Sanft im Ton, hart in der Sache

Petra Gössi müsste als FDP-Chefin aufpassen, nicht als SVP-Juniorpartner wahrgenommen zu werden.

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Die Chancen stehen gut, dass mit Petra Gössi vom 16. April an eine Frau die FDP präsidiert. Nach der ­unglücklich agierenden Christiane Langenberger und Interimspräsidentin Marianne Kleiner wäre die 40-jährige Schwyzerin erst die dritte Frau an der Spitze des Freisinns. Antreten wird Gössi mit einem ausgeprägteren Führungsanspruch als ihre beiden Vorgängerinnen, die Anfang der Nullerjahre nur kurz im Amt blieben. Doch einfach wird das nicht. Im Unterschied zum bisherigen Kronfavoriten Christian Wasserfallen und zum abtretenden Präsidenten Philipp Müller neigt Gössi nicht zum pointierten Auftritt.

Es fällt schwer, sich die introvertierte Nationalrätin an einem FDP-Parteitag in der Rolle der Antreiberin vorzustellen, die Begeisterung entfachen kann. Passend zu ihrer Zurückhaltung hat Gössi ihre Kandidatur mit einem fünfzeiligen Communiqué angekündigt – und ist bis Mitte Februar wegen eines Auslandsaufenthalts nicht mehr erreichbar. In der Sache indes ist von solcher Zurückhaltung nichts zu spüren. Gössi ist eine klassische Wirtschaftsvertreterin und politisiert am rechten Rand der Fraktion. Ihre Forderung, Schwyz solle seine Beiträge an den nationalen Finanzausgleich auf ein Sperrkonto einbezahlen, war eine Provokation, wie man sie sonst von der SVP kennt.

Sanft im Ton, hart in der Sache: Nicht nur Gössi tritt so auf, sondern auch Albert Rösti und Gerhard Pfister, die voraussichtlich neuen Präsidenten von SVP und CVP. Es ist absehbar, dass die drei bürger­lichen Parteien in dieser Konstellation näher zusammenrücken und der alte Bürgerblock wieder ein Stück weit Realität wird. Zwischen Toni Brunner, Philipp Müller und Christophe Darbellay flogen bisweilen die Fetzen. Das dürfte künftig weniger der Fall sein. Insbesondere Gössi hat in Schwyz die Kooperation mit der SVP forciert. Auf nationaler Ebene wird sie als FDP-Chefin jedoch auch die fundamentalen Differenzen mit der SVP etwa in der Europapolitik betonen müssen. Sonst besteht die Gefahr, dass der Freisinn unter ihr als eine Art Juniorpartner der SVP wahrgenommen wird. Und die Bürger beim nächsten Mal ­lieber gleich das Original wählen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2016, 22:18 Uhr

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