Rekordzahl neuer Wohnungen – aber nicht immer am richtigen Ort

In diesem Jahr kommen so viele neue Wohnungen auf den Markt wie seit 20 Jahren nicht mehr. In einigen Regionen werden zu viele, in anderen zu wenige gebaut. Das kann sich auf die Preise auswirken.

Hier sind Angebot und Nachrage einigermassen im Lot: Eine Wohnüberbauung an der Paul-Clairmont-Strasse in Zürich. (24. Juni 2014)

Hier sind Angebot und Nachrage einigermassen im Lot: Eine Wohnüberbauung an der Paul-Clairmont-Strasse in Zürich. (24. Juni 2014)

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In der Schweiz dürfte die Zahl der erstellten Wohnungen 2014 nach Einschätzung der UBS erstmals seit 20 Jahren über 50'000 liegen und mit dem Bevölkerungswachstum schritthalten. Allerdings fehlen in der französischen und italienischen Schweiz rund 3000 Wohnungen, so viele, wie in der Deutschschweiz zu viel gebaut werden.

Im ersten Halbjahr 2014 ist laut UBS-Ökonom Elias Hafner ein Rückgang bei den Baubewilligungen um zehn Prozent und bei den Baugesuchen um elf Prozent festgestellt worden. Dadurch sei ab 2015 mit einer tieferen Bautätigkeit zu rechnen.

Zu wenig Wohnungen in Bern und Winterthur

Für das laufende Jahr wird mit einem Reinzugang von über 50'000 Wohnungen gerechnet. Regional bestünden aber deutliche Ungleichgewichte zwischen der Angebots- und der Nachfrageausweitung. Im Grossteil der französisch- und italienischsprachigen Schweiz übersteige die Potenzialnachfrage das Neuangebot.

Alleine in den drei Kantonen Freiburg, Waadt und Genf dürften in den nächsten zwölf Monaten insgesamt rund 2500 Wohnungen fehlen. Auch in den Regionen Bern, Winterthur und Sargans sowie in vielen Gemeinden des Kantons Thurgau bestehe bei gleichbleibendem Bevölkerungswachstum ein Nachfrageüberhang.

Zu viele Wohnungen in der Urschweiz und in Chur

Auffällig hohe Konzentrationen von Gemeinden, die ohne Beschleunigung des Bevölkerungswachstums eine Überkapazität aufweisen dürften, fänden sich im Deutschschweizer Mittelland, in der Urschweiz, im Appenzellerland und im Raum Chur.

Ein Nachfrageüberhang oder eine Überkapazität muss sich gemäss UBS aber nicht eins zu eins in der Preisentwicklung widerspiegeln. Andere Preistreiber könnten diesen Effekt relativieren oder gar umkehren. So werde für den Kanton Genf erwartet, dass trotz einer weiteren Verknappung bei bereits äusserst tiefen Leerständen die aktuellen Preiskorrekturen anhielten.

Nur klare Verknappung preistreibend

In Regionen, wo in den vergangenen Jahren nur wenig gebaut worden sei und die Marktaktivität tief gewesen sei, könnten neue und entsprechend teurere Objekte auf dem Markt überwiegen. Als Folge davon könne es kurzfristig zu einer merklichen Preissteigerung kommen.

Ein Überhang aus einer Zusatznachfrage wirke sich meistens erst bei einer klaren Verknappung deutlich preistreibend aus. Dies sei aber nicht für alle Regionen mit einem Nachfrageüberhang der Fall.

Einwanderung entscheidend

Ob das Bevölkerungswachstum in einer Region anhalte, sich beschleunige oder gar einbreche, hänge stark von der künftigen gesamtschweizerischen Einwanderung und somit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ab, schreibt die UBS in ihrer am Mittwoch publizierten Anlagebeurteilung weiter.

Für 2014 erwartet sie mit 1,1 Prozent Bevölkerungswachstum vorerst keine spürbare Veränderung. Aufgrund der höheren Bautätigkeit sei nicht mit zusätzlichen preistreibenden Impulsen zu rechnen. Dies trage neben der zunehmenden Regulierung sowie den bereits erreichten Preisniveaus zu einer Abflachung des Preiswachstums bei Eigenheimen bei. Aus dem Durchschnitt der Regionen dürfte 2014 aber immer noch ein leicht positives Preiswachstum von zwei Prozent resultieren. (rub/sda)

Erstellt: 20.08.2014, 15:55 Uhr

Fast 2 Milliarden für günstigen Wohnraum

Der Bundesrat will weiterhin günstigen Wohnraum fördern. Er beantragt dem Parlament für die Jahre 2015 bis 2021 einen Rahmenkredit von 1,9 Milliarden Franken. Mit dem Kredit sollen vor allem Anleihen der Emissionszentrale für gemeinnützige Wohnbauträger (EGW) verbürgt werden, heisst es in der am Mittwoch verabschiedeten Botschaft. Dank der Bürgschaften kann die EGW ihren Mitgliedern Mittel zu vorteilhaften Bedingungen zur Verfügung stellen, damit diese günstigen Wohnraum erstellen oder erneuern können.

Der Kredit soll, zusammen mit weiteren Massnahmen, dafür sorgen, dass die Wohnbaugenossenschaften und andere gemeinnützige Bauträger ihren Marktanteil von rund 8 Prozent mindestens halten können, heisst es in einer Mitteilung. Bereits 2011 hatte das Parlament einen Rahmenkredit von 1,4 Milliarden Franken für den Bau von günstigem Wohnraum gesprochen. Dieser läuft nächstes Jahr aus. Bei den mit dem Rahmenkredit beantragten Mitteln handelt es sich um Eventualverpflichtungen. Diese werden nur ausgabenwirksam, wenn eine Bürgschaft eingelöst werden muss. Seit das Wohnraumförderungsgesetz (WFG) 2003 in Kraft getreten ist, war dies noch nie der Fall, heisst es in der Mitteilung. Dank der Bürgschaften hätten aber seit 2003 in der Schweiz rund 27'000 Wohnungen in knapp 800 Liegenschaften günstig finanziert werden können. (sda)

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