Schweizer Zoll fängt Cannabis-Päckli ab – und findet so Hanfplantagen

In nur drei Monaten hat der Schweizer Zoll fast 3000 Postsendungen mit Cannabissamen abgefangen. Mehrmals hat die Polizei über die Päckli auch Indoor-Anlagen aufgespürt.

Das Marihuana wäre 25-mal stärker gewesen als erlaubt: Der Grenzwachtposten am Grenzübergang zwischen der Schweiz und Deutschland bei Thayngen. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der Schweizer Zoll hat im ersten Quartal dieses Jahres 2874 Postsendungen aus dem Ausland mit 50'000 Cannabissamen sichergestellt. Damit hätten rund 2 Tonnen getrocknetes Marihuana mit sehr hohem THC-Gehalt produziert werden können.

Der Marktwert dieser Menge Marihuana beträgt zwischen 14 und 24 Millionen Franken. Die Gewinnspanne ist sehr gross: Ein Hanfsamen kostet rund 10 Franken mit ihm lässt sich eine Pflanze züchten, die rund 40 Gramm Marihuana ergibt und sich für 400 Franken verkaufen lässt. Am Ende verbleiben 390 Franken Bruttogewinn. Die sichergestellten Cannabissamen wurden vorwiegend in Online-Shops im Internet bestellt und in die Schweiz geliefert, wie es an einer Medienkonferenz der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) im Briefzentrum Zürich-Mülligen hiess. Zahlreiche Sendungen stammen aus Holland. Die Abnehmer verteilen sich über die ganze Schweiz.

25-mal höherer THC-Gehalt

Mit den Samen liessen sich Pflanzen erzeugen, die einen THC-Gehalt haben, der bis zu 25 Mal über dem gesetzlich zulässigen Grenzwert von 1 Prozent liegt. Dieser hohe THC-Gehalt verleihe den Betäubungsmitteln eine entsprechende Gefährlichkeit, sagt Roman Litschi, Leiter Zollstelle Zürich. Für ihn seien es deshalb auch keine weichen Drogen.

Der Schweizer Zoll setzt zur Kontrolle des internationalen Brief- und Postverkehrs in den Postzentren Betäubungsmittelspürhunde und technische Hilfsmittel ein. Die Mitarbeiter des zivilen Zolls und des Grenzwachtkorps führen die Kontrollen analog ihrer Arbeit im Strassen-, Bahn- oder Luftverkehr durch. Der Zoll bezeichnete die Zunahme der Einfuhren von Cannabissamen in den ersten Monaten des Jahres 2015 als erheblich. «Die Zahl solcher Sendungen ist deutlich steigend», sagt Thomas Zehnder, Kommandant Grenzwachtregrion II. Man können von einem neuen Trend sprechen.

Aushebung von Hanfplantagen

Diese Zunahme schlägt sich auch auf die Arbeit der Polizei nieder, welche die Empfänger der Hanfssamen verzeigt. «Seit Mitte März laufen 750 Verfahren, das sind 75 Lieferungen pro Woche - zehn Mal mehr als früher», sagte Werner Schaub, Medienchef der Kantonspolizei Zürich gegenüber dem «Blick». Die Arbeit der Polizei und der Justizbehörden im Zusammenhang mit den beschlagnahmten Sendungen zeitigt weitere Erfolge: Auf Grund dieser Sendungen sind gemäss dem Zoll bereits in mehreren Kantonen professionell betriebene Hanf-Indoorplantagen ausgehoben worden.

Die starke Zunahme der Sicherstellungen ist gemäss EZV vor allem auf eine umfassende Risikoanalyse und entsprechende Zollschwerpunkte zurückzuführen. Der Trend werde weiter aufmerksam beobachtet. Das Briefzentrum Zürich-Mülligen ist das grösste Briefzentrum der Post und das einzige, das internationale Briefpost verarbeitet. Täglich wickelt der Grossbetrieb über 50'000 Sendungen ab. Angesichts dieser Menge können Mitarbeiter der Grenzwache und des Zolls, die am Förderband stehen, Pakete und Briefe nur stichprobenartig kontrollieren. «Unsere Leute verfügen aber über viel Erfahrung und wissen genau, auf welche Merkmale sie achten müssen», sagt Zehnder.

Verräterisch können dabei Art und Grösse der Umschläge oder Zoll-Deklartionen sein wie «Garden Supplies». Die Händler seien allerdings nicht untätig und würden sich immer wieder neue Tricks einfallen lassen. Man könne von einem eigentlichen Wettrüsten im Schmuggel sprechen, sagt Zehnder. Die Zollbehörden setzten ihrerseits Röntgengeräte ein, mit denen sie verdächtige Pakete durchleuchten. Dies geschieht auch zum Schutz der Mitarbeiter, weil sich in solchen Sendungen auch gefährliches oder explosives Material verbergen kann. (rar/sda)

Erstellt: 29.05.2015, 11:59 Uhr

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