Schulen stellen unterqualifizierte Lehrer ein

Alarmierende Zustände an Volksschulen: Wegen des Lehrermangels gibt es laut einer Umfrage erhebliche Qualitätseinbussen.

Im Tessin und in der Romandie ist der Mangel an Fachkräften prekär: Eine beschriebene Wandtafel, eine Schulbank und ein Stuhl – und nach den Sommerferien hoffentlich auch eine qualifizierte Fachperson im Schulzimmer. (Symbolbild)

Im Tessin und in der Romandie ist der Mangel an Fachkräften prekär: Eine beschriebene Wandtafel, eine Schulbank und ein Stuhl – und nach den Sommerferien hoffentlich auch eine qualifizierte Fachperson im Schulzimmer. (Symbolbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Wenn alles gut geht, steht nach den Sommerferien vor jeder Volksschulklasse ein Lehrer. Mit Müh und Not dürften die offenen Stellen gerade noch besetzt werden. Doch der Preis dafür ist hoch. Eine repräsentative Umfrage bei 1141 Schweizer Schulleitern zeigt: Wegen der Lehrer-Knappheit werden bei Neuanstellungen zum Teil erhebliche Qualitätseinbussen in Kauf genommen.

Um die Leerstellen in den Klassenzimmern zu füllen, greifen die Schulen laut der «SonntagsZeitung» auf Personal zurück, das nicht die nötige Ausbildung mitbringt. Erstmals haben die Verbände der Schulleiter aus der Deutschschweiz (VSLCH), der Westschweiz und dem Tessin die Stellensituation gesamtschweizerisch untersucht. Das Resultat ist alarmierend: In der Deutschschweiz gaben nur 17 Prozent der Schulleiter an, dass sie alle Personallücken mit Lehrkräften besetzen konnten, die den Anforderungen des Stellenprofils entsprechen – 83 Prozent der Schul-Chefs mussten auch unterqualifizierte Pädagogen anheuern.

Ein Viertel fachfremde Lehrer

Noch prekärer ist die Situation in der Romandie und im Tessin, wo nur 9 Prozent der Schulleiter bei Neuanstellungen ausschliesslich genügend qualifizierte Lehrer fanden. «Die Schulleitungen müssen bei der Besetzung der offenen Stellen oft erheblich Kompromisse eingehen», sagt VSLCH-Präsident Bernard Gertsch. Laut Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes LCH, wird sich das noch verschärfen: «Die Tendenz, dass Schulleiter anstellen müssen, wen sie gerade bekommen, wird weiter zunehmen.» Schon heute würden in gewissen Regionen bis zu einem Viertel fachfremde Lehrer unterrichten.

Der Lehrermangel zwingt die Schulen, mit Personal zu jonglieren. Vor den Klassen stehen Lehramtsanwärter, um fehlende Pädagogen zu ersetzen, Primarlehrer helfen in den Sekundarschulen aus, Französischlehrer unterrichten auf der Oberstufe zusätzlich Deutsch, auch wenn sie für dieses Fach kein Patent haben. Schwer zu besetzen sind für das kommende Schuljahr vor allem Vakanzen in Primarschulen. Fast die Hälfte (47 Prozent) der Deutschschweizer Schulleiter  gab in der Umfrage an , dass sie Mühe haben, Stellen für Fachlehrer in der 3. bis 6. Klasse zu besetzen. (foa)

Erstellt: 12.06.2016, 08:46 Uhr

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