Schweiz soll Geothermie-Projekte ins Ausland auslagern

Nach dem Erdbeben in St. Gallen zweifelt der zuständige Stadtrat, ob die Geothermiebohrung fortgesetzt werden kann. Mehrere Nationalräte fordern nun ein Engagement im Ausland.

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Eine Woche nach dem Erdbeben in St. Gallen stellen Energiepolitiker die Zukunft der Schweizer Geothermie immer mehr infrage. Der für das St. Galler Projekt zuständige Stadtrat Fredy Brunner spricht von einer neuen Risikosituation. Denn «mit einer minimalen Stimulation wurde in einem lange Zeit stabilen Gestein eine maximale Wirkung in Form eines Erdbebens erzielt», sagt er gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». «Den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung haben wir in diesem Fall nicht im Griff.» Die Stadtregierung könne die Risiken des Projekts nicht mehr kalkulieren.

Der Chef des Bundesamts für Energie verteidigt jedoch die Geothermie. «Arbeiten im tiefen Untergrund heisst immer Arbeiten mit Unwägbarkeiten», sagt Walter Steinmann in der «NZZ am Sonntag» (Artikel online nicht verfügbar). Er glaubt, die Geothermie habe nach wie vor Chancen in der Schweiz. Jedes Projekt bringe neue Erkenntnisse über den Untergrund, die für weitere Vorhaben nützlich seien.

Geothermiestrom aus dem Ausland

Anstatt in riskante und teure Projekt im Inland zu investieren, fordern erste Politiker nun, die Energiekonzerne sollten sich an Werken im Ausland beteiligen, wo die Voraussetzungen aus geologischen Gründen oftmals günstiger sind. «In der Geothermie ist es sinnvoll, europäischer zu denken», meint Nationalrat Bastien Girod in der «Ostschweiz am Sonntag». «Da Bohrungen im Ausland teilweise weniger Risiken bergen, sollen die Produzenten ein stärkeres Engagement in Anlagen in Nachbarländern prüfen.»

Gleicher Meinung ist der freisinnige Nationalrat Christian Wasserfallen: «Es ist sicher eine Option, dass die Schweiz künftig den Geothermiestrom aus dem Ausland bezieht.»

Schweiz soll Projekte im Ausland fördern

Um Schweizer Investitionen im Ausland zu fördern, will Girod staatliche Gelder zur Verfügung stellen: «Die Schweiz braucht eine Förderung für erneuerbare Energien aus dem Ausland.» Eine Möglichkeit sei, «Gelder aus der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) künftig auch für ausländische Projekte zu sprechen». Dabei sollen die Behörden einen deutlich reduzierten Tarif anwenden, da die Produktion im Ausland generell billiger sei und für die Schweiz weniger Wertschöpfung schaffe.

Eine zweite Möglichkeit sieht der Präsident der Grünliberalen, Martin Bäumle, darin, «dass wir bei der geplanten Liberalisierung des Strommarkts für private Kunden festhalten, dass ein steigender Anteil des Konsums aus erneuerbaren Quellen stammen muss». So könne der Bund verhindern, dass Dumpingangebote mit Kohle- oder Atomstrom den Anteil der erneuerbaren Energien senkten.

Erhöhung der Selbstversorgung «unrealistisch»

Mit seiner Energiestrategie 2050 will der Bundesrat nicht nur aus der Atomenergie aussteigen, sondern er möchte auch den Anteil einheimischer Produktion erhöhen und damit die Abhängigkeit vom Ausland verringern. Nach den Rückschlägen in der Geothermie halten Energiepolitiker dieses Ziel für unrealistisch: «Beim Ziel, die Selbstversorgung im Energiebereich zu stärken, muss die Schweiz offener sein», fordert Martin Bäumle.

Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran doppelt nach: «Es macht keinen Sinn, wenn die Schweiz die erneuerbaren Energien unbedingt alle auf dem eigenen Boden produzieren will.» Dem Anliegen der Versorgungssicherheit sei auch dann Rechnung getragen, wenn Schweizer Stromproduzenten im nahen Ausland über eigene Produktionsstätten verfügten, die unter ihrer Kontrolle stünden. (rub)

Erstellt: 28.07.2013, 13:00 Uhr

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