«SP-Steuerinitiative ist verheerend»

Für die Bürgerlichen wäre die Annahme der Steuergerechtigkeitsinitiative der SP ein «fatales Eigengoal». Sie treffe auch den Mittelstand, warnten Vertreter von FDP, CVP, SVP, BDP und Grünliberalen in Bern.

Bürgerliche Allianz gegen die SP-Initiative: Martin Landolt, Martine Brunschwig Graf, Hannes Germann und Markus Stadler (von links) vertreten den bürgerlichen Standpunkt.

Bürgerliche Allianz gegen die SP-Initiative: Martin Landolt, Martine Brunschwig Graf, Hannes Germann und Markus Stadler (von links) vertreten den bürgerlichen Standpunkt. Bild: Keystone

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Sogar die SP gebe zu, dass die Kantone die gesamte Steuerkurve anpassen müssten, sagte der Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann. Eine stärkere Besteuerung von hohen Einkommen ziehe damit eine Steuererhöhung für mittlere Einkommen nach sich.

Der Mittelstand würde auch indirekt zur Kasse gebeten: Durch die Einschränkung des Steuerwettbewerbs würden Kantone und Gemeinden den Anreiz verlieren, Haushaltsdisziplin an den Tag zu legen. Zudem steige die Gefahr, dass gute Steuerzahler und Unternehmen die Schweiz verlassen. «Die verursachten Löcher müssten unweigerlich vom Mittelstand gestopft werden», sagte Germann.

Die SP-Initiative schränke zudem die Möglichkeit der Randregionen ein, sich im internationalen Steuerwettbewerb gut zu positionieren, macht das bürgerliche Komitee geltend. Für gewisse Gebiete sei es unter Umständen ein existenzieller Wettbewerbsfaktor, die Steuern individuell und autonom festlegen zu können, sagte der Glarner BDP-Nationalrat Martin Landolt.

Angriff auf Föderalismus

Die Gegner machen auch geltend, die Initiative höhle die Finanzautonomie der Kantone aus und sei ein erster Schritt in Richtung materieller Steuerharmonisierung. Sie untergrabe damit den schweizerischen Föderalismus und bedrohe so auch die Eidgenossenschaft, sagte der Walliser Finanzdirektor Maurice Tornay (CVP).

Für den Urner GLP-Ständerat Markus Stadler schliesslich sind dem Steuerwettbewerb bereits heute Grenzen gesetzt: Die verfassungsmässigen Grundsätze der Besteuerung etwa, die gerichtliche Anfechtbarkeit der Steuergesetze, der Neue Finanzausgleich und auch die Möglichkeit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, «mit den Füssen» abzustimmen - also den Wohnort zu wechseln.

Laut SP sind 99 Prozent der Bevölkerung nicht betroffen

Die SP-Steuergerechtigkeitsinitiative, über die am 28. November abgestimmt wird, verlangt für Einkommen über 250'000 Franken eine Mindestbesteuerung von 22 Prozent durch Kanton und Gemeinde. Für Vermögen ab 2 Millionen Franken würden 5 Promille Mindeststeuer fällig.

Unterhalb dieser Beträge wären Kantone und Gemeinden weiterhin frei, die Steuern festzulegen. Mit der Mindestbesteuerung von hohen Einkommen und Vermögen soll unter anderem dem Buhlen der Kantone um das reichste Prozent der Bevölkerung der Riegel geschoben werden. Nach Ansicht der SP wären 99 Prozent der Bevölkerung von der Initiative nicht betroffen. (pbe/sda)

Erstellt: 18.10.2010, 16:42 Uhr

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