Renten-Loch: Die wohlhabenden Pensionäre sollen bluten

Die Hälfte der Pensionskassen hat finanzielle Probleme. Nun fordern Experten, dass vermögende Rentner einen Beitrag zur Sanierung leisten: Ihre Renten sollen schrittweise gekürzt werden.

Reiche Rentner: Sie sollen weniger Rente bekommen – und so mithelfen, die Pensionskassen zu sanieren.

Reiche Rentner: Sie sollen weniger Rente bekommen – und so mithelfen, die Pensionskassen zu sanieren. Bild: Keystone

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Die Finanzkrise trifft die Pensionskassen hart: Von den 2500 Schweizer Kassen ist mehr als die Hälfte in Unterdeckung geraten, was viele Kassen zu Sanierungsmassnahmen zwingt. Diese werden auf dem Buckel der Berufstätigen ausgetragen: Einerseits wird ihr angespartes Vermögen nicht mehr oder nur ungenügend verzinst. Andererseits erheben die Kassen höhere Lohnabzüge, um die Lücke zu schliessen.

Rentner sollen Beitrag leisten

Der Pensionskassenexperte Olivier Deprez betont jedoch, dass eine Sanierung bei Kassen mit einem grossen Rentneranteil alleine mit solchen Massnahmen nicht möglich ist. Er fordert darum: «Die Rentner sollten auch einen Beitrag zur Sanierung der Pensionskassen leisten können.»

Olivier Deprez ist Mathematiker und führt in Zürich ein eigenes Beraterbüro. Er hat bereits konkrete Vorschläge für Rentenkürzungen: Um eine Unterdeckung von beispielsweise 10 Prozent auszugleichen, könnten die Renten schrittweise um 1 Prozent pro Jahr gesenkt werden. «Die kleinen Rentner sollte man schonen, aber die wohlhabenden könnte man mehr belasten.» Eine abgestufte Senkung hat für den Experten den Vorteil, dass man die Kürzungen stoppen könnte, sollte sich die finanzielle Lage verbessern.

Er befürchtet nicht, dass die Rentner in finanzielle Engpässe geraten. «Früher frass die Teuerung die Renten weg. Heute ist die Inflation tief, da treffen moderate Kürzungen die Rentner unter Umständen nicht härter.»

Die Zeit drängt

Deprez ist überzeugt, dass gesetzliche Möglichkeiten geschaffen werden müssen, die Rentenkürzungen erlauben. Noch sei nicht absehbar, wann es der Wirtschaft und den Finanzmärkten wieder besser gehen werde. «Man muss jetzt etwas unternehmen, denn die finanziellen Probleme der Kassen werden sich nicht von alleine lösen.» Zahlen unterlegen Deprez' Pessimismus: Mehr als 40 Prozent des gesamtem Pensionskassenkapitals gehört den Rentnern. Mit der demographischen Entwicklung der nächsten Jahrzehnte wird dieser Prozentsatz noch steigen.

Dass die Kassen schnell aus der Unterdeckung herauskommen, liegt laut Deprez auch im Interesse der Rentner. «Bei Kassen mit vielen Rentnern gilt: Je später eine Sanierung beginnt, desto drastischere Sanierungsmassnahmen sind erforderlich.»

Erstellt: 05.02.2009, 16:32 Uhr

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