leiter Kommunikation beim BAG, führt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus: «Die Kampagne hat eine klare Zielgruppe: jene Raucher, die aufhören wollen. Denen wollen wir konkret zeigen, wo sie Hilfe erhalten. Deshalb haben wir die Plakate beispielsweise mit den Telefonnummern der Rauchstopplinie versehen.»

Fokus auf Junge

Unter Kommunikationsexperten gehen die Meinungen zur Wirksamkeit von Präventionskampagnen auseinander. Darauf verweist auch der Evaluationsbericht des Link-Instituts zur letzten BAG-Kampagne, «SmokeFree». Diese lief 2011 und 2012. Laut den Medienforschern erreichte sie einen hohen Bekanntheitsgrad. Dennoch lasse sich nicht nachweisen, welche Wirkung die Kampagne alleine auf die Verhaltensabsicht hatte, mit dem Rauchen aufzuhören.

Im Bericht von 2012 rät das Link-Institut dem BAG, seine Botschaften in künftigen Kampagnen deutlicher zu vermitteln. Zusätzlich soll auch die weniger gut erreichte Zielgruppe der Jungen gezielter angesprochen werden. Tatsächlich deuten Zahlen des Bundesamtes für Statistik darauf hin, dass die Prävention in diesem Bereich wohl noch stärker nötig ist: Die Zahl der Raucher zwischen 15 und 24 Jahren hat seit 1992 zugenommen.

Laut Daniel Bach hat man sich den Input im Evaluationsbericht zur Herzen genommen. «In einer zweiten Phase der Kampagne werden wir uns auf die Jungen konzentrieren. Das Ziel ist, dass junge Menschen gar nicht erst mit dem Rauchen anfangen.» Immerhin hätten mehr als die Hälfte der Betroffenen vor 18 mit Rauchen begonnen.

Diesen Teil der Kampagne will das BAG auch über Social Media führen, so Bach. Mehr will er derzeit noch nicht verraten. (kpn)

Erstellt: 16.02.2015, 17:28 Uhr

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Die Anti-Raucher-Kampagnen des Bundes

Die Anti-Raucher-Kampagnen des Bundes Seit 2001 führt das Bundesamt für Gesundheit Präventionskampagnen durch.

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