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Schleichende Einführung des Mindestalters 18 für Bier und Wein

Bestrebungen der Kantone nach einem höheren Mindestalter für Alkohol scheitern meistens an den Parlamentariern. Trotzdem erhalten Minderjährige in vielen Geschäften keinen Alkohol mehr.

Zur Prävention solls Alkohol erst ab 18 geben: Der Konsum der Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren hat laut Freiburger Regierung stark zugenommen.

Zur Prävention solls Alkohol erst ab 18 geben: Der Konsum der Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren hat laut Freiburger Regierung stark zugenommen. Bild: Keystone

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Das Anliegen sorgte umgehend für harsche Kritik. Dennoch will die Freiburger Regierung daran festhalten: Wer unter 18 Jahre alt ist, soll künftig nirgendwo im Kanton mehr Bier oder Wein kaufen dürfen. Dieses restriktive Verkaufsverbot für Restaurants und Geschäfte schlägt der Freiburger Staatsrat in einer aktuellen Gesetzesrevision vor, über die das Parlament noch befinden muss. Schweizweit gilt mit Ausnahme des Kantons Tessin und zu gewissen Nachtzeiten des Kantons Basel-Stadt das gesetzliche Mindestalter 16. Stärkere Alkoholika wie Schnaps hingegen sind schweizweit erst ab 18 erhältlich.

Die Freiburger Regierung begründet die generelle Erhöhung des Mindestalters mit «der öffentlichen Gesundheit und dem Jugendschutz»: Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren habe stark zugenommen. «Die Vereinheitlichung der Altersgrenze für alle alkoholischen Getränke auf 18 Jahre ist ein angemessenes Mittel, um gegen diese beunruhigende Entwicklung vorzugehen.» Mit ähnlichen Argumenten propagierten vor einigen Jahren auch die Zuger und die basel-landschaftliche Regierung ein Mindestalter 18 für Bier und Wein. In Bern war eine Erhöhung ebenfalls ein Thema. Überall scheiterten die Bestrebungen aber spätestens am Widerstand der Parlamentarier, die sich zusammen mit den lokalen Gewerbeverbänden gegen Einschränkungen aussprachen. In Freiburg hat der Branchenverband Gastro-Fribourg die staatsrätlichen Pläne scharf kritisiert.

Coop will Verbot bis 18 Jahre

Obwohl Verkaufsverbote in der Politik unbeliebt sind, findet in der ganzen Schweiz ein schleichender Prozess hin zu einem höheren Mindestalter statt. Coop hat bereits im Sommer 2008 beschlossen, Bier und Wein nur noch an Personen zu verkaufen, die mindestens 18 Jahre alt sind. Die Massnahme gilt in sämtlichen Verkaufsstellen des Landes inklusive der Coop-Pronto-Shops, die von Franchisenehmern betrieben werden. Coop ist nach eigener Einschätzung der grösste Bier- und Weinverkäufer des Landes. Migrolino und Aperto haben nachgezogen und kennen heute ebenfalls ein Verkaufsverbot an unter 18-Jährige. Die Migros verkauft generell keinen Alkohol.

Coop ist mit der Entscheidung von 2008 zufrieden und äussert sich zugunsten eines nationalen gesetzlichen Verkaufsverbots: «Coop hat sehr gute Erfahrungen mit dem Jugendschutzalter 18 gemacht und würde eine nationale, einheitliche Regelung, die alle betrifft, unterstützen», erklärt Sprecher Dominik Schneider. Genaue Angaben zu Umsatzeinbussen beim Bier- und Weinverkauf will Coop nicht machen. Schneider lässt aber durchblicken, dass der Detailhändler damit leben könne.

Jugendschutz vor liberaler Gesinnung

Weiterhin erhältlich sind Wein und Bier für Personen unter 18 Jahren in Geschäften von Ketten wie Denner oder Avec – mit Ausnahme von Gemeinden wie dem bernischen Laupen, in denen die lokalen Behörden mit allen Geschäften auf freiwilliger Basis ein Verkaufsverbot eingeführt haben. Denner will sich zum geplanten Verkaufsverbot in Freiburg nicht äussern und lässt lediglich mitteilen, dass man sich an eine gesetzliche Regelung selbstverständlich halten würde. Bei Gastrosuisse, dem Verband der Hotellerie und Restauration, heisst es: «Es besteht kein Handlungsbedarf.» In Restaurants spiele die soziale Kontrolle und sorge dafür, dass es nicht zu problematischem Konsum komme.

Für ein höheres Schutzalter – ob freiwillig oder auf Gesetzesstufe – plädieren das Blaue Kreuz, die Präventionsstelle Sucht Schweiz sowie vereinzelte Politiker. «Das höhere Schutzalter schränkt die Erhältlichkeit von Alkohol für Jugendliche ein und vereinfacht die Alterskontrolle an der Kasse», heisst es beim Blauen Kreuz. Die EVP-Nationalrätin Maja Ingold und der FDP-Ständerat und ehemalige Zuger Gesundheitsdirektor Joachim Eder hoffen, dass die Freiburger Regierung mit ihren Plänen erfolgreich ist und dann allmählich alle Kantone ein Verbot für unter 18-Jährige einführen. «Ich bin ein liberaler Politiker, gewichte in dieser Frage den Jugendschutz aber höher», sagt Eder.

Strenge Regeln im Tessin

Im Tessin ist das Verkaufsverbot an Personen unter 18 in Läden bereits seit 1989 gesetzlich verankert. Fünf Jahre später kam ein Verbot in Restaurants dazu. Vor vier Jahren geriet die Regelung in Kritik, da die Behörden für keine konsequente Umsetzung sorgten. Fälle von jugendlichen Komatrinkern traten ebenso oft auf wie in anderen Kantonen. Dennoch entschied sich die Regierung, an den Verboten festzuhalten. Wirten drohen seither Bussen über 1000 Franken, wenn sie sich nicht ans Verbot halten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.07.2012, 06:18 Uhr

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