Interview

«Ritzmann hat Anspruch auf Lohn»

Die Uni Zürich will Professorin Iris Ritzmann bis zum Ende der Kündigungsfrist keinen Lohn mehr bezahlen. Ist das rechtens? Dazu Arbeitsrechtler Thomas Geiser.

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Herr Geiser, die Universität Zürich will der entlassenen Professorin Iris Ritzmann bis zum Ende der Kündigungsfrist Ende April keinen Lohn mehr auszahlen. Ist das gesetzeskonform?
Ich sehe nicht, wie das möglich sein soll. Ritzmann ist bis im Frühling angestellt und hat bis dahin Anspruch auf Lohn. Der Arbeitgeber kann einen Mitarbeiter natürlich freistellen und ihm keine Arbeit mehr zuweisen. Aber den Lohn muss er weiter zahlen.

Gäbe es theoretisch einen Fall, in dem ein Arbeitgeber Lohnzahlungen verweigern kann?
Arbeitgeber können einen materiellen Schaden geltend machen. Dann müssen sie aber nachweisen, dass ihr Vermögen durch vorsätzliches oder grobfahrlässiges Fehlverhalten des Angestellten gemindert wurde. Dann könnte theoretisch noch nicht ausbezahlter Lohn zurückbehalten werden, um die Schadenersatzforderung zu verrechnen. Die Sozialabgaben müsste der Arbeitgeber aber auch in diesem Fall entrichten.

Trifft das auf den Fall Ritzmann zu?
Hier ist nicht ganz ersichtlich, was als Schaden geltend gemacht würde. Allgemein ist so etwas nicht einfach nachzuweisen. Die Hürden sind relativ hoch.

Ursprünglich wollte die Universität Zürich gar Lohn von Iris Ritzmann zurückfordern, verzichtet nun aber darauf. Wäre das rechtlich möglich gewesen?
Das ist absolut unverständlich. Mir ist schleierhaft, wie die Universität das begründet hätte. Lohn kann in der Regel nur dann zurückgefordert werden, wenn zu viel ausbezahlt wurde. Wenn etwa eine Kündigung erfolgt, die Lohnbuchhaltung aber über die Kündigungsfrist hinaus weiterbezahlt. (ami)

Erstellt: 07.11.2013, 14:42 Uhr

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Thomas Geiser ist Professor an der Juristischen Abteilung der Hochschule St. Gallen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen das Arbeits- und das Sozialversicherungsrecht. (Bild: PD)

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