SVP-Investoren setzen Ringier unter Druck

Der Verlag lehnt ein Kaufangebot für den «Blick» über 230 Millionen Franken ab. Nun drohen die Investoren angeblich mit einer Gratis-Sonntagszeitung.

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Auf keinen Fall werde man den «Blick» abgeben – «egal, zu welchem Preis. Egal, wer der Käufer wäre», twitterte Ringier-Chef Marc Walder gestern Morgen. Wenig später schob die «Blick»-Redaktion einen Klarstellungsartikel nach, Titel: «Blick-Gruppe steht nicht zum Verkauf».

Die Aufregung beim Zürcher Medienhaus geht auf eine neunstellige Zahl zurück: 230 Millionen Franken. So viel soll eine SVP-nahe Investorengruppe für «SonntagsBlick», «Blick», «Blick am Abend» und die dazugehörigen News-portale geboten haben, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Zentrale Figur der Bietergruppe sei der milliardenschwere Alt-SVP-Nationalrat und Autohändler Walter Frey.

Angeklopft hatte aber nicht Frey selbst, sondern der Basler Anwalt Martin Wagner. Der platzierte bei Ringier ein Angebot und legte ein Konzept vor – samt prominenten Namen: So soll Ex-Fifa-Sprecher Walter De Gregorio als neuer Chef der «Blick»-Sports vorgesehen gewesen sein. De Gregorio hatte den Job schon einmal gemacht.

Martin Wagner arbeitet unter anderem als Rechtsvertreter der Basler Zeitung Medien, an der Alt-Bundesrat Christoph Blocher beteiligt ist. Der SVP-Strategiechef selbst sagte allerdings, er habe mit dem Angebot nichts zu tun und habe auch noch nie etwas davon gehört.

Ringier vermutete dennoch, dass nebst Frey auch Blocher hinter der Offerte stand. Bei der «Blick»-Besitzerin kam das Angebot trotz des hohen Preises schlecht an. Zum einen betont Verleger Michael Ringier in Interviews, dass er den «Blick» nicht auf rechtspopulistischem Kurs sehe – bei einem Verkauf an die SVP-nahe Gruppe wäre aus Ringier-Sicht genau das zu befürchten. Zum anderen soll Anwalt Wagner die Spitze des Medienhauses unter Druck gesetzt haben: Falls es nicht zum Verkauf käme, würde das Projekt einer Gratis-Sonntagszeitung vorangetrieben. Diese Idee kursiert seit Mitte 2016, auch hier ist der Name Blocher im Spiel. Im September liess Rolf Bollmann, Geschäftsleiter der «Basler Zeitung», die Marke «60 Minuten am Sonntag» eintragen. Eine Gratiszeitung am Sonntag würde die ohnehin sinkende Auflage des «SonntagsBlicks» zusätzlich bedrohen.

Zwei Ringier-Quellen bestätigen Tagesanzeiger.ch/Newsnet das Angebot für die «Blick»-Gruppe. Marc Walder will zu den Gespräche keine Stellung nehmen. Martin Wagner und Walter Frey waren nicht erreichbar.

«Kein linker Boulevard»

Der Vorstoss beim «Blick» ist der neuste von vielen Versuchen aus SVP-Kreisen, sich in der Medienbranche mehr Einfluss zu verschaffen. «Natürlich wollen wir eine Zeitung, das ist ja bekannt», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti. «Christoph Blocher hat mir schon vor zwanzig Jahren gesagt, dass er den Tagi gerne kaufen würde.» Der «Blick» sei nach wie vor eine interessante Marke, die auch in der digitalen Ära über Schlagkraft verfüge – wenn die Zeitung richtig gemacht wäre: «Sie können keinen linken Boulevard machen. Schauen Sie nach England, dort funktioniert die Boulevardpresse noch.»

Auch Polit-Campaigner Mark Balsiger sieht beim «Blick» Chancen für eine erfolgreiche Rechtsstrategie – «im Gegensatz zur ‹Basler Zeitung›, wo Christoph Blocher damit gescheitert ist». Die BaZ verlor in ihrem Heimmarkt viele Leser, seit sie auf einen Rechtskurs eingeschwenkt ist. Blocher führte wohl auch deshalb immer wieder Verhandlungen mit Medienhäusern. Ein Tausch der BaZ mit der «Schweiz am Sonntag» der AZ Medien kam allerdings nicht zustande, und dasselbe passierte bei den Zürcher Landzeitungen von Tamedia, die auch den «Tages-Anzeiger» herausgibt.

Selbst wenn es mit dem Kauf des «Blicks» geklappt hätte – einer wäre «sicher nicht» Teil der neuen Leitung geworden: Walter De Gregorio. Er habe nie mit irgendjemandem darüber gesprochen, wieder zum «Blick» zu gehen, sagt er – «ich verfolge ganz andere Projekte».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.03.2017, 23:28 Uhr

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