SMS-Briefmarke hat Mängel

Kurz nach dem Start des Pilotprojekts mit SMS-Briefmarken zeigt sich: Wer das System austrickst, kann Briefe gratis verschicken. Jetzt verstärkt die Post die Kontrollen.

Anstelle einer Marke: Der Code wird von Hand aufs Couvert notiert.

Anstelle einer Marke: Der Code wird von Hand aufs Couvert notiert. Bild: zvg

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Kundinnen und Kunden der Post können seit einem Monat per SMS oder über eine App einen Code anfordern und diesen dann auf ein Couvert schreiben. Diese SMS-Briefmarke kostet 1.20 Franken und gilt als A-Post-Frankierung. Damit ist sie 20 Rappen teurer als die gewöhnliche Marke. Abgerechnet wird über das Handyabo. Swisscom und Sunrise unterstützen den Pilotversuch technisch.

Nun hat der «SonntagsBlick» das System gemäss eigenen Angaben getestet. In mehreren Kantonen der Deutschschweiz liess er Briefe mit frei erfundenen SMS-Codes verschicken. Sämtliche Briefe seien trotz der falschen Frankierung pünktlich angekommen. Forderungen zur Nachzahlung des Portos blieben aus.

Preisüberwacher kritisiert

Preisüberwacher Stefan Meierhans kritisiert die fehlende Kontrolle: «Wenn es so einfach ist, ein Wertzeichen zu fälschen, ist das schon ein Problem.» Solange eine betrügerische Nutzung möglich sei, solle die Post den Versuch einstellen. Für die Ausfälle müsse schliesslich letzten Endes die ehrliche Kundschaft aufkommen. Für die Post ist ein Übungsabbruch gemäss «SonntagsBlick» aber kein Thema.

Auch Michel Rudin vom Konsumentenforum ist nicht begeistert: «Konsumenten greifen für die SMS-Briefmarke tiefer in die Tasche als für eine gewöhnliche Marke und erfahren erst aus der Zeitung, wie andere für den gleichen Dienst gar nichts zahlen – bei einem Staatsbetrieb geht das nicht.»

Post reagiert

Die Post hat das Problem erkannt. Sie teilte gestern auf Anfrage mit, sie gehe davon aus, dass die Kunden für die kostenpflichtige Dienstleistung bezahlen. Es sei aber immer möglich, dass gewisse Personen die Regeln nicht respektierten. Während des einjährigen Pilotprojekts würde das Funktionieren des Systems geprüft und Kontrollen eingeführt. Bereits in den nächsten Tagen soll ein Kontrollsystem betriebsbereit sein, das es erlaube, die Gültigkeit der Codes praktisch zu 100 Prozent zu prüfen. Den Briefmarkencode zu fälschen, mag zwar leicht sein. Vom Nachahmen wird jedoch dringend abgeraten. Denn gemäss Gesetz macht sich strafbar, wer eine Leistung erschleicht, von der er weiss, dass sie nur gegen Entgelt erbracht wird. (sda/mjc)

Erstellt: 07.10.2013, 09:38 Uhr

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