Ruhe im Bad, bitte!

Unterdessen in St. Gallen: Das leiseste Openair der Schweiz ist nicht leise genug. Wegen Lärmklagen wird nun indoor gespielt.

Schon am zweiten Tag gingen Lärmklagen ein, es folgten Interventionen seitens Stadtpolizei und Lärmschutzbeautragten: Erinnerungen an das Weihern Openair 2016. Video: PD, Youtube


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Die Plakate des Weihern Openair hingen überall in St. Gallen: «Der Sommer kommt. Unser Programm auch.» Doch das Programm kam nicht. Als Festival-Chef Dario Aemisegger am Freitag letzter Woche vor die Medien trat, verkündete er nicht, welche Bands dieses Jahr spielen würden, sondern dass der Anlass nicht mehr unter freiem Himmel stattfinde. Verhandlungen mit der Stadt über Lärmauflagen seien gescheitert, so Aemisegger, das Openair ziehe in die Grabenhalle. «Über die Musik reden wir erst, wenn diese Geschichte vorbei ist.»

«Weihern unplugged» hiess das kleine Openair, das im September 2012 erstmals im Naherholungsgebiet Drei Weieren stattfand. Im schmucken Holzgebäude des Frauenbads Dreilinden hatte der Gewerbschullehrer Dario Aemisegger eine kleine Bühne aufstellen lassen. Die Auflagen waren streng, lauter als 93 Dezibel durfte die Musik nicht sein. Also vermarktete Aemisegger die Veranstaltung als «leisestes Openair Festival der Ostschweiz».

Die Polizei im Publikum

Lange ging das gut. Stiller Has spielten hier, und natürlich Lokalmatador Manuel Stahlberger. Doch 2016 war fertig mit Festival-Idylle. Schon am zweiten Tag gingen Lärmklagen ein. Eine Streife der Stadtpolizei kreuzte auf dem Gelände auf. Aemisegger fühlte sich drangsaliert, wie er gegenüber dem Fernsehsender TVO sagte. Anfangs 2017 schien all dies vergessen, eine weitere Ausgabe gesichert. Man hatte sich mit der Stadt darauf geeinigt, die Bühne neu gegen den Wald zu drehen. Aber als die Stadt Anfang Mai weitere Empfehlungen nachlieferte, war dies Aemisegger zu viel. Er verlegte das Festival «ins Asyl»: Er habe die Künstlerverträge unterzeichnen müssen und sich keine weiteren Verzögerungen mehr leisten können.

Aus Kulturkreisen erhält Aemisegger Rücken­deckung. Veranstalter und Wirte beklagen sich laut dem Kulturmagazin «Saiten» schon länger über eine restriktive, schikanöse Lärmpolitik. St. Gallen inszeniere sich als Ort der Kultur, lege aber nur Steine in den Weg. Der Stadtrat hingegen gibt sich erstaunt: Nichts liege ferner, als solche Anlässe zu unterbinden. Auch Aemisegger selbst wird kritisiert. Das Festival sei zu gross geworden, heisst es in Kommentarspalten. Tatsächlich ist das «Weiheren» über die Jahre stetig gewachsen. Von zwei auf drei Tage, von ein paar Hundert auf zwei Tausend Besucher. Auch das «unplugged» war zuletzt aus dem Titel verschwunden.

Ein Badeverbot ging baden

Ja, die Weieren und der Lärm, das scheint so eine Sache zu sein. Schon im 18. Jahrhundert verboten St. Gallens Stadtobere das Baden dort für einige Zeit. Ihnen missfiel das ausgelassene Gejohle der Badenden. Das Verbot hielt nicht lange.

Erstellt: 26.05.2017, 12:17 Uhr

Auf einen verregneten Freitag folgt ein sonniger Samstag: Weihern Openair 2015. Foto: PD

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