Afghanen in Zivilschutzbunkern in Schaffhausen untergebracht

Weil es in den Bundeszentren keinen Platz mehr hat, wurden 180 Flüchtlinge in unterirdischen Anlagen einquartiert. Vor den Uniformierten hatten die Flüchtlinge Angst.

Schon in früheren Flüchtlingskrisen wurden Menschen in Zivilschutzanlagen untergebracht: Dieses Archivbild zeigt Kinder aus dem Kosovo in einer Anlage in Camignolo TI. (21. Oktober 1998)

Schon in früheren Flüchtlingskrisen wurden Menschen in Zivilschutzanlagen untergebracht: Dieses Archivbild zeigt Kinder aus dem Kosovo in einer Anlage in Camignolo TI. (21. Oktober 1998)

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Seit letztem Mittwoch leben 180 Flüchtlinge in zwei Zivilschutzanlagen in der Stadt Schaffhausen und Wilchingen. Es sind viele Familien aus Afghanistan, Syrien und dem Irak, die keinen Platz in einem Asylzentrum des Bundes fanden und darum vorübergehend in den Bunkern wohnen.

«Die Menschen kamen sehr erschöpft hier an. Sie waren hungrig und froh, nach mehreren Wochen endlich mal wieder duschen zu können», erzählt Asylkoordinator Andi Kunz im Interview mit dem «Regionaljournal Zürich und Schaffhausen» von SRF.

Die Notunterkunft im Zivilschutzbunker habe die Flüchtlinge anfangs verängstigt. Sie seien erschrocken, als die uniformierten Zivilschützer sie in den Untergrund führen wollten. «Sie wussten nicht, was dort mit ihnen geschieht», so Kunz zu SRF. Ein Dolmetscher hätte die Situation beruhigen können und habe den Flüchtlingen erklärt, dass die Notunterkunft nur vorübergehend sei.

Wohlwollen in der Bevölkerung

Allerdings ist noch unklar, wie lange die Flüchtlinge in Schaffhausen bleiben. Kunz befürchtet, es werde länger dauern als die versprochenen zwei, drei Tage. Der Bund ist gefordert, eine schnelle Lösung zu finden. Die Bundeszentren sind überfüllt. Laut Kunz können die beiden Zivilschutzanlagen bis Ende Januar belegt werden.

Dass sich eine der Anlagen gleich neben einer Schule befindet, sei bislang kein Problem, sagt Kunz zu SRF. Man stehe in engem Kontakt mit der Schulleitung. Ein Sorgentelefon wurde extra für die Bevölkerung eingerichtet. Doch aus dem Quartier sei viel Wohlwollen zu spüren. Die Anrufer wollten bloss wissen, wie sie helfen können. (slw)

Erstellt: 09.11.2015, 09:26 Uhr

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