Schweiz schwärzt Italien bei der EU an

Die Schweiz kann kaum noch Flüchtlinge nach Italien zurückschaffen. Jetzt schaltet der Bund die EU ein.

Schlampt Italien bei der Registrierung von Flüchtlingen? Bootsflüchtlinge werden nach ihrer Rettung auf einem italienischen Schiff kontrolliert. (15. März 2011)

Schlampt Italien bei der Registrierung von Flüchtlingen? Bootsflüchtlinge werden nach ihrer Rettung auf einem italienischen Schiff kontrolliert. (15. März 2011) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schweiz setzt Italien unter Druck. Weil das Land längst nicht alle Asylsuchenden registriert, hat Justizministerin Simonetta Sommaruga brieflich bei EU-Kommissarin Cecilia Malmström interveniert, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Italien müsse seinen Pflichten im Rahmen der Dublin-Verordnung vollumfänglich nachkommen und alle Asylsuchenden erfassen, heisst es in dem Schreiben. Im Gegenzug stellte Sommaruga Italien Unterstützung bei der Registrierung in Aussicht. Vor der Schweiz hatten sich auch andere europäische Staaten bei der EU über Italien beschwert, unter anderen Deutschland, Frankreich und Spanien.

Wegen fehlender Registrierungen ist die Zahl der Rückführungen von Asylsuchenden aus der Schweiz nach Italien in den letzten Monaten markant zurückgegangen. So stimmte Italien letztes Jahr 84 Prozent aller Rückführungsanträge aus der Schweiz zu. Im letzten Januar lag die Zustimmungsquote bei 67 Prozent, im August nur noch bei 28 Prozent.

«Eine ausserordentliche Situation»

Ähnlich entwickelte sich die Zahl der tatsächlich vollzogenen Rückführungen aus der Schweiz nach Italien: Letztes Jahr lag sie bei rund 210 pro Monat, im Januar bei 140, im August bei 60.

Wie die von Sommaruga in Aussicht gestellte Unterstützung für Italien genau aussieht, steht noch nicht fest. Zu diesem Zweck hat der Bund Anfang August auch eine Taskforce eingesetzt, die «Strategische Arbeitsgruppe Mittelmeer». Man habe sich «angesichts der ausserordentlichen Situation bezüglich der Transit-Migration in der Mittelmeerregion» dazu entschieden, sagt Gaby Szöllösy, Sprecherin des Bundesamts für Migration, der «NZZ am Sonntag». (ldc)

Erstellt: 27.09.2014, 23:50 Uhr

Artikel zum Thema

Die gerechte Verteilung der Asyl-Lasten in Europa

Datenblog Datenblog Italien schuftet im Asylbereich für einen ganzen Kontinent, so der Eindruck. Stimmt nicht, sagen die offiziellen Zahlen. Klar ist: Die Asyl-Lasten in Europa sind ungleich verteilt. Das liesse sich ändern – mit diesem Schlüssel. Zum Blog

Zypriotische Polizei zwingt Flüchtlinge von Bord

Mehrere Stunden weigerten sich syrische Flüchtlinge, ein Kreuzfahrtschiff zu verlassen, das sie aus Seenot gerettet hat. Nun haben sich die Behörden durchgesetzt. Mehr...

«Die Schlepper lachten»

Flüchtlings-Drama Über 500 Menschen verstarben beim jüngsten Drama auf dem Mittelmeer. Jetzt haben sich Augenzeugen gemeldet. Die Schlepper hätten zugeschaut, wie die Flüchtlinge ertranken. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Sweet Home Kindermenüs für Erwachsene

Mamablog «Ein Kind ist doch kein Accessoire!» 

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Bauernprotest: In den Niederlanden haben Tausende von Bauern mit Traktoren den Verkehr blockiert. Ihr Protest richtet sich gegen die Anschuldigung, dass sie für die Stickstoffbelastung verantwortlich sind. (16. Oktober 2019)
(Bild: Koen Van Weel/EPA) Mehr...