Richard Sprüngli verstorben

Die Bahnhofstrasse verliert ihren Hauskonditor: Am Freitag ist Unternehmer Richard Sprüngli im Alter von 97 Jahren an seinem Wohnort gestorben, wie seine Familie gestern mitteilte.

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In seinem Stuhl sitzend, von seiner Frau Katja warm umsorgt, von einem Moment auf den andern, ist Richard Sprüngli am Freitag in Rüschlikon gestorben. Der Patron der Confiserie Sprüngli wurde 97 Jahre alt, war in den letzten Jahren an Körper und Geist etwas müde geworden, doch bis zum Schluss dem Leben zugewandt. Sein Neffe und Nachfolger als Verwaltungsratspräsident Milan Prenosil sagt: «Sein Bewegungsradius war kleiner geworden, doch hat er sich in seiner Welt und in seinen Gedanken wohlgefühlt.»

Richard Sprüngli wurde in Kilchberg geboren und war ein richtiger Seebub. «Ich war lieber Segler als Schüler», hatte er einmal erzählt. Schönschreiben war ihm ein Gräuel, ohnehin alles Gestelzte. Richard Sprüngli war auch als Grandseigneur vom Paradeplatz immer nahbar, brachte Journalisten stets in Gefahr, die professionelle Distanz zu verlieren, weil man so spannend mit ihm plaudern konnte. Über Stiche vom alten Zürich. Über alte Backformen, über Gott und die Welt, über das Skifahren, über die Jagd.

Am Schluss stieg er mit der Besucherin von seiner Wohnung die engen Treppen hinunter ins Hauptgeschäft und sagte: «Jetzt suchen Sie ein Bhaltis aus.»Sprüngli war ein Geschäftsmann mit gutem Riecher für die Zeichen der Zeit. Er eröffnete bereits Filialen in Einkaufszentren und Bahnhöfen, als Expansion für viele Gewerbetreibende noch in die Welt der Grossunternehmer gehörte. Und er hielt ein, bevor die Marke Sprüngli Gefahr lief, ihre Exklusivität zu verlieren. Ob alles frisch und freundlich über den Ladentisch ging, überprüfte er bis vor einiger Zeit bei Besuchen in seinen Filialen selbst. Er wurde von den Mitarbeiterinnen freudig begrüsst. Sprüngli galt als strenger, aber fürsorglicher Chef.

Mister Luxemburgerli

Richard Sprüngli lernte Konditor und trat 1948 in das Familienunternehmen ein. 1956 übernahm er dessen Leitung und landete gleich im Jahr darauf einen Geniestreich: Er passte die «macarons fourés», welche ein Mitarbeiter aus seiner Lehrzeit in Luxemburg mitbrachte, dem hiesigen Geschmack an und wurde zum Mister Luxemburgerli.

Sprüngli nahm auch am öffentlichen Leben teil, war Zünfter, Oberst im Militär, Präsident der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse. In die Politik ging er nie. Mit rot-grün hatte er nichts am Hut, den er häufig zu tragen pflegte. Vor 20 Jahren übergab er die Unternehmensführung an seine Neffen Milan und Tomas Prenosil. Doch schaute er täglich am Paradeplatz vorbei. In den letzten Jahren wurden die Besuche seltener und beschränkten sich schliesslich auf ein Mittagessen am Samstag. Am Dienstag nimmt Zürich im Fraumünster Abschied von Richard Sprüngli. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.10.2013, 06:08 Uhr

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