Schweizer Handgranaten liegen kistenweise in Syrien

Bilder belegen, dass syrische Rebellen Granaten aus der Schweiz im Kampf einsetzen. Das Seco ermittelt nun, auf welchem Weg die Waffen nach Syrien gelangten.

Aus dem bundeseigenen Rüstungsbetrieb Ruag: Syrische Rebellen halten Schweizer Handgranaten. (Bild: SonntagsZeitung)

Aus dem bundeseigenen Rüstungsbetrieb Ruag: Syrische Rebellen halten Schweizer Handgranaten. (Bild: SonntagsZeitung)

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Die «SonntagsZeitung» legt neue Belege dafür vor, dass Schweizer Waffen im Krieg in Syrien zum Einsatz kommen. Fotos, die vergangene Woche in Hritan bei Aleppo aufgenommen wurden, zeigen Kisten mit Schweizer Handgranaten in den Händen der Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA). Die Fotos beweisen auch: Die FSA-Kämpfer sind nicht nur, wie bisher angenommen, im Besitz von Granaten des Typs OHG92 sondern auch des Typs HG85.

Diese werden vom bundeseigenen Rüstungsbetrieb Ruag seit 1985 produziert. Die HG85 ist eine Splittergranate, gefährlicher als die OHG92. Ein Waffenexperte der Schweizer Armee bestätigt gegenüber der «SonntagsZeitung», dass auch die neu aufgetauchte Grante aus der Produktion der Schweizer Waffenschmiede Ruag stammt.

Vereinigte Arabische Emirate im Visier

Die grosse Frage ist: Wie kamen die Waffen nach Syrien? Seit 1998 wird das Land von der Schweiz nicht mehr offiziell beliefert. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), wurden die Granaten vom Typ OHG92 und der Nummer «SM 6-03-1» im Jahr 2003 hergestellt und an die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert. Die Scheichs unterzeichneten eine Erklärung, dass sie die Waffen nicht an ein anderes Land liefern würden. Das Seco klärt nun, ob sich die Vereinigten Arabischen Emirate nicht an diese Abmachung hielten.

Die «SonntagsZeitung» lässt einen Experten zu Worte kommen, der glaubt, dass die Handgranaten über Libyen nach Syrien gelangten: «Es gibt starke Hinweise darauf, dass die Libyer Waffen an die syrischen Rebellen schicken», sagt Jeremy Binnie, Militärexperte beim britischen Forschungsinsittut Jane's. Die Ermittlungen dürften jedenfalls schwierig werden: Die Schweizer Botschaft in Damaskus ist seit Februar aus Sicherheitsgründen geschlossen.

«Das ist inakzeptabel»

Es sei «inakzeptabel», wenn Schweizer Waffen in Kriegsgebieten landen, sagt Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gegenüber der Zeitung. Er wolle sich darauf verlassen können, dass bei Kriegsmaterialgeschäften Abmachungen eingehalten werden. Bei allen Waffenexporten müssen sich Abnehmerländer verpflichten, dass die Waffen nicht weiter exportiert werden.

Letzte Woche veröffentlichte die «SonntagsZeitung» erste Fotos, die belegen, dass im syrischen Bürgerkrieg Waffen der Schweizer Ruag im Einsatz sind. Darauf hat die Schweizer Regierung Kriegs­materialexporte in die Arabischen Emirate vorübergehend gestoppt.

Nach Abschluss der Untersuchung werde der Bundesrat über sein «definitives Verhältnis gegenüber den Vereinigten Arabischen Emiraten entscheiden», sagt Schneider-Ammann gegenüber der Zeitung. (kpn)

Erstellt: 08.07.2012, 00:01 Uhr

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