SBB-Gygi schiesst quer mit seinem Hochgeschwindigkeitszug

Mit 300 km/h von Zürich nach Bern: Plötzlich spricht der SBB-Präsident von einer Hochgeschwindigkeitsstrecke. Beim Bund scheint man perplex ob des Querschlags.

«Gibt es im Rahmen der Bahn 2030 nicht die Chance, auch auf
Hochgeschwindigkeit zu setzen?»: Ulrich Gygi, VR-Präsident SBB, 9. Mai 2010.

«Gibt es im Rahmen der Bahn 2030 nicht die Chance, auch auf Hochgeschwindigkeit zu setzen?»: Ulrich Gygi, VR-Präsident SBB, 9. Mai 2010. Bild: Keystone

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Eine Bahn, die mit 300 Kilometern pro Stunde in weniger als einer halben Stunde von Zürich nach Bern braust: Als Vision taucht sie immer mal wieder auf. Doch der Bund und die SBB haben bis anhin davon nichts wissen wollen. Anderes sei wichtiger, mehr Kapazität, mehr Sitzplätze, mehr Platz auf den Bahnhöfen und weniger Nadelöhre auf dem Schienennetz.

Gemeinsam hatten das Bundesamt für Verkehr und die SBB am 23. März entsprechende erste Ideen für die Bahn 2030 präsentiert. Doch völlig unerwartet redet Ulrich Gygi, Verwaltungsratspräsident der SBB, nun plötzlich einer Schnellbahn das Wort. Wenn man schon für die Bahn 2030 viele Milliarden ausgebe, müsse man sich gut überlegen, ob nicht eine schnelle Bahn durchs Mittelland sinnvoll wäre. «Gibt es im Rahmen der Bahn 2030 nicht die Chance, auch auf Hochgeschwindigkeit zu setzen?», fragt er in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag».

Der Bund wusste von nichts

Beim Bund scheint man perplex ob des Querschlags der SBB. Ob man vorgängig vom Interview Gygis gewusst habe, fragen wir Uvek-Sprecher Daniel Bach. Dazu sage er nichts. Auch nicht darüber, ob man überrascht sei. SBB-Sprecher Reto Kormann hingegen sagt ohne Umschweife, man habe den Bund vorgängig nicht informiert. Gefragt nach dem Motiv für Gygis überraschende Äusserungen, sagt Kormann, Gygi nehme bloss die laufende Diskussion auf. Verschiedene Seiten, unter anderem ETH-Professor Ulrich Weidmann, haben die Idee einer Schnellbahn propagiert. Kormann: «Das ganze Konzert gipfelt darin, dass Herr Gygi die Politik auffordert, dazu Stellung zu nehmen.» Die Kapazitätsfrage sei drängend, aber Gygi zeige «ein gewisses Verständnis» für die Stimmen, die nach höherer Geschwindigkeit rufen.

Noch am 23. März hatte SBB-CEO Andreas Meyer wenig Enthusiasmus für eine Schnellbahn gezeigt. Im Moment auf Geschwindigkeit zu setzen, habe «nicht die höchste Priorität». Die Schweiz sei «eine S-Bahn-Schweiz». Hochgeschwindigkeitszüge: wenig sinnvoll, meinte Meyer damals. «Bis die in Zürich richtig beschleunigt hätten, wären sie schon fast in Bern und müssten anhalten», sagte er im Tagesgespräch von Radio DRS. Gestern betonte SBB-Sprecher Kormann, SBB-CEO Meyer kenne «selbstverständlich die Position von Verwaltungsratspräsident Gygi». Und teilt er sie heute? Der Sprecher sagt dazu nur so viel: «Auch innerhalb der SBB ist die Diskussion im Gang.»

Keine Antwort des Uvek

Das Departement von Moritz Leuenberger antwortet derweil auch auf konkrete inhaltliche Fragen zu Gygis Positionsbezug nicht. Keine Antwort auf die Frage, ob der Bundesrat in seiner Vorlage, die er in einem Jahr in die Vernehmlassung geben wird, die Option einer Schnellbahn ausführen könnte. Nur so viel: Die Priorität liege «eindeutig beim Ausbau der Kapazitäten». Eine Schnellbahn sei trotzdem «eine faszinierende Vision, die, sofern die nötigen zusätzlichen Mittel generiert werden können, allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt konkretisiert werden kann».

Erstellt: 10.05.2010, 21:17 Uhr

«Bis diese Züge in Zürich richtig beschleunigt hätten, wären sie schon fast in Bern und müssten anhalten»: Andreas Meyer, CEO SBB, 23. März 2010. (Bild: Keystone )

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