Schweizer Forscher vernetzen sich und hoffen auf Milliarden der EU

Erfolg für den Forschungsplatz Schweiz: Beim Rennen um EU-Fördergelder in Milliardenhöhe mischen Forschungsvorhaben von der ETH Zürich und der ETH Lausanne ganz vorne mit.

10'000 vernetzte Nervenzellen: Simulation einer neokortikalen Säule, des Grundbausteins eines menschlichen Hirns.

10'000 vernetzte Nervenzellen: Simulation einer neokortikalen Säule, des Grundbausteins eines menschlichen Hirns. Bild: ETH Human Brain Simulation Project

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Klotzen und nicht kleckern, lautet das Motto der künftigen Forschungsförderung der Europäischen Union. Ab 2013 will die EU-Kommission ein oder zwei Grossprojekte im Umfang von bis zu einer Milliarde Euro unterstützen. Der Forschungsplatz Schweiz könnte einer der grossen Nutzniesser dieses Geldsegens werden: Drei von sechs Projekten, die von der EU-Kommission weiterverfolgt werden, stammen von Forschern aus Schweizer Hochschulen, namentlich von der ETH Zürich und der ETH Lausanne (siehe Artikel unten). An zwei weiteren Projekten sind zudem Forscher der Universität Genf und der beiden ETH beteiligt.

«Es ist wirklich erfreulich, dass sich Schweizer Forschende so erfolgreich an dieser Initiative beteiligen», sagt Martin Kern vom Bereich multilaterale Forschungsbeziehungen beim Staatssekretariat für Bildung und Forschung. Auch Wolfgang Boch, Leiter der zuständigen Einheit «Zukunftstechnologien» bei der EU-Kommission in Brüssel, sieht darin «eine Auszeichnung für den Forschungsplatz Schweiz». Denn die Projekte wurden laut Boch nach rein wissenschaftlichen Kriterien evaluiert.

Die grossen aktuellen Fragen

Die neuen Mega-Projekte, auch Flaggschiff-Programme (FET-Flagship-Initiative) genannt, forschen an den ganz grossen Herausforderungen der Gegenwart: der Energiekrise, den Verwerfungen auf den Finanzmärkten, aber auch an Fragen wie dem Geheimnis des menschlichen Bewusstseins. Wichtig ist der EU zudem der Einbezug von Zukunftstechnologien, also der Informations- und Kommunikationstechnologie.

26 Ideenskizzen haben Forscher ausganz Europa in einer ersten Rundeeingereicht. Die besten sechs erhalten nun die Gelegenheit, auf Kosten der EU einen entscheidungsreifen Antrag auszuarbeiten. Dafür werden die Forscher mit durchschnittlich 1,5 Millionen Euro unterstützt. 2012 wird die EU-Kommission aus diesen Flaggschiff-Pilotprojekten ein oder zwei Vorhaben auswählen, die ab 2013 mit jährlichen Beiträgen in der Höhe von 100 Millionen Euro unterstützt werden sollen. Insgesamt können sich die Beiträge für ein Flagship über zehn Jahre auf bis zu einer Milliarde Euro summieren. Laut Wolfgang Boch sind die Finanzierungsmechanismen noch nicht definiert, ein Teil der Fördermittel soll von den beteiligten Ländern beigesteuert werden.

Die Flaggschiff-Programme sollen eigentliche Grossforschungsprojekte nach dem Vorbild von früheren Mega-Projekten wie der Entzifferung des menschlichen Genoms werden. Damit möchte die EU vorhandene Kapazitäten bündeln und Europa in strategisch wichtigen Bereichen wieder auf die Forschungslandkarte setzen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2011, 13:13 Uhr

Shortlist der Megaprojekte

FuturICT:
Computerbasierte Wissensplattform, Dirk Helbing, ETH Zürich, und Steven Bishop, University College of London.

Zukünftige Computerchips auf Graphenbasis:
Jari Kinaret, Chalmers University of Technology, Göteborg.

Guardian Angels:
Entwicklung und Anwendung von Null-Energie-Chips und -Sensoren, Adrian Ionescu, ETH Lausanne, und Christofer Hierold, ETH Zürich.

Human Brain Simulation Project:
Computersimulation des menschlichen Gehirn, Henry Markram, ETH Lausanne

Individualisierte Medizin:
Hans Lehrach, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin (Beteiligung: Uni Genf.

Robot Companion:
Paolo Dario, Italian Institute of Technology, Pisa (Beteiligung: ETH Zürich und Lausanne).

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