Schweizer Hanfmarkt wird zunehmend mafiös

Die Professionalisierung des illegalen Hanfanbaus führt zu mehr Brutalität – und zu einem Umdenken bei den Behörden, die nun testweise Cannabis-Clubs erlauben wollen.

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Der Schweizer Cannabis-Markt hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert: Durch die Verschärfung der Gesetze wurde das Geschäft krimineller und intransparenter. Angebaut wird Schweizer Gras fast nur noch in Indoor-Anlagen, immer häufiger steigen auch Dealer harter Drogen in das Geschäft ein. Welches Ausmass der illegale Anbau angenommen hat, zeigen neue Zahlen der Kantonspolizei Zürich. Demnach wurden im Kanton Zürich im letzten Jahr mehr als 100 Indoor-Hanfplantagen ausgehoben.

Die Situation beim Indoor-Hanfanbau ist laut Kantonspolizei «brisant» und «gefährlich», weil das Geschäft mehr und mehr von Banden beherrscht werde. Die Anlagenbetreiber seien oft unter­einander zerstritten und raubten sich gegenseitig die Ernte. Es gelte, Selbstjustiz zu verhindern. Laut dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) ist auch der sinkende Heroinbedarf ein Grund, warum sich die Regeln im Schweizer Hanfmarkt geändert haben: Gruppierungen vom Balkan, die auf Heroin spezialisiert waren, seien am Diversifizieren und schmuggelten vermehrt Cannabis ins Land.

Lukratives Geschäft

Allgemein wird von einer Professionalisierung gesprochen – nicht nur aufseiten der Polizei. Im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet erzählt ein Dealer, dass die Veränderungen im Markt zu mehr Gewalt geführt hätten. «Die Lage hat sich in den letzten Jahren verschärft», sagt der Mann, der Strassen­dealer mit Gras beliefert. Seit der Schliessung der Hanfshops 2009 seien kriminelle Banden ins Geschäft eingestiegen, seither gebe es mehr Drohungen und Überfälle. Kein Dealer sei heute unbewaffnet. Zudem handelten die Banden, die heute Cannabis verkaufen, auch mit Kokain, Waffen und Frauen.

Das Geschäft mit Cannabis ist lukrativ, wenn man gut organisiert ist: Als Zwischenhändler verdiene man rund 7000 Franken pro Monat, sagt der Dealer. Er bestelle manchmal auch Gras aus Holland und lasse sich dieses via Kurierdienst in die Schweiz liefern. «In den Niederlanden bezahlst du fürs Kilo rund 3500 Franken.» Ein Kilo Schweizer Indoor-Gras koste fast das Doppelte.

Die Illegalität des Cannabis-Konsums sorgt dafür, dass kriminelle Banden enorme Profite machen. Damit soll nun in einigen grossen Schweizer Städten Schluss sein: Genf, Bern, Zürich und Basel arbeiten an einem Konzept zur Einführung von sogenannten Cannabis-Clubs, in denen Vereinsmitglieder legal Gras rauchen können. Mit Pilotversuchen in verschiedenen Städten soll getestet werden, was eine legale Abgabe von Cannabis für Auswirkungen hätte.

Erstellt: 22.05.2015, 23:53 Uhr

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