Schweizer Kampfjets in heikler Mission

Die Schweizer Luftwaffe nimmt in Skandinavien an einer multinationalen Grossübung teil. Angesichts der aktuellen Lage berge dies Risiken, sagt ein Experte.

F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe beim Start auf der schwedischen Basis Kallax. Foto: Susanne Lindholm (Keystone)

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Die «Arctic Challenge Exercise 2015» ist eine der grössten Übungen europäischer Luftwaffen. Rund 100 Kampfjets aus neun Ländern – darunter sechs Nato-Staaten wie Deutschland, England oder die USA – und mehr als 4000 Personen nehmen dieser Tage an den Manövern im hohen Norden Skandinaviens teil. Auch die Schweiz ist mit von der Partie. Sie entsandte acht F/A-18-Jets, 15 Piloten und 45 Angehörige der Bodenmannschaft. Geübt wird unter anderem die Durchsetzung einer Flugverbotszone, der gemeinsame Einsatz «unterschiedlicher Luftkriegsmittel» und die Zusammenarbeit in «aktuellen Krisenszenarien».

Nach Krisenszenarien muss man in Skandinavien nicht lange suchen. Die Übung fällt in eine Zeit grosser Spannungen in der Region. Finnland, Norwegen und Schweden registrierten in den vergangenen Monaten erhöhte Aktivitäten der russischen Marine und Luftwaffe vor ihren Landesgrenzen. Vor dem Hintergrund des Ukrainekonflikts werden die Manöver als gezielte Provokationen interpretiert. Parallel zur «Arctic Challenge Exercise» hat auch der russische Präsident Wladimir Putin ein grosses Luftwaffenmanöver mit 250 Kampfflugzeugen und Helikoptern angeordnet.

Norwegen führt Übung an

Als rechtliche Grundlage für ihre Teilnahme nennt die Schweizer Luftwaffe im Communiqué ein Abkommen mit Schweden von 2002. Dieses schafft die Grundlage für militärisches Training auf dem Territorium der zwei Länder, die beide nicht der Nato angehören. Hauptorganisator der Übung ist allerdings nicht Schweden, sondern Nato-Land Norwegen. Dass trotzdem das Abkommen mit Schweden zum Zuge komme, liege daran, dass die Schweizer Delegation im schwedischen Kallax stationiert sei, sagt ein Sprecher der Luftwaffe.

Übungsleiter ist der norwegische Brigadegeneral Jan Ove Rygg. In einem Beitrag der deutschen ARD äusserte dieser sein Unbehagen darüber, dass Russland derzeit seine militärischen Fähigkeiten wiederherstelle, die es zu Zeiten des Kalten Krieges hatte. Im selben Beitrag bezeichnet Sabine Lösing, Abgeordnete der Linken im Europäischen Parlament, die Übung als «weiteren Schritt, das Klima zu verschlechtern, und in Richtung Kalten Krieg».

Ist in einem solchen Umfeld die Teilnahme der neutralen Schweiz an der Übung nicht problematisch? Doch, meint Andreas Zumach, Sicherheits­experte an der UNO in Genf. «Die Schweiz wäre gut beraten, auf solche Übungen zu verzichten», sagt er. Auch wenn es kein Nato-Manöver sei, registriere Moskau sehr wohl, welche Nationen daran teilnähmen. Zudem beteilige sich die Schweiz auch am kaum kalkulierbaren Eskalationsrisiko. Sowohl Russland als auch europäische Länder und die Nato hätten ihren Übungsradius ausgeweitet, sagt Zumach. Und da sei es nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit, wann es zu einem ersten Unfall komme. Gemäss einem Bericht der «New York Review of Books» verfehlten sich im letzten April ein russischer und ein Nato-Kampfjet um lediglich 20 Fuss.

Nur die SVP ist dagegen

Schweizer Sicherheitspolitiker unterstützen die Teilnahme an der Übung aber mehrheitlich. Die Verteidigung des Luftraums sei nur im Verbund möglich. Und dafür brauche es ein entsprechendes Training, sagt FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger. Auch für Evi Allemann von der SP ist klar, dass die Schweizer Armee in der Luft «auf die Zusammenarbeit mit anderen Ländern angewiesen ist». SP-Ständerat Roberto Zanetti ist «angesichts der geopolitischen Lage zwar etwas hin- und hergerissen», tendiert aber gleichwohl dazu, die Vorteile der Trainingsmöglichkeit höher zu gewichten. Ablehnung kommt nur von der SVP, die Auslandsaktivitäten generell kritisch gegenübersteht. «Ich glaube, da wurde die Grenze der Neutralität überschritten», sagt Nationalrat Hans Fehr.

Ein Sprecher der Luftwaffe betont, dass die Schweizer Luftwaffe seit 2003 schon etliche Male an multinationalen Übungen in Skandinavien teilgenommen habe. Der diesjährige Einsatzplan sehe fast ausschliesslich Flüge im schwedischen Luftraum vor. «Daher schätzen wir das Risiko eines heiklen Kontakts mit russischen Fliegern als äusserst gering ein», sagt der Sprecher. Zudem seien die Schweizer F/A-18 unbewaffnet.

Erstellt: 26.05.2015, 21:57 Uhr

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