SVP-Werber steckt hinter RTVG-Kampagne

Blutige Finger in einer Mäusefalle: Im Kampf gegen das neue System zur Erhebung der Rundfunkgebühren hat der Gewerbeverband zu einem drastischen Sujet gegriffen. Entwickelt hat dieses ein alter Bekannter.

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Eine Hand, die nach zwei Schweizer Banknoten griff, steckt in einer Mäusefalle fest, vier Finger sind blau, aus einem tropft Blut. Für Schweizer Verhältnisse ist dieses Sujet, mit dem der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) für ein Nein bei der Abstimmung über die Änderung des Radio- und Fernsehgesetzes wirbt, ungewohnt derb. Ähnlich polemisch wirbt in der Regel höchstens die SVP – so mit dem Schäfchenplakat und jenem zur Minarettinitiative. Nun zeigt sich: Die blutigen Finger stammen aus derselben Küche wie die SVP-Plakate, nämlich jener des Werbers Alexander Segert und dessen Agentur Goal im zürcherischen Andelfingen.

Auf die Verbindung zu Goal gestossen ist Daniel Graf, PR-Stratege und früherer Pressesprecher von Amnesty International. Wie er in seinem Blog schreibt, sind diverse Inhalte der Website der Nein-Kampagne auf einer anderen Website abgelegt, die auf Segerts Goal AG registriert ist.

«Eine stimmige Strategie»

Der SGV bestätigt die Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Goal. Der Verband habe sich wie bei Werbekampagnen üblich von verschiedenen Agenturen Vorschläge für die Kampagne präsentieren lassen und den besten ausgewählt, sagt Kommunikationschef Bernhard Salzmann. Das Sujet mit der Mäusefalle stamme von Goal; die einzelnen Teile der Kampagne entstünden in enger Zusammenarbeit.

Über die Vergabe des Auftrags entschieden hat laut Salzmann die Kampagnenführung, die von ihm und Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler verantwortet wird. Nicht involviert war der Vorstand des Verbands. Bedenken, die umstrittene Hausagentur der SVP zu beauftragen, hätten nicht bestanden, sagt der SGV-Vertreter. «Entscheidend war, dass sie eine stimmige Strategie und ein starkes Sujet entwickelt hatten.»

«Handschrift von Goal»

Daniel Graf erstaunt es nicht, dass Segert an der Kampagne beteiligt ist. «Der Gewerbeverband hat mit den blutigen Fingern die Gegenseite dazu gebracht, sich in der entscheidenden Schlussphase mit seiner Kampagne zu beschäftigen.» Den Gegner so zu neutralisieren, sei die Handschrift der Werbeagentur Goal, sagt der Kampagnenspezialist. Hinzu komme, dass nur wenige Werbeagenturen bereit sind, die Grenzen von Anstand und gutem Geschmack zu überschreiten. «Segert versteht es meisterlich, an der politischen Kultur der Schweiz zu rütteln», urteilt Graf.

Kenntlich gemacht hat der Gewerbeverband Segerts Beteiligung nicht. In der «Basler Zeitung» war vielmehr zu lesen, Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler und sein Kommunikationschef Salzmann hätten die Kampagne alleine geplant. Graf ist überzeugt, der Gewerbeverband habe ganz bewusst versucht, die Zusammenarbeit vertraulich zu behalten. «Die Sympathie für die Kampagne wäre von Anfang an viel geringer gewesen, wenn man gewusst hätte, dass nun der Segert-Zweihänder kommt», sagt Graf.

Segert selber lässt sich auf eine Diskussion über seine Strategie nicht ein. Die Befürworter hätten keine überzeugende Argumente für ein Nein, sagt er. «Deshalb greifen sie jetzt zur Stilfrage.» Im Übrigen habe die Botschaft offenbar ins Schwarze getroffen. «Sonst wäre es nicht zu der lebhaften und für eine Demokratie wichtigen kontroversen Diskussion gekommen».

Auch «Energiesteuer-Monster» von Goal

Während seine aufsehenerregendsten Sujets im Auftrag der SVP entstanden sind, war Segert aber auch schon für andere Auftraggeber im bürgerlichen Lager tätig. Ein eher wenig beachtetes Sujet, das «Energiesteuer-Monster», schuf die Agentur Goal für das von der BDP und der FDP formierte und von Economiesuisse finanzierte Nein-Komitee zur GLP-Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer». Auch in diesem Fall schwiegen sich die Auftraggeber über die Zusammenarbeit mit Segert aus.

Erstellt: 26.05.2015, 12:52 Uhr

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