Sawiris’ Skigebiet im grossen Schweiz-Vergleich

Andermatt-Sedrun wird zum grössten Wintersportgebiet der Zentralschweiz. Aber kann es auch national mithalten?

Hat mit der Verbindung von Andermatt und Sedrun eines seiner grossen Ziele erreicht: Investor Samih Sawiris auf der Piste des Skigebiets. (Bild: Keystone)

Hat mit der Verbindung von Andermatt und Sedrun eines seiner grossen Ziele erreicht: Investor Samih Sawiris auf der Piste des Skigebiets. (Bild: Keystone)

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Seit 2005 baut der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris ein Ferienresort im Urner Dorf Andermatt. Lange stiess er damit auf Widerstand, unter anderem bei Umweltverbänden und dem Schweizer Alpen-Club (SAC). Doch Sawiris setzte sich durch. Bis heute hat er schon über 900 Millionen Franken in sein Projekt «Andermatt Swiss Alps» investiert, unter anderem in das Luxushotel The Chedi, in verschiedene Restaurants sowie den Bau und die Modernisierung von Liftanlagen.

Jetzt, 13 Jahre später, kommt ein wichtiger Baustein des Projekts zum Abschluss: Die Verbindung von Andermatt und Sedrun. Die letzte Gondelbahn – der «Schneehüenerstock-Express» – wird in diesen Tagen fertiggestellt. Sie fährt vom Oberalppass, der sich an der Kantonsgrenze zwischen Graubünden und Uri befindet, zum Schneehüenerstock. Am Freitag wird sie offiziell eingeweiht, pünktlich zum Start der neuen Wintersaison 2018/19.

Verbindet zwei Skigebiete und zwei Kantone: Der «Schneehüenerstock-Express» (rosa) zwischen Andermatt und Sedrun. (Klicken Sie hier, um den ganzen Pistenplan zu sehen)

Durch den Zusammenschluss werden die ursprünglichen drei Skigebiete Gemsstock, Nätschen-Gütsch und Sedrun-Oberalppass zu einer «SkiArena». Mit insgesamt 120 Pistenkilometern ist sie das grösste Wintersportgebiet der Zentralschweiz. Aber kann Andermatt-Sedrun damit auch im nationalen Vergleich mithalten?

Wir haben uns die 32 grössten Schweizer Skigebiete in aufwendiger Arbeit genau angeschaut. Unter einem Skigebiet verstehen wir eine Region, in der man mit derselben Tageskarte fahren kann. In Davos Klosters etwa ist das nicht nur auf den bekannten Bergen Jakobshorn und Parsenn möglich, sondern auch in den kleineren Gebieten Madrisa, Rinerhorn und Schatzalp. Wir zählen deshalb alle zum grossen Skigebiet Davos. Ein anderes Beispiel ist das Oberengadin, wo ein Sportler mit demselben Ticket auf dem Corvatsch, der Corviglia, Diavolezza, Lagalp oder in Zuoz Ski fahren kann.

Die meisten Schweizer Skigebiete werben mit der kumulierten Länge ihrer Pisten um Gäste. Andermatt-Sedrun hat neu 120 Pistenkilometer. Knapp die Hälfte davon sind rot beziehungsweise mittelschwer. Bei einem Drittel handelt es sich um schwarze oder anspruchsvolle Pisten, nur wenige sind blau und einfach zu fahren.

Im Vergleich aller Skigebiete landet Andermatt-Sedrun damit auf Platz 15, also im Mittelfeld. Es ist deutlich grösser als die anderen Zentralschweizer Gebiete, nur Engelberg-Titlis kann mit 82 Kilometern einigermassen mithalten. Die ganz grossen Resorts im Wallis und in Graubünden liegen aber ausser Reichweite.

Mit Abstand am meisten Pistenkilometer bietet das riesige Gebiet Portes du Soleil, das sich ganz im Westen des Kantons Wallis über die schweizerisch-französische Grenze erstreckt. Mit einem Skipass kann hier in zwölf verschiedenen Orten und zwei Ländern über 650 Kilometer gefahren werden. Mit den «4 Vallées» und Zermatt liegen auf den Plätzen zwei und drei ebenfalls Walliser Skigebiete. Dahinter folgen zahlreiche Bündner Orte.

Der Vergleich der Pistenlängen ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Denn bei der Berechnung der Kilometer gibt es keine einheitlichen Messmethoden. Die Skigebiete können entweder nur die Luftlinie vom Abfahrts- bis zum Zielort messen oder eine gerade Linie ziehen, die das Höhenprofil noch miteinbezieht. Die meisten aber berechnen zusätzlich die Kurven mit ein, die ein Skifahrer oder Snowboarder durchschnittlich fährt. Da gibt es viel Spielraum, und die Verlockung ist gross, eher etwas mehr als weniger anzugeben.

Deshalb haben wir die Skigebiete noch anhand anderer Kategorien verglichen, zum Beispiel der Anzahl Pisten. Hier kann weniger gut geschummelt oder aufgerundet werden. Und die Pisten sind ein entscheidender Wert. Denn umso mehr es davon in einem Gebiet hat, desto besser verteilen sich die Sportler, wenn an einem sonnigen Tag der Ansturm mal gross ist.

Auch hier überragt Portes du Soleil alle. Dahinter werden die Karten aber neu gemischt: «4 Vallées» bietet zwar am zweitmeisten Kilometer, dafür weniger Abwechslung als einige Konkurrenten. Mit insgesamt 104 Pisten liegt das Skigebiet lediglich auf Platz acht. Arosa-Lenzerheide und Adelboden-Lenk hingegen machen im Vergleich zur anderen Rangliste einen Sprung nach oben. Andermatt-Sedrun bleibt auf dem 15. Platz. Das zusammengelegte Gebiet hat neu 66 Pisten.

Eine weitere Möglichkeit, Skigebiete zu vergleichen, liegt bei der Anzahl ihrer Liftanlagen. Schliesslich ist es für Skifahrer und Snowboarder äusserst mühsam, wenn sie viel Geld für eine Tageskarte ausgegeben haben und dann ewig anstehen müssen, weil es zu wenig Lifte für die schnelle Beförderung der Gäste zurück auf den Gipfel gibt.

Andermatt-Sedrun hat diesbezüglich kräftig ausgebaut. 23 Anlagen gibt es inklusive dem neuen «Schneehüenerstock-Express», der morgen eingeweiht wird: 5 Schlepplifte, 9 Sessel, 4 Gondelbahnen, 2 grosse Luftseilbahnen und 3 sogenannte Zauberteppiche beziehungsweise Förderbänder für Kinder.

Im nationalen Vergleich kann Andermatt-Sedrun damit aber nicht ganz vorne mithalten und holt sich lediglich Platz 18. Der direkte Zentralschweizer Konkurrent Engelberg-Titlis hat noch drei Lifte mehr. Etliche Gebiete im Wallis, in Graubünden und im Berner Oberland haben mehr also doppelt so viele Anlagen.

Trotzdem ist aus dem veralteten Skigebiet Andermatt-Sedrun in kurzer Zeit ein topmodernes Wintersportrevier geworden, das mit vielen anderen konkurrieren kann. In der nächsten Saison dürfte es sogar noch einmal einige Ränge gutmachen: Dann ist die Gondelbahn «Salins-Cungieri-Cuolm da Vi» in Betrieb, die Andermatt-Sedrun mit Disentis GR verbindet und das Skigebiet noch grösser macht.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.12.2018, 17:59 Uhr

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