Würdigung

«Schweiz verliert gewichtigen Finanz- und Energiepolitiker»

Am Freitag debattierte er noch in der «Arena» – jetzt ist der Glarner Ständerat Pankraz Freitag im Alter von 60 Jahren gestorben. Freitag galt als Freund der Banken und der Atomenergie und als sehr seriöser Politiker.

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Der Glarner Ständerat Pankraz Freitag ist in der Nacht auf Samstag im Alter von 60 Jahren gestorben. Die Todesursache ist noch unbekannt. Der Glarner Landammann Andrea Bettiga bestätigte eine entsprechende Meldung des Onlineportals blick.ch. «Glarus hat eine grosse Persönlichkeit verloren», sagte Bettiga. Er sei am Sonntagmittag von den Ärzten über den Todesfall informiert worden.

Erst am Freitag war der FDP-Politiker noch in der Sendung «Arena» des Schweizer Fernsehens SRF aufgetreten. Der Tod seines Parteikollegen kam auch für FDP-Präsident Philipp Müller überraschend. Freitag sei auf dem «Zenit seiner Leistungsfähigkeit» gewesen, sagte Müller auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Noch am letzten Freitag, bei seinem TV-Auftritt, habe der Glarner Ständerat «topfit und voll leistungsfähig» gewirkt.

Engagement vor allem in der Finanz- und Umweltpolitik

Seit 2008 vertrat Freitag den Kanton Glarus im Ständerat. Er profilierte sich vor allem als Finanz- und Umweltpolitiker. Zuletzt sass er in der Finanzkommission, die er von 2009 bis 2011 präsidiert hatte, sowie in der Wirtschaftskommission und in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. Er amtete zudem als Stimmenzähler der kleinen Kammer und war Präsident der Parlamentarischen Gruppe Klimaänderung. Ende 2015 wäre er zum Ständeratspräsidenten gewählt worden.

Vor seiner Zeit im Stöckli in Bern war der Mathematiker während zehn Jahren Glarner Regierungsrat gewesen. Seit Dezember 2008 war er zudem Verwaltungsratspräsident der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra). Bis 2011 war er im Verwaltungsrat des Stromkonzerns Axpo gewesen. Freitag, der im glarnerischen Haslen lebte, war seit 1980 verheiratet, hatte zwei Söhne und eine Tochter.

Probleme mit dem Herzen, notfallmässige Operation

Pankraz Freitag galt im Frühling 2012 als Kandidat für das Präsidium der FDP Schweiz, nachdem der Tessiner Nationalrat Fulvio Pelli das Amt zur Verfügung gestellt hatte. Die Wirtschaft und insbesondere die Banken sollen damals seine Kandidatur als FDP-Präsident gewünscht haben. «Nach reiflicher Überlegung» verzichtete Freitag auf eine Kandidatur, weil er das Parteipräsidium als nicht vereinbar erachtete mit seinem Mandat als Ständerat sowie mit weiteren Tätigkeiten. «Alles zusammen wäre nebst dem Ständerat nicht mehr möglich», liess Freitag im März 2012 in einem Communiqué verlauten. Möglicherweise spielten auch gesundheitliche Überlegungen eine Rolle. Im Jahr 2007 hatte er sich notfallmässig einer komplizierten Herzoperation unterziehen müssen. Seither wurde Freitag regelmässig ärztlich kontrolliert. Dass Freitag an Herzversagen gestorben ist, schliessen Freunde und Bekannte im Glarnerland nicht aus. Ein Onkel von Freitag starb vor sechs Jahren an einem Herzschlag, sein jüngerer Bruder erst vor ein paar Monaten aus gleichem Grund.

Der verstorbene Ständerat aus dem Kanton Glarus galt als Freund der Banken und der Atomenergie. Die wenigen Vorstösse, die er in der Kleinen Kammer lanciert hatte, waren zum Beispiel gegen verstärkte Investitionen zugunsten der Energiewende gerichtet. Ein weiterer Vorstoss kam der Finanzbranche zugute und trug den programmatischen Titel «Schutz der Privatsphäre – Kein automatischer Informationsaustausch».

«Er spricht nur, wenn er wirklich etwas zu sagen hat»

Politische Weggefährten beschrieben Freitag als «angenehm uneitel», «aufmerksam», «zugänglich», «mit einer Ausstrahlung von eigentümlich magistraler Knorrigkeit». An ihm schätzte man die analytisch grundierte Zurückhaltung des langjährigen Mathematiklehrers. «Er spricht nur, wenn er wirklich etwas zu sagen hat – und dann sagt er es knapp und verständlich», erklärte ein Freisinniger in einem im Frühling 2012 erschienenen «Tages-Anzeiger»-Porträt. Freitag galt als sehr seriöser Politiker mit integrativen Fähigkeiten, auch als Politiker, der es allen recht machen wollte.

Freitag hatte an der Universität Zürich Mathematik, Physik und Biologie studiert und anschliessend als Mathematiklehrer an der Kantonsschule Glarus gearbeitet. 1994 wurde er in den Glarner Landrat gewählt, von 1998 bis 2008 war er als Regierungsrat kantonaler Baudirektor. In seiner Amtszeit als Baudirektor machte er unter anderem dadurch von sich reden, dass er Volksabstimmungen über umstrittene Umfahrungsprojekte verhinderte. Manche Altlasten aus seiner Regierungszeit allerdings, etwa in der Raumplanung, beschäftigen den Kanton Glarus heute noch.

FDP unter «Schock»: «Grosser menschlicher Verlust»

Die FDP zeigt sich «schockiert» angesichts des überraschenden Todes ihres Glarner Ständerats Pankraz Freitag. Nach Angaben der Partei ist der 60-Jährige in der Nacht auf Samstag zuhause zusammengebrochen und sofort verstorben. Freitag habe mit seiner bestimmten und ruhigen Art, seinen klaren Voten und seiner unermüdlichen Schaffenskraft die Politik im Kanton Glarus sowie auf Bundesebene geprägt, schreibt die FDP in einer Mitteilung.

FDP-Präsident Philipp Müller würdigte Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda als grossen «Chrampfer», der mit vollem Engagement politisiert und gearbeitet habe. «Nach Feierabend konnte er aber auch lustig sein und Witze reissen. Das können nicht alle», sagte Müller. Er sprach von einem «grossen menschlichen Verlust».

Die FDP würdigte Freitags Einsatz für gesunde Staatsfinanzen und für Mässigung bei den Überschüssen des Bundes. Neben der Finanzpolitik habe sich der Mathematiker und Physiker in die Energiepolitik eingebracht. Als Sohn einer Bergbauernfamilie habe er sich zudem für sinnvolle Landwirtschaftsreformen eingesetzt. Die FDP verliere «ein wichtiges Mitglied und einen lieben Freund» und die Schweiz «einen gewichtigen Finanz- und Energiepolitiker».

Artikel mit Material der Nachrichtenagentur SDA

Erstellt: 06.10.2013, 17:15 Uhr

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