Andermatt-Resort

Sawiris-Leute bezahlen Urner Journalisten für PR-Texte

Journalisten der beiden dominierenden Urner Zeitungen schreiben und fotografieren auch für eine Werbepublikation des Ferienresorts in Andermatt.

Wohlwollende Berichterstattung über Sawiris: Das Urner Wochenblatt. (Archivbild)

Wohlwollende Berichterstattung über Sawiris: Das Urner Wochenblatt. (Archivbild) Bild: Keystone

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Das Milliardenprojekt von Samih Sawiris ist für Uri mit enormen Chancen und Risiken verbunden. «Umso mehr sind die Urner auf eine kritische Berichterstattung angewiesen», sagt ein schweizweit bekannter Urner Politiker. Wie Recherchen des TA zeigen, sind Journalisten der «Neuen Urner Zeitung» und des «Urner Wochenblatts» eng mit der Sawiris-Firma verbandelt. Parallel zu ihrer Berichterstattung über das Andermatter Resort liessen sie sich für PR-Tätigkeiten bezahlen. Dominique von Burg, Präsident des Schweizer Presserats, sagt: «Das ist eine eindeutige Verletzung der journalistischen Unabhängigkeit.»

Sven Aregger ist stellvertretender Redaktionsleiter der «Neuen Urner Zeitung», einer Regionalausgabe der NZZ-Tochter «Neue Luzerner Zeitung». Er hat seit 2006 rund hundertmal über das Sawiris-Projekt geschrieben. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass der Redaktor dem Projekt eher wohlgesinnt ist: «Projekt ist keine Spinnerei», «Sawiris punktet bei Verbänden», «Sawiris-Modell fasziniert Gäste», Samih Sawiris: «Ich werde langsam ungeduldig» oder «Gehts Sawiris schlecht, gehts allen schlecht».

Wohlwollende Berichterstattung

Von Mitte 2010 und bis Ende 2011 schrieb und fotografierte Sven Aregger auch für «Andermatt Swiss Alps News». Dabei handelt es sich um eine mehrmals jährlich veröffentlichte PR-Publikation der Andermatt Swiss Alps AG (ASA). Auflage: 5000 Exemplare. Die ASA ist zuständig für die Realisierung des Andermatt-Resort und gehört Samih Sawiris. Es versteht sich von selbst, dass Aregger nur das Beste über die im Bau befindliche Ferienanlage zu berichten wusste.

Bruno Arnold, Redaktionsleiter der «Neuen Urner Zeitung», sieht darin kein Problem: «Die Artikel von Sven Aregger sind in diesem Zeitraum inhaltlich nur indirekt mit dem Sawiris-Projekt verbunden.» Seit 2006 war Aregger immer im Impressum als Mitglied der Redaktion geführt, wobei er während der PR-Tätigkeit seine leitende Funktion ruhen liess. «Er war bis zum dritten Quartal 2011 zu 50 Prozent angestellt», sagt Arnold.

«Uri ist ein kleiner Kanton»

In der jüngsten Ausgabe der «Andermatt Swiss Alps News» schreibt und fotografiert Christian Mattli. Er ist gleichzeitig journalistisch für das «Urner Wochenblatt», den zweiten wichtigen Urner Zeitungstitel, tätig. «Christian Mattli steht zwar im Impressum, er ist aber kein fest angestellter Redaktor und schreibt auch nur selten über das Projekt in Andermatt», relativiert Chefredaktor Markus Arnold.

Tatsächlich hat Mattli im Mai ausführlich über die Aktionärsversammlung der Orascom Development Holding AG berichtet. Und im Juli erschien ein glatter Artikel im «Urner Wochenblatt» über ein weiteres Sawiris-Projekt: «Samih Sawiris und Franzsepp Arnold steigen gemeinsam ins Nachtleben ein.»

Markus Arnold wirbt um Verständnis: «Uri ist ein kleiner Kanton, da kennt jeder jeden. Es ist fast nicht vermeidbar, dass jemand für mehrere Auftraggeber tätig ist.» Man sei sich bewusst, dass dies zu Konflikten führen könne und gehe damit verantwortungsvoll um. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2012, 21:25 Uhr

Samih Sawiris ist Verwaltungsratspräsident der Orascom Development Holding AG. Deren Tochter Swiss Alps AG plant das Ferienressort in Andermatt.
(Bild: Keystone )

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