Silvia Steiner, die Gewissenhafte

Die Zürcher Regierungsrätin Silvia Steiner präsidiert neu die Erziehungsdirektorenkonferenz. Obwohl sie nur wenig Erfahrung im Bildungsbereich hat, gilt sie als kompetent.

Kann gut zuhören: Die neue EDK-Präsidentin Silvia Steiner. Foto: Reto Oeschger

Kann gut zuhören: Die neue EDK-Präsidentin Silvia Steiner. Foto: Reto Oeschger

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Silvia Steiner, über die man vor allem trockene Beschreibungen wie «solid», «bodenständig» und «verlässlich» zu hören bekommt, vermag zu überraschen. Erst holte sie vergangenen ­Frühling als frisch gewählte Zürcher Regierungsrätin für die CVP wider Erwarten den verlorenen Sitz zurück.

Dann übernahm sie, eine Bürgerliche und Staatsanwältin, die Bildungsdirektion, die davor während 13 Jahren von der Sozialdemokratin Regine Aeppli geführt wurde. Und nun haben die kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren gestern Steiner zur neuen Präsidentin der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) gewählt. Damit löst die 58-Jährige den bisherigen Amtsinhaber, den Basler Bildungsdirektor Christoph Eymann (LDP), auf Anfang 2017 ab. Obwohl sich die frühere ­Kantonsrätin erst seit eineinhalb Jahren intensiv mit Bildungsthemen beschäftigt hat, ist sie ab kommendem Jahr die oberste Volksschulpolitikerin der Schweiz.

Die Wahl soll knapp ausgefallen sein, wie es aus dem Umfeld der EDK heisst. Steiner selbst will zum Wahlprozedere nichts sagen. Ungewöhnlich ist, dass es auf eine Kampfwahl hinauslief: Normalerweise ist man in der EDK darum bemüht, dies zu vermeiden. Steiner und ihr einzig verbliebener Gegenkandidat, der Luzerner Erziehungsdirektor und Parteikollege Reto Wyss, beschlossen gemeinsam, bis zum Schluss an ihrer Kandidatur festzuhalten. Der CVP-Politiker Wyss ist für hartes Sparen in der Bildung bekannt. Aber auch Steiner sind Sparmassnahmen nicht fremd: Kürzlich demonstrierten in Zürich rund 1000 Schüler und Studenten gegen das 1,6-Milliarden-Franken-Abbaupaket des Kantons.

Mangelnde Erfahrung

Was den Ausschlag gab, dass sich das Gremium schliesslich für Steiner entschieden hat, will sie nicht kommentieren. Im Vorfeld haben Beobachter ihre bescheidene Bildungserfahrung als Nachteil ausgelegt, der ihre Wahl unwahrscheinlich mache. Dass es anders gekommen ist, zeigt eben auch, dass in diesem scheinbaren Mangel die grösste Stärke Steiners liegt: ihr Wille, sich mit Akribie in die Dossiers einzuarbeiten. Steiner findet, für das Amt gewappnet zu sein: «Sonst hätte ich mich nicht dafür beworben.»

Sie sei «dossierfest», sagt Moritz Spillmann (SP), der die Bildungskommission des Zürcher Kantonsrats präsidiert. Auch Monika Wicki, SP-Kantonsrätin und Mitglied der Bildungskommission, lobt, wie «enorm schnell» Steiner sich eingelesen habe und kompetent Fragen beantworten könne. Einzig die «Sparerei» bei der Bildung sei eine eigentliche Katastrophe, sagt Wicki. Diese habe vor allem damit zu tun, dass die Mehrheit im Regierungsrat bürgerlich sei – und von Steiner mitgetragen werde. Mit ihren Sparvorschlägen habe sie allerdings gezeigt, dass sie nicht bei den Inhalten der Schule kürzen wolle, sagt der ehemalige Zürcher Volksschulamtschef Martin Wendelspiess. Steiner sei darum bemüht gewesen, dort anzusetzen, wo Eltern und Kinder nichts vom Sparen merkten.

Und sogar Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV), hat nur rühmende Worte für Steiner übrig. Sie stelle die richtigen Fragen und könne gut zuhören. Vergangenen Frühling warf Lätzsch der Bildungsdirektion noch vor, die Mitarbeit des ZLV bei der Umsetzung des neuen Lehrplans 21 nicht ernst zu nehmen. Dass Steiner nach diesem Vorwurf umgehend das Gespräch mit dem ZLV gesucht hat, habe Lätzsch positiv überrascht.

Beste Bildung als Hauptziel

Die neue EDK-Präsidentin wird als ­Vermittlerin zwischen Bund und Kantonen eine zentrale Rolle spielen; etwa bei der Frage, ob sich die Kantone zu einem Kompromiss beim Frühfranzösisch durchringen und so die angedrohte Bundesintervention verhindern können. Steiner nennt die Harmonisierung der Schulen in der Schweiz denn auch eine der Herausforderungen, die es zu bewältigen gelte. Sie werde gegenüber dem Bund klar die Interessen der EDK vertreten und, wenn es sein müsse, mahnende Worte aussprechen. Konkreter will sich die Regierungsrätin erst nach Amtsantritt dazu äussern. Das Hauptziel sei nach wie vor, den Jugendlichen die beste Bildung und Ausbildung zu ermöglichen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.10.2016, 22:17 Uhr

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