Schweizer ermitteln in Sri Lanka

Im Verfahren gegen Tamil Tigers suchen Schweizer Ermittler in Sri Lanka nach Beweisen. Es geht um Drohung, Erpressung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei. Verhöre werden per Video in die Schweiz übertragen.

Ihr Kampf wurde auch mit erpressten Geldern aus der Schweiz finanziert: Tamil Tigers (Archivbild von 2006).

Ihr Kampf wurde auch mit erpressten Geldern aus der Schweiz finanziert: Tamil Tigers (Archivbild von 2006). Bild: Keystone

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Vertreter von Bundesanwaltschaft und Bundespolizei reisen Anfang September nach Sri Lanka, um Zeugen zu befragen. Schon 2009 war ein Strafverfahren gegen mehrere Tamilen eröffnet worden. Sie sollen Landsleute gezwungen haben, die Rebellenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) finanziell zu unterstützen. Bei einer koordinierten Razzia in mehreren Kantonen im Januar 2011 wurden dann zehn Personen festgenommen.

Im Rahmen eines Rechtshilfegesuchs können die Ermittlungen nun in Sri Lanka selber fortgesetzt werden. Die Schweizer Delegation umfasst zwei Staatsanwälte, fünf Angehörige der Bundespolizei und zwei Übersetzer, wie Jeannette Balmer, Sprecherin der Bundesanwaltschaft, auf Anfrage zu einer Meldung der «Neuen Zürcher Zeitung» sagte.

Massiv unter Druck gesetzt

Die Ermittler wollen insgesamt 15 Personen befragen. Die Anwältinnen und Anwälte der Verdächtigen können die Befragungen per Videokonferenz von der Schweiz aus mitverfolgen. Noch diesen Herbst soll auch der Europa-Verantwortliche für die Finanzen der LTTE in den Niederlanden befragt werden.

In der Schweiz sollen Vertreter der LTTE mehrere Millionen Franken gesammelt haben, um den Befreiungskampf in Sri Lanka zu finanzieren. Dabei haben sie offenbar ihre Landsleute teils massiv unter Druck gesetzt. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen die Verdächtigen wegen Drohung, Erpressung, Urkundenfälschung, Geldwäscherei und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation.

100'000 Menschenleben gekostet

Die LTTE kämpfte während 37 Jahren für einen unabhängigen Tamilenstaat im Nordosten von Sri Lanka. Der Konflikt kostete bis zu 100'000 Menschenleben und endete erst nach einer blutigen Offensive der Regierungstruppen und dem Tod von LTTE-Führer Vellupillai Prhabakaran im Mai 2009. (sam/sda)

Erstellt: 31.08.2012, 13:25 Uhr

Auch in der Schweiz aktiv: LTTE, die Organisation der Tamil Tigers, hier mit einer Kartonfigur des 2009 ermordeten Anführers Velupillai Prabhakaran am 1. Mai 2012 in Zürich. (Bild: Keystone )

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