SVP-Nationalrat zankte sich mit malaysischer Haushaltshilfe um Geld

Eine Frau arbeitete viele Jahre im Haushalt der betagten Eltern von SVP-Nationalrat Luzi Stamm. Dann kam es laut einem «Beobachter»-Bericht zu einem Streit, der vor Gericht endete.

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Fast zehn Jahre lang ging alles gut. Eine Frau aus Malaysia arbeitete im Haus der Eltern von Luzi Stamm, SVP-Nationalrat und Rechtsanwalt aus dem Aargau – zunächst als Putzfrau, dann als Haushaltshilfe, zuletzt auch als Pflegerin. Im Herbst 2008 schmiss die alleinerziehende Mutter von drei Kindern den Job, weil sie von Stamm – als Vertreter seiner Eltern – ohne Erfolg einen höheren Lohn verlangt hatte. Wie der «Beobachter» berichtet, liess Stamm die Frau ab März 2008 statt 36 Stunden monatelang 72 Stunden pro Woche arbeiten – und dies zum unveränderten Monatslohn von 3000 Franken. Zuletzt war die aus Malaysia stammende Haushaltsangestellte an drei Tagen rund um die Uhr für Haushalt und Betreuung zuständig.

Die Frau, die nie einen schriftlichen Arbeitsvertrag hatte, klagte auf Entschädigung jener Arbeit, die sie über die ursprünglich vereinbarten 36 Wochenstunden hinaus geleistet hatte. Die Forderung von rund 24'000 Franken wollte der Aargauer Politiker, der zu den treibenden Kräften der SVP-Volksinitiative gegen Masseneinwanderung gehört, nicht erfüllen. Der Streit ging vor Gericht weiter. Das Arbeitsgericht Baden wies schliesslich die Klage ab, weil die Frau «zumindest stillschweigend» in das neue Arbeitsmodell eingewilligt habe.

Monatslohn war deutlich zu tief

Gemäss der Urteilsbegründung von Ende 2010 wollte eine Minderheit der fünf Richter der Klägerin ab März 2008 einen Monatslohn von 4000 Franken zusprechen, wie «Beobachter»-Recherchen ergaben. Organisationen wie Hauswirtschaft Schweiz empfehlen für eine vergleichbare Arbeit höhere Monatslöhne zwischen 3800 und 4200 Franken – für eine Arbeitszeit von 42 Stunden.

Luzi Stamm, der einst Präsident des Bezirksgerichts Baden war, liess zur Auseinandersetzung mit der einstigen Betreuerin seiner Eltern folgende Stellungnahme verlauten: «Sie sagte mir, sie bevorzuge 72 Stunden Präsenzzeit. Denn damit habe sie weniger Arbeit, als wenn sie normal 36 Stunden arbeiten müsse.» Die Frau bestreitet dies: «Wieso sollte ich das wollen? Das war massiv mehr Arbeit, und ich sah meine Kinder drei Tage lang gar nicht mehr.» Und weiter: «Ich habe nur weitergearbeitet, weil ich Herrn und Frau Stamm nicht im Stich lassen wollte. Ich war schlicht auf den Verdienst angewiesen.» Der Aargauer Politiker sagt, dass zusätzlicher Lohn damals gar kein Thema gewesen sei.

Stamm muss der Klägerin 200 Franken zahlen

In einem anderen Punkt gab das Bezirksgericht Baden der Frau allerdings recht. Stamm musste der einstigen Haushaltshilfe rund 200 Franken zurückerstatten. Diesen Betrag hatte sie dem Politiker unter anderem für Essen vorgeschossen.

Die «Aargauer Zeitung», die die «Beobachter»-Geschichte ebenfalls aufgenommen hat, schreibt, dass der Fall ein gefundenes Fressen für die politischen Gegner von SVP-Nationalrat Stamm sei. «Das ist typisch», sagt Katharina Prelicz-Huber, Zürcher Grünen-Nationalrätin und Präsidentin der Gewerkschaft VPOD. «Man schimpft über die Ausländer, schaut bei sich selbst aber nicht so genau hin.» (vin)

Erstellt: 15.09.2011, 10:54 Uhr

«Zusätzlicher Lohn war damals gar kein Thema»: Luzi Stamm, Nationalrat der SVP aus dem Kanton Aargau. (Bild: Keystone )

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