Schweizer Webseite will falsche Doktoren entlarven

Eine neue Webseite soll Doktorarbeiten auf Plagiate überprüfen. Die jungen Betreiber des Portals setzen auf die Whistleblower-Methode.

«Alles nur geklaut?» Die Webseite bietet die Möglichkeit, Verdachtsfälle zu melden. (Screenshot: www.semestra.ch/plagiat)

«Alles nur geklaut?» Die Webseite bietet die Möglichkeit, Verdachtsfälle zu melden. (Screenshot: www.semestra.ch/plagiat)

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Nach der deutschen Internetseite GuttenPlag-Wiki sollen jetzt auch Doktorarbeiten in der Schweiz im Internet auf Plagiate überprüft werden. Heute schaltet Campus Lab, Betreiberin des Schweizer Studentenportals «Semestra» mit 22‘000 registrierten Usern, eine Whistleblower-Hotline auf, wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtet.

Unter www.semestra.ch/plagiat können die Internetbenutzer Plagiatsverdachtsfälle bei wissenschaftlichen Arbeiten melden. «Wir wollen jene schützen, die vier bis fünf Jahre in eine Dissertation investieren, und diejenigen auffliegen lassen, die ihre Arbeit zusammenklauen», sagte Patrick Mollet, Geschäftsführer von Campus Lab und früherer Betreiber der Dozentenbeurteilungsplattform MeinProf.ch: «Es geht uns um wissenschaftliche Transparenz und Fairness.»

Bei der Online-Anlaufstelle können neben Dissertationen auch verdächtige Bachelor- und Masterarbeiten gemeldet werden. «Sobald es einen konkreten Verdacht gibt und wir das elektronische File der Arbeit haben, richten wir ein Schweizer Guttenplag-Wiki ein», so Mollet. Die Internet-Aktivisten der Piratenpartei befürworten die Offensive: «Wenn ein Schweizer Plagiats-Wiki aufgeschaltet wird, werden wir das unterstützen», sagt Parteipräsident Denis Simonet.

Plagiatsfälle an Schweizer Hochschule

Ähnliche Plagiatsfälle wie derjenige von Karl-Theodor zu Guttenberg kommen auch in der Schweiz vor: Die Pädagogische Hochschule Luzern meldet derweil, dass es bei den angehenden Lehrpersonen in der Vergangenheit schon öfters zu derartigen Fällen gekommen sei: «Wir haben pro Jahr zwei bis drei Plagiatsfälle», sagte Hans-Rudolf Schärer, Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern, in der Zeitung «Der Sonntag» .

In allen Fällen seien Disziplinarmassnahmen ergriffen worden. Auch an der Pädagogischen Hochschule Zürich gibt «zwei bis drei Plagiatsfälle pro Jahr, die gemeldet werden», so Pro-Rektor Hans-Jürg Keller. An der Pädagogischen Hochschule der Nordwestschweiz flogen sogar mehrere Wiederholungstäter auf, die definitiv vom Studium ausgeschlossen wurden: «Wir hatten Fälle, wo die Studierenden von der Hochschule verwiesen wurden», so Sprecher Irgl. Plagiate an Pädagogischen Hochschulen seien «kein Kavaliersdelikt», sagt Schärer von der PH Luzern«Wenn künftige Lehrer, die später ihre Schüler kontrollieren müssen, selber abschreiben, ist das ein gravierender Vorgang und absolut inakzeptabel.»

(mrs)

Erstellt: 27.02.2011, 09:46 Uhr

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Steht nicht alleine da – auch in der Schweiz gibt es viele Plagiatsfälle: Karl-Theodor zu Guttenberg. (Bild: Keystone )

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