Sexuell belästigte Frau blitzt vor Gericht ab

Eine SBB-Mitarbeiterin ist von Kollegen sexuell belästigt worden. Die Frau will am gleichen Ort weiterarbeiten – darf aber nicht.

Fall ist noch hängig: Aussenaufnahme des Bundesverwaltungsgerichtes in St. Gallen. (5. Juli 2012)

Fall ist noch hängig: Aussenaufnahme des Bundesverwaltungsgerichtes in St. Gallen. (5. Juli 2012) Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine SBB-Mitarbeiterin wurde an ihrem Arbeitsort in der Region Genf/Nyon von Kollegen sexuell belästigt. Die Frau wollte am Ort der Belästigung weiterarbeiten. Eine Reorganisation durchkreuzte dieses Anliegen. Und der Gang vor das Bundesverwaltungsgericht half ihr diesbezüglich nicht weiter.

Aufgrund der im September 2016 angekündigten Reorganisation sollten sich die 120 Mitarbeitenden der bisherigen Abteilung der Frau auf die neu nur noch 70 Arbeitsstellen bewerben. Unter den Angestellten befand sich auch die Beschwerdeführerin.

Sexistische Äusserungen

Eine externe Untersuchung war im Mai 2015 zum Schluss gekommen, dass sie am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden war. Kollegen hatten sexistische Äusserungen ihr gegenüber gemacht.

Der Bericht hielt weiter fest, es habe aber kein Mobbing gegeben. Bezüglich dem Vorgesetzten der Betroffenen wurde vermerkt, dass dieser Fehler bei der Klärung der Situation gemacht habe. Von einer Weiterbeschäftigung der Frau in der gleichen Abteilung wurde abgeraten.

Die Betroffene verlangte eine Verfügung und ging vor Bundesverwaltungsgericht. Sie verlangte ihre Reintegration an ihrem früheren Arbeitsplatz und die Feststellung, dass sie gemobbt worden sei. Zudem verlangte sie eine Entschädigung gemäss Gleichstellungsgesetz. Die SBB hatte ihr einen Monatslohn zugesprochen. Dieser Fall ist nun beim Verwaltungsgericht hängig.

Neue Bewerbung bei altem Chef

Während des laufenden Verfahrens kündigte die SBB ihre Reorganisation an. Nun sollte sich die Frau bei ihrem bisherigen Chef um ihre alte Stelle bewerben, wenn sie in der gleichen Region tätig bleiben wollte. Das tat sie. Sie kündigte gleichzeitig an, mit ihm kein Bewerbungsgespräch führen zu wollen.

Zu einem solchen Gespräch wurde sie auch nicht eingeladen. Im November 2016 wurde die Frau darüber informiert, dass sie ihre Stelle per Ende Februar 2017 verliere. Im gleichen Schreiben wurde erläutert, wie das weitere Verfahren hinsichtlich der Unterstützung bei der Stellensuche aussehen werde.

Gericht hat einen anderen Blickwinkel

Bereits zuvor war die Frau darauf hingewiesen worden, dass sie sich auch in anderen Regionen für den gleichen Job bewerben könne. Dies tat sie nicht. Während die Betroffene das Schreiben vom November 2016 als Absage auf ihren Wunsch zur Reintegration an ihren bisherigen Arbeitsplatz verstand, sieht dies das Bundesverwaltungsgericht anders.

Es hat die Vereinigung des Verfahrens bezüglich der sexuellen Belästigung und der Bewerbung auf die bisherige Stelle abgelehnt. Es gehe dabei um zwei verschiedene rechtliche Fragen, schreibt das Gericht. Zudem ist es auf diese zweite Beschwerde nicht eingetreten, weil es sich nicht um einen Endentscheid handelt.

Nun muss die Betroffene warten, wie das Bundesverwaltungsgericht im Fall der sexuellen Belästigung entscheidet. (Urteil A-142/2017 vom 05.09.2017) (fal/sda)

Erstellt: 11.09.2017, 15:16 Uhr

Artikel zum Thema

Welche Pornoseiten der Bund sperrt

Blockiert werden vor allem Anbieter von Kinderpornos. Sexuelle Gewaltdarstellungen werden kaum verfolgt, obwohl sie verboten sind. Mehr...

«Dieser Song beleidigt mich aufs Übelste»

Musiker haben Natalie Rickli als «Schlampe» besungen. Das Gericht hat nun geurteilt, dass es sich dabei um Beschimpfung, jedoch nicht um Verleumdung und sexuelle Belästigung handelt. Mehr...

Beschimpft und unter Druck gesetzt

Auf einer neuen Website können sich Opfer von sexueller Diskriminierung am Arbeitsplatz anonym Hilfe suchen. Die ersten Erfahrungen zeigen: Die Nachfrage ist da. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Schwindelerregender Gänsemarsch: Eine Seilschaft klettert einer Felswand im ostchinesischen Qingyao-Gebirge entlang. (23. September 2017)
Mehr...