Reitschule diente Chaoten als Zwischenlager

Die Chaoten nutzten die Berner Reitschule als Zwischenlager für ihre Angriffe auf die Polizisten. Was die Betreiber dazu sagen.

Die Abfallcontainer der Reitschule dienten bei den Krawallen am Samstag als Barrikaden gegen die Polizei. Auch aus dem Innern des Kulturzentrums holten die Chaoten Material für ihre Angriffe.

Die Abfallcontainer der Reitschule dienten bei den Krawallen am Samstag als Barrikaden gegen die Polizei. Auch aus dem Innern des Kulturzentrums holten die Chaoten Material für ihre Angriffe. Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Nach der Strassenschlacht zwischen gewalttätigen Demonstranten und Polizisten von vergangener Samstagnacht rückt einmal mehr die Reitschule in den Fokus der Politik. Welche Rolle hat sie bei der Eskalation der Gewaltausbrüche gespielt? Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) nahm tags darauf das alternative Kulturzentrum zwar in Schutz: Er neige dazu, dass es keinen Zusammenhang gebe zwischen dem Betrieb der Reitschule und den Ausschreitungen, sagte er gegenüber dieser Zeitung.

Ganz so einfach präsentiert sich die Lage heute jedoch nicht. So hat das «Bund»-Reporterteam am Samstagabend vor Ort beobachtet, wie die Vermummten Gitter und Container aus der Reitschule heraustransportierten, um sie unmittelbar als Strassenbarrikaden gegen die Polizei zu verwenden. Auch der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, Reto Nause (CVP), hat davon Kenntnis genommen. «Wir gehen davon aus, dass Gegenstände wie Feuerwerke, Container und Gitter, die von den Randalierern zum Widerstand gegen die Polizei verwendet wurden, im Perimeter der Reitschule zwischengelagert wurden», sagt Nause. Er denkt dabei aber nicht unbedingt an den Innenraum der Reitschule. Es gebe in und um die Reitschule genug Raum, dieses Material zu lagern. «Ich möchte damit nicht sagen, dass die Verantwortlichen der Reitschule zwingend davon Bescheid wussten.»

Doch nicht nur während der Ausschreitungen ist die Rolle der Reitschule unklar, sondern auch im Vorfeld. So hing am Samstagnachmittag ein grosses Transparent am Gebäude, das für die «Megademo» am Abend warb. Angesichts der beobachteten Gewalt einiger Teilnehmer vorgängiger Besetzer-Demonstrationen ist fraglich, ob die Reitschule nicht hätte zurückhaltender agieren sollen.

Neben Kultur- auch Politzentrum

Die Reitschule bestreitet jegliche Teilnahme an den Ausschreitungen als auch Kenntnisse von allfällig gelagertem Material, wie sie auf Anfrage schreibt. «Die Auseinandersetzungen waren weder von der Reitschule geplant, noch hatte sie Kenntnisse über eine mögliche Planung», schreibt ihre Mediengruppe auf Anfrage. Die Reitschule habe sich wiederholt klar und deutlich gegen Gewalt gegen Menschen ausgesprochen, heisst es weiter. «Aufgrund unserer politischen Haltung stehen wir Gewalt grundsätzlich ablehnend gegenüber.» Das «Megademo»-Transparent betreffend, sagen die Verantwortlichen: «Die Reitschule unterstützt die Anliegen der Besetzerinnen und Besetzer.» Schliesslich sei sie selber durch eine Besetzung entstanden. Sie verstehe sich seit jeher nicht nur als Kultur-, sondern auch als Politzentrum, das eine solche Treffpunkt-Funktion haben wolle, so die Mediengruppe.

Gute Zusammenarbeit mit Polizei

Alec von Graffenried hält nach den neusten Erkenntnissen an seiner Meinung fest. «Es ist eher unwahrscheinlich, dass Leute an den gewalttätigen Krawallen beteiligt waren, die eine aktive Rolle spielen in der Reitschule.» Was er jedoch nicht sagen kann, ist, ob Mitwisserschaft vonseiten der Verantwortlichen bezüglich des Barrikadenmaterial-Lagers bestanden habe. «Diese Frage bleibt für mich offen», sagt er. Bei den nächsten Stadtgesprächen zwischen der Stadt Bern und den Reitschülern werde er das «bestimmt ansprechen». Auch das Zusammenwirken zwischen Polizei und Reitschule werde dort Thema sein.

Wobei: Die Zusammenarbeit mit der Polizei scheint am Samstag gut funktioniert zu haben. «Wir waren in gegenseitigem Kontakt», sagt Dominik Jäggi, Sprecher der Kantonspolizei Bern. So habe sich die Polizei mit der Reitschule während der Krawalle bezüglich sicherer Zugangsmöglichkeiten und Sperrungen ausgetauscht. «Damit etwa für Gäste, die das Gelände verlassen wollten, rasch Lösungen gefunden werden konnten», so Jäggi. Auf politischer Ebene ist die Rolle der Reitschule derweil klar. Während links-grüne Stadträte wie etwa Lena Sorg, Co-Fraktionspräsidentin der SP, die Reitschule dafür lobt, dass sie «trotz der unübersichtlichen Situation und Randale einiger Idioten den Kulturbetrieb in der Reitschule weiterführen konnte», tobt die Stadtberner SVP nach den Ausschreitungen am Samstag.

In einer Medienmitteilung verurteilt sie die Gewalt gegen Polizisten «aus nächster Nähe». Zudem werde die Reithalle «von perfiden Kriminellen immer wieder als logistische Basis und Rückzugsraum genutzt», heisst es. Die SVP kündigte an, im Stadtrat einen Vorstoss einzureichen, der die «sofortige Schliessung der Reithalle» fordert.

Reitschüler trotzen der SVP

Die Reitschule wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Wir versuchen seit Jahren zu vermitteln, dass wir nicht Austragungsort solcher Konflikte sein wollen», sagt sie auf Anfrage. Den Ort der Auseinandersetzung hätten nicht sie gewählt, sondern die Polizei, die das ganze Gelände hermetisch abgeriegelt habe, und die Aktivisten, die die Auseinandersetzung gesucht hätten, so die Reitschüler. (Der Bund)

Erstellt: 28.02.2017, 08:55 Uhr

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