Schurter war Soldat im Dienst, als er Trump den Hintern zeigte

Mountainbike-Weltmeister Nino Schurter leistete Militärdienst, als er sich vor dem Weissen Haus entblösste. Das hat Folgen.

Spitzensportsoldat Nino Schurter (ganz links) habe gegenüber seinem Kommandanten «sofort bereut», sagt ein Sprecher der Armee. Foto: www.instagram.com/nschurter

Spitzensportsoldat Nino Schurter (ganz links) habe gegenüber seinem Kommandanten «sofort bereut», sagt ein Sprecher der Armee. Foto: www.instagram.com/nschurter

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Das Foto hat schweizweit für Aufsehen gesorgt. Nino Schurter, der achtfache Mountainbikeweltmeister und dreifache Medaillengewinner an Olympischen Spielen, veröffentlichte es Anfang September auf Instagram. Das Bild zeigt ihn und seine Team-Begleiter vor dem Weissen Haus. Dazu schrieb Schurter: «Weisse Hintern fürs Weisse Haus.» Dazu verlinkte er US-Präsident Donald Trump. Dem «Blick» erzählte Schurter später: «Das Foto entstand ganz spontan. Amerika ist ein wunderschönes Land, und ich bereise es sehr gerne. Aber für die aktuelle Führung habe ich nicht viel übrig.»

Die Reaktionen auf das Foto waren überwiegend negativ. Mittlerweile hat es der Mountainbiker denn auch aus Instagram gelöscht. Doch die Geschichte ist damit für ihn noch nicht ausgestanden. Denn wie Recherchen dieser Zeitung ergeben haben, weilte Schurter nicht als Privatperson oder als normaler Sportler in der amerikanischen Hauptstadt.

Botschafter der Armee

Armeesprecher Daniel Reist bestätigt: «Nino Schurter war in Washington als Spitzensportsoldat unterwegs und leistete einen Diensttag.» Er habe zu diesem Zeitpunkt Sold und Erwerbsersatz erhalten, wie jeder Soldat. Als er zusammen mit seinen Kollegen für die politische Foto-Aktion vor dem Weissen Haus posierte, stand Schurter also im Militärdienst und war seinem militärischen Kommandanten unterstellt.

In einem Merkblatt des Bundesamtes für Sport und der Armee ist zu lesen, die Spitzensportförderung, von der auch Schurter profitiert, sei nicht nur für den Sport, sondern auch für die Armee ein wichtiges Gefäss. Die Sportler seien «Botschafter der Armee». Deshalb werde «militärisch korrektes Verhalten vorausgesetzt».

Er erhält wohl einen Verweis

Dass der Instagram-Post des 33-Jährigen nichts mit militärisch korrektem Verhalten zu tun hat, ist offensichtlich. Wird Schurter deshalb nun von seinem Kommandanten bestraft? Wohl ja, geht aus der Antwort von Armeesprecher Reist hervor. Dieser sagt: «Wir sind nicht bereit, den Vorfall zu kriminalisieren und zu skandalisieren.» Schurters Kommandant werde diese Sache verhältnismässig und disziplinarisch erledigen. Eine mögliche Sanktion sei ein Verweis. Wie bestraft wird, liege aber allein im Ermessen des Kommandanten und sei nicht öffentlich.

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Sprecher Reist nimmt Schurter jedoch in Schutz. Nino Schurter sei seit Jahren Vorzeigeathlet und Vorbild. Er habe als Spitzensportsoldat und Zeitmilitär-Spitzensportler zwar viel von der Armee und vom Bundesamt für Sport erhalten. Dafür aber auch bei unzähligen Gelegenheiten sehr viel fürs Image der Armee und der Schweiz gemeinhin getan, so Reist. Der Vorfall in Washington sei Schurters erster und einziger Ausrutscher. «Er hat ihn gegenüber seinem Kommandanten sofort bedauert», sagt Reist.

Die Konzeption zur staatlich-militärischen Spitzensportförderung hatte im Jahr 1999 der damalige Verteidigungsminister Adolf Ogi (SVP) ins Leben gerufen. Bundesrat und Parlament haben dieses Angebot für leistungsstarke Sportler seither stetig ausgebaut. Schurter nutzte die Möglichkeit mit 21 Wochen Rekrutenschule im Jahr 2007. Danach war er Zeitmilitär-Spitzensportler mit einem 50-Prozent-Pensum und zwar von Oktober 2010 bis September 2012. Er leistete bis 2019 insgesamt 616 Tage Wiederholungskurs (WK).

Erstellt: 19.09.2019, 17:45 Uhr

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