Sie will eine Klima-Landsgemeinde

Die junge Glarnerin Denise Aepli hat eine Petition lanciert, um Umweltanliegen gebündelt zu behandeln.

Rechnet ihrem Anliegen gute Chancen aus: Denise Aepli. (Foto: PD)

Rechnet ihrem Anliegen gute Chancen aus: Denise Aepli. (Foto: PD)

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Sagt jemand über den Kanton Glarus, er sei fortschrittlich, meint er die Landsgemeinde. An der Versammlung, die jährlich am ersten Maisonntag auf einer imposanten Holzkonstruktion stattfindet, hat das Glarner Volk schon Grosses entschieden. Den Zusammenschluss der 25 Gemeinden zu dreien im Jahr 2006 etwa oder das Stimmrechtsalter 16 im Jahr 2007 – da war Denise Aepli elf.

Heute ist sie es, die diesem Eindruck neuen Schub verleihen könnte. Als Teenager trat die 23-Jährige der Juso bei und später wieder aus, weil sie während der Lehre als Detailhandelsfachfrau nicht an die Versammlungen gehen konnte – samstags musste sie arbeiten. Vor zwei Jahren hat Aepli die Lehre abgeschlossen und engagiert sich wieder, als junge Grüne und Klimaaktivistin. Etwa bei den Klimastreiks, die auch in Glarus stattgefunden haben. Jetzt hat Aepli mit anderen der Glarner Klimastreikbewegung eine Petition lanciert, die eine Klimalandsgemeinde fordert. 2000 stimmberechtigte Glarnerinnen und Glarner müssen die Petition unterschreiben, damit sie eingereicht werden kann. 2000 Unterschriften in einem Kanton, in dem rund 40'000 Personen leben und «jedä jedä kännt», wie die Mundartband Rämlers über das Glarnerland singt – eigentlich ein Klacks.

Aepli rechnet dem Anliegen gute Chancen aus. Das Thema Klima treffe den Nerv der Zeit. An der vergangenen Landsgemeinde vom 5. Mai haben sie die Petition gestartet. Wie viele Unterschriften schon zusammen sind, weiss Aepli nicht, weil verschiedene Leute immer mal wieder auf Unterschriftensammlung gingen. «Das Gute ist, dass wir keinen Zeitdruck haben», sagt sie. Es gibt keine Frist. Trotzdem wollen sie die Petition so bald wie möglich einreichen. Eine Traktandenliste muss mitgeliefert werden.

«Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.»Denise Aepli

Diese wollen die Klimaaktivistinnen zusammen mit der Bevölkerung erstellen. «Uns ist wichtig, dass die Themen gemeinschaftlich bestimmt werden», sagt Aepli. Drei Punkte sind schon fix: die CO2-Emission bis 2030 auf null zu reduzieren; die Forderung, für den Kanton den Klimanotstand auszurufen; und die Idee, ein Managementsystem zu errichten, das die Einhaltung der Ziele überwacht. «Das ist der Rahmen, den wir haben. Jetzt müssen wir ihn mit Inhalt füllen.» Ideen für Gesetzesänderungen gibt es auch: Solarpanels auf Dächern von Neubauten, ein modernes Recyclingsystem, die Förderung von E-Mobility, die Abkehr von Ölheizungen.

Warum es gerade eine Landsgemeinde sein muss, immerhin das oberste gesetzgebende Organ des Kantons, erklärt Aepli so: «Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.» Entweder man behandle an jeder Landsgemeinde separat Gesetze, welche die Umwelt betreffen – oder an einer einzigen Landsgemeinde alle zusammen. Die Regionalzeitung «Südostschweiz» nannte eine solche ausserordentliche Landsgemeinde den «direktdemokratischen Ausnahmezustand». Gegeben hat es ihn im November 2007. Damals stellten Bürger den Antrag, den Entscheid der Gemeindefusion vom Vorjahr wieder aufzuheben. Er war ihnen zu radikal.

Auch die Klimalandsgemeinde mag manchen zu radikal sein. Aepli ist trotzdem überzeugt, dass sie zustande kommt. «Wir wollen etwas verändern. Wir machen keine Symbolpolitik.»

Erstellt: 19.07.2019, 21:16 Uhr

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