Simonetta Sommaruga am Pride-Festival

«Ob wir nun Frauen lieben oder Männer lieben, ob wir nun Männer und Frauen lieben, heiss ist uns heute allen», sagte die Bundesrätin bei strahlendem Wetter an der Zürcher Pride-Parade.

Gekonnte Tanzeinlagen: Umzugsteilnehmer bei einer Performance. (16. Juni 2012)

Gekonnte Tanzeinlagen: Umzugsteilnehmer bei einer Performance. (16. Juni 2012) Bild: Keystone

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In guter Stimmung und bei bestem Wetter haben am Samstagnachmittag rund 8000 Personen am traditionellen Umzug des Zurich Pride Festivals teilgenommen. Die Pride-Parade durch die Zürcher Innenstadt und der Auftritt von Bundesrätin Simonetta Sommaruga bildeten einen Höhepunkt des mehrtägigen Festivals.

Unter dem Motto «Welcome to Reality» setzten sich die vorwiegend in Alltagskleidung steckenden Teilnehmenden für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen ein. Der Weg führte sie vom Helvetiaplatz zum Werdmühleplatz an etwa 15'000 Zuschauern vorbei.

Für Farbtupfer im Umzug sorgten vor allem Luftballons in den Farben Gelb, Pink und Blau. Besonders auffällig waren auch zwei Reiter sowie die Vertreter von Gaysport Zürich. Letztere machten mit einer gekonnten Tanzeinlage auf sich aufmerksam.

Insgesamt präsentierte sich der Umzug als eine Mischung aus Polithappening und Spaziergang an der Sonne. Einige trugen Transparente und machten auf ihre Anliegen aufmerksam. «Homophobie ist wider die Natur», war zu lesen, oder «Schulprojekt der anderen Art - Gleichgeschlechtliche Liebe leben». Einige spannten Regenschirme auf, um die stechende Sonne abzuwehren.

Sommaruga gegen jegliche Form von Diskriminierung

Als heiss empfand die Temperaturen auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP). «Ob wir nun Frauen lieben oder Männer lieben, ob wir nun Männer und Frauen lieben, heiss ist uns heute allen», sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements in ihrer Rede am Samstagabend am Pride Festival.

Die Justizministerin betonte, dass sie die realen Lebensverhältnisse und die Gesetze näher zusammenführen möchte. Sie werde sich deshalb für ein zeitgemässes Familien- und Privatrecht einsetzen - ein Recht, in dem Lesben und Schwule nicht benachteiligt seien.

Laut Sommaruga genügt es jedoch nicht, sich nur im politischen Prozess darum zu bemühen, die Rechte von Lesben und Schwulen anzugleichen. «Solange es im Alltag Diskriminierungen gibt, ist es wichtig, dass wir uns alle gegen solche Diskriminierungen aussprechen», sagte sie.

Alltägliche Diskriminierungen ortete die Bundesrätin beispielsweise am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche sowie in gewissen Disziplinen des Spitzensports. Es stimme sie nachdenklich, «dass zu viele sogenannte Fans offenbar immer noch nicht damit umgehen können, dass männliche Fussballidole schwul sein könnten».

Ausser Sommaruga hatten sich im Laufe des Tages weitere Redner an das Festival-Publikum gewandt. So etwa Alicia Parel, designierte Geschäftsführerin der Schwulen-Dachorganisation PinkCross. Parel betonte insbesondere die Bedeutung der Schulen im Kampf um Anerkennung alternativer Lebensformen.

Traditioneller Anlass

Der Anlass findet in Zürich seit 1994 statt, zunächst unter dem Namen Christopher Street Day (CSD). Seit 2010 nennt er sich in Anlehnung an internationale Vorbilder Zurich Pride Festival.

Das Zurich Pride Festival ist nach eigenen Angaben der grösste LGBTI-Anlass (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersexual) der Schweiz. Auf dem Programm standen seit dem 8. Juni zahlreiche kulturelle, gesellschaftliche und sportliche Events für jedermann. Den Abschluss des Festivals bildet traditionsgemäss ein ökumenischer Gottesdienst am Sonntag.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.06.2012, 19:39 Uhr

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