So begehrt ist der Schweizer Pass

Die Zahl der Einbürgerungen in der Schweiz ging bis 2014 drastisch zurück. Doch letztes Jahr kam es zur Wende.

Wieder begehrt: Die Zahl der Bewerbungen für den roten Pass ist wieder gestiegen. (Symbolbild)

Wieder begehrt: Die Zahl der Bewerbungen für den roten Pass ist wieder gestiegen. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Jahrelang nahm die Zahl der Einbürgerungen in der Schweiz ab. 2014 erwarben 32'800 Personen das Schweizer Bürgerrecht – im Rekordjahr 2008 waren es noch 44'400. Auch, wenn man die Zahl der erleichterten Einbürgerungen abzieht, zeigt sich ein ähnlicher Trend. Bei den ordentlichen Einbürgerungen sank die Fallzahl im gleichen Zeitraum von 35'600 auf 23'700. Dies entspreche einem Rückgang von 38 Prozent, schreibt der «SonntagsBlick» – und erklärt die Veränderung mit den höheren Hürden in den Kantonen. So würden von den Einbürgerungswilligen zunehmend schwierige Deutschtests verlangt, berichtet der «SonntagsBlick».

Deutschlehrer Daniel Hess von der Schule für Wirtschaft und Sprache (SWS) in Winterthur sagt gegenüber dem Medium, dass «der Kanton daran ist, die Tests zu modifizieren». Diese seien momentan nicht allzu anspruchsvoll.

Dass die Kantone in Sachen Einbürgerungen die Schraube anziehen, wird auch kritisiert. Walter Leimgruber, Migrationsexperte aus Basel und Präsident der Eidgenössischen Migrationskommission, meint im «SonntagsBlick»: «Uns muss bewusst sein, dass die hohen Anforderungen einen grossen Teil der Arbeitsmigranten ohne Ausbildung vom Schweizer Bürgerrecht ausschliessen. Für sie sind die Hürden zu hoch.» Dazu komme, dass das Einbürgerungsverfahren mehrere Jahre daure, intransparent sei und die Gebühren sehr hoch seien. «Viele Expats und Secondos sagen deshalb: ‹Das tue ich mir nicht an.›»

2015 wendet sich das Blatt erneut

Betrachtet man jedoch die Zahlen vom vergangenen Jahr, zeigt sich ein komplett anderes Bild: 2015 sind die Einbürgerungszahlen in allen Kategorien stark angestiegen. Die Zahl der ordentlichen Einbürgerungen stieg von 23'700 auf 31'200 Fälle an, das sind so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Zahl der erleichterten Einbürgerungen – davon profitieren primär Ehepartner von Schweizern oder ausländische Kinder mit einem Schweizer Elternteil – ist mit 9400 Fällen gar auf einem neuen Allzeithoch. Letztes Jahr ersuchten noch 8900 Personen um eine erleichterte Einbürgerung, 2008 waren es 7900 Personen.

Die meisten Neoschweizer stammten im letzten Dezember aus Portugal, Italien und Deutschland, gefolgt von Personen aus dem Kosovo. Etienne Piguet, Geografieprofessor und Spezialist für Migrationsfragen an der Universität Neuenburg, nennt im «Boten der Urschweiz» die Durchsetzungsinitiative der SVP als mögliche Ursache für den plötzlichen Anstieg. Die Volksinitiative schaffe für Ausländer in der Schweiz ein Klima der Unsicherheit. «Einige lassen sich möglicherweise einbürgern, um beim Aufenthaltsrecht kein Risiko einzugehen». SVP-Exponenten weisen im Abstimmungskampf zur Durchsetzungsinitiative regelmässig daraufhin, dass Secondos sich einbürgern lassen können, sollten sie «die Befürchtung haben», kriminell zu werden. Dem abgewählten SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli ist die Tendenz dennoch ein Dorn im Auge: «In der Schweiz werden die Ausländerprobleme einfach eingebürgert», kritisierte er auf Twitter.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels berief sich Tagesanzeiger.ch/Newsnet lediglich auf die Berichterstattung des «SonntagsBlicks». Die aktualisierte Version wurde um die Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM) aus dem Jahr 2015 ergänzt. (fal)

Erstellt: 07.02.2016, 09:30 Uhr

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