Schon die «Wende light» ist schwer

René Lenzin, Inlandredaktor, über die Schwierigkeiten bei der Energiewende.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Energiewende ist ein ebenso ambitiöses wie vages Projekt. Alle sprechen darüber, viele streben sie an, aber längst nicht alle verstehen dasselbe darunter. Zwar gibt es in der Energiewende-Allianz einen Minimalkonsens darüber, dass die Schweiz aus der Atomenergie aussteigen soll. Aber bereits beim Ausstiegsfahrplan ist ein Konsens noch weit entfernt. Ebenso bei der Frage, womit der Atomstrom zu ersetzen sei und wie viel Fördergelder in diesen Ersatz fliessen sollen.

Irgendwie bekennen sich zwar alle zur Energieeffizienz, aber niemand sagt wirklich, was die entsprechenden Massnahmen kosten dürfen und wen sie treffen würden. Und schliesslich kochen die Freunde der Wasser-, Solar-, Wind-, Holz-, Biomasse- und Geothermiekraft alle ihr eigenes Süppchen, auf dass ihre Branche ein möglichst grosses Stück vom Energiewende-Kuchen abkriege. Cleantech heisst ihr Zauberwort; es gebe nur Gewinner, lautet ihr Heilsversprechen.

Klar ist dabei vor allem eins: Was der Bundesrat als Energiestrategie 2050 bisher an das Parlament geschickt hat, ist weit entfernt von einer Energiewende im umfassenden Sinn. Geregelt werden eigentlich nur die Strom- und die Heizfrage. Weitgehend ausgenommen sind hingegen die Bereiche Verkehr und Mobilität, die – gerade bei den fossilen Energien mit ihrem schädlichen CO2 – den Grossteil des Verbrauchs ausmachen.

Ebenso vertagt ist die Frage von Lenkungsabgaben, die der Bundesrat in der zweiten Etappe seiner Strategie vorlegen will. Auch dabei ist allerdings kein Konsens unter den grundsätzlichen Befürwortern in Sicht: Braucht es Abgaben auf nicht erneuerbaren Energieträgern, um eine umweltpolitische Lenkung zu erzielen? Oder braucht es eine – allenfalls differenzierte – Abgabe auf allen Energieträgern, um generell einen sparsamen Umgang mit den Ressourcen zu erwirken?

Ebenso klar ist: Realpolitisch wäre es illusorisch, eine solch umfassende Energiewende aufs Mal anzustreben. Bereits deren erste Etappe umzusetzen, wird schwierig genug sein. Das erklärt die Unlust der Ausstiegsallianz, über weitergehende Projekte zu reden – zum Beispiel über einen Gegenvorschlag zur Initiative «Energie- statt Mehwertsteuer» der Grünliberalen.

Erstellt: 15.06.2014, 23:55 Uhr

Artikel zum Thema

Die Schweiz importiert  jedes Jahr für 13 Milliarden Franken Energie

80 Prozent des inländischen Energiebedarfs werden im Ausland bezogen. Mehr...

Audi stellt mit Windstrom Gas her

Der Autoproduzent speichert erneuerbare Energie. Und fördert den Absatz von gasbetriebenen Autos. Mehr...

René Lenzin

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Studieren von zu Hause aus

Erstmals in der Schweiz lässt sich ein Bachelor virtuell absolvieren. Dieses Set-up erlaubt es den virtuell Teilnehmenden ohne Pendeln zu studieren.

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...