Röstis verändern die SVP

Noch hat Christoph Blocher seine Partei im Griff. Aber in ein paar Jahren wird sie eine andere sein.

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Christoph Blocher hat alles unter Kontrolle. Nichts ändert sich. So deuten viele den über­raschenden Personalwechsel an der SVP-Spitze. Tatsächlich ist alles von oben verordnet. Der Einervorschlag für die Nachfolge von Toni Brunner wirkt gar sowjetisch. Die Delegierten werden den linientreuen Berner Albert Rösti wohl ohne lange Diskussion zum neuen Parteichef küren. Roger Köppel oder ein anderer Zürcher soll als Aufpasser im Parteipräsidium mitarbeiten.

Trotzdem ist es falsch, darin nur einen Beleg für Blochers unerschütterliche Herrschaft zu sehen. Die jüngsten Personalien lassen sich auch anders lesen: als Massnahme gegen schleichenden Kontrollverlust. Als Versuch, den natur­bedingten Wandel der Partei aufzuhalten.

Zielstrebig, unzimperlich und mit enormem Einsatz von Zeit und Geld hat Blocher die SVP zu dem gemacht, was sie heute ist: zur erfolgreichsten Partei der Schweiz, zum patriarchalisch geführten Unternehmen. Wer solches erreicht, will es über die eigene Zeit hinaus erhalten. Blocher hat vieles vorgekehrt, damit sich möglichst wenig ändert, wenn er erkrankt oder nicht mehr ist. Die Ziehsöhne und Statthalter sind inzwischen zahlreich. Die eigene Tochter sitzt im Nationalrat. Doch gleichzeitig ist Blocher wie ein dominanter Vater, dem die Kinder nicht zu widersprechen wagen. Die aber nur auf ein Zeichen der Schwäche warten, egal, wie dankbar sie ihm sind.

Die Ironie ist augenfällig: Leute wie Albert Rösti, die auserkoren sind, das Werk weiterzu­führen, werden mittelfristig die SVP verändern. Er steht zwar politisch ebenso rechts wie Blocher. Aber Rösti ist ein netter Bürgerlicher: einer, dem interne Meinungsvielfalt kein Gräuel ist. Sein Politikverständnis ist konzilianter als das vieler SVP-Kollegen. Die SVP wird eine klare Rechts­partei bleiben. Aber viele Röstis können dazu füh- ren, dass sie eines Tages wieder mehr von dem sein wird, was sie war, bevor Blocher sie gekapert hat: eine behäbig-konservative Volkspartei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2016, 21:45 Uhr

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