Sebastian Vettels Tennisplatz wird zur Bundessache

Jetzt interveniert der Bund gegen die «Sonderbauzone» für den Formel-1-Piloten im Thurgau. Die Gemeinde segnete sie trotzdem ab.

Sebastian Vettel: Der junge Formel-1 Weltmeister hat bald ein neues Zuhause.

Sebastian Vettel: Der junge Formel-1 Weltmeister hat bald ein neues Zuhause. Bild: Keystone

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Vorletztes Wochenende wurde er in Japan jüngster Formel-1-Weltmeister aller Zeiten – und gestern Abend war der 23-jährige Deutsche in der kleinen Thurgauer Gemeinde Kemmental ein grosses Thema. Die Gemeindeversammlung liess ihren prominentesten Einwohner nicht im Stich: Sie bewilligte einhellig eine Sonderbauzone, damit Sebastian Vettel seinen feudalen Wohnsitz mit einem 20-Meter-Swimmingpool und einem Tennisplatz arrondieren kann.

Damit ist der Rennfahrer aber noch lange nicht am Ziel, denn die Schaffung der «Sonderbauzone für Freizeitanlagen» wird von Umweltorganisationen bekämpft. Dies deshalb, weil sie in eine Landschaftsschutzzone zu liegen käme. Bereits vor Monaten deponierten der WWF und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz Einsprachen beim Gemeinderat. Dieser lehnte sie ab und darf sich nun durch das gestrige Plazet der Gemeindeversammlung gestärkt fühlen. Doch für Jost Rüegg vom WWF Thurgau ist klar: «Wir ziehen die Beschwerde ans kantonale Baudepartement weiter.»

«Raumplanerisch heikel»

Dort hat man Anfang dieser Woche bereits Post vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) erhalten, was den «Fall Kemmental» definitiv zum nationalen Thema macht. ARE-Vizedirektor Stephan Scheidegger spricht von einer «prophylaktischen Massnahme», da er den Fall erst aus den Medien kenne. Man habe die Thurgauer Behörden auf die bundesgerichtliche Praxis hingewiesen. Und darauf, dass das ARE beschwerdeberechtigt sei. Für «raumplanerisch heikel» hält Scheidegger den Fall, «weil ausserhalb des Baugebietes eine spezielle Zone geschaffen werden soll, nur um das Interesse einer Privatperson zu befriedigen». Allenfalls anfechten will das ARE erst den Entscheid des Thurgauer Baudepartements, das die Zonenplanänderung genehmigen muss.

Beim Kanton gibt man sich indes gelassen. Eine Vorprüfung habe ergeben, dass die Sonderzone wohl rechtens sei, sagt Ueli Hofer, Chef des Amts für Raumplanung. Bedingung sei allerdings gewesen, dass Kemmental im Gegenzug an einem anderen Ort auf Gemeindegebiet Bauland wieder auszone.

«Keine Lex Vettel»

Genau dies hat die Gemeindeversammlung gestern beschlossen. Das Kompensationsmodell sei übrigens «keine Lex Vettel», betont Gemeindepräsident Walter Marty. Es werde auch angewendet, wenn etwa ein Schreiner in der Schutzzone seinen Betrieb vergrössern wolle. Marty kontert damit den Vorwurf, der neue und wohl beste Steuerzahler der finanzschwachen Gemeinde werde mit einer Sonderlösung privilegiert.

Erstellt: 24.11.2010, 07:01 Uhr

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Nach Ellighausen, ein Weiler bei Kemmental (TG), zieht es Forlmel-1-Weltmeister Sebastian Vettel.

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