So gut stehen die Chancen für mehr Frauen im Ständerat

Für die Wahlen 2019 lancieren die Parteien aussichtsreiche Kandidatinnen und solche mit Potenzial für einen Überraschungscoup.

Der drohende Frauenverlust hat die Parteien alarmiert. Illustration: Marina Bräm

Der drohende Frauenverlust hat die Parteien alarmiert. Illustration: Marina Bräm

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Die Kurve zeigt steil nach unten: Seit 2003 sinkt der Frauenanteil im Ständerat stetig. Aktuell liegt er noch bei 15 Prozent. Und er droht weiter zu sinken. Von den sieben Ständerätinnen tritt bei den Wahlen 2019 nur noch die Thurgauerin Brigitte Häberli-Koller (CVP) erneut an. Fünf Standesvertreterinnen (vier SP, eine CVP) ziehen sich aus der Politik zurück, und Karin Keller-Sutter (FDP) wurde soeben in den Bundesrat gewählt.

Der drohende Frauenverlust hat die Parteien alarmiert – auch wegen des Drucks ihrer Frauensektionen. Ausser der SVP und der BDP, die noch nie mit einer Frau im Ständerat vertreten waren, lancieren jetzt alle Parteien mehrere Frauenkandidaturen. Neben Häberli-Koller haben vier Frauen sehr gute Chancen, im Herbst gewählt zu werden. Bei vier weiteren Sitzen sind die Wahlaussichten intakt bis gut. Weitere Kandidatinnen haben das Potenzial für einen Überraschungscoup.

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Damit dürfte der Frauenanteil im Stöckli entgegen den bisher kolportierten Szenarien nach den eidgenössischen Wahlen im nächsten Oktober stabil bleiben – wenn nicht sogar leicht steigen. Am meisten chancenreiche Frauen treten in der CVP und in der SP an.

Aussichtsreiche CVP-Frauen

Die Zahl der CVP-Ständerätinnen dürfte bei den Wahlen von zwei auf drei steigen.

  • Dass Brigitte Häberli-Koller im Thurgau wiedergewählt wird, ist so gut wie sicher.
  • Auch in Luzern dürfte die CVP ihren traditionellen Sitz mit einer Frau verteidigen. Für die Nachfolge von Konrad Graber sind Nationalrätin Andrea Gmür und Kantonsrätin Yvonne Hunkeler in der Poleposition.
  • Im Wallis hat die Grossrätin Marianne Maret beste Chancen, den abtretenden Jean-René Fournier zu ersetzen – und damit die erste Walliser Ständerätin überhaupt zu werden. Zwar wird die FDP den Sitz mit Nationalrat Philippe Nantermod angreifen; ein Sitzverlust der CVP im Wallis wäre aber eine Sensation.
  • Im Aargau hat Grossrätin Marianne Binder gewisse Aussenseiterchancen. Wahrscheinlicher scheint derzeit aber, dass die beiden frei werdenden Aargauer Ständeratssitze an Männer rechts der Mitte gehen.

Aussichtsreiche SP-Frauen

In der SP, die heute mit 33 Prozent den höchsten Frauenanteil im Ständerat hat, treten alle vier Amtsinhaberinnen nicht mehr an. Entgegen den bisherigen Nachrichten hat die Partei nun aber reelle Chancen, diese Zahl zu halten.

  • In Neuenburg hat die Kantonalpartei am 24. November entschieden, den Sitz des abtretenden Didier Berberat mit einem doppelten Frauenticket zu verteidigen. Weil die Neuenburger Ständeräte im Proporz gewählt werden, hat die SP aufgrund ihrer Parteistärke einen Sitz auf sicher. Die beiden Kandidatinnen werden im März 2019 nominiert. Favoritinnen sind Martine Docourt Ducommun, Co-Präsidentin der SP-Frauen, und die ehemalige Kantonalpräsidentin Silvia Locatelli.
  • Auch im Jura wird die SP aufgrund der Proporzwahl den Sitz des abtretenden Claude Hêche verteidigen. Favoritin für den Sitz ist die frühere Regierungsrätin und Erziehungsdirektorin Elisabeth Baume-Schneider.
  • In Basel-Stadt kandidiert die national bekannte Regierungsrätin Eva Herzog. Ihre grösste Hürde ist die interne Ausmarchung, die sie gegen Nationalrat Beat Jans gewinnen muss. Schafft sie das, wird die bis ins bürgerliche Lager mehrheitsfähige Finanzdirektorin den Sitz von Anita Fetz sichern.
  • In der Waadt gilt Nationalrätin Ada Marra als natürliche Nachfolgerin der abtretenden Géraldine Savary – dies, nachdem der neue Präsident des Gewerkschaftsbunds, Pierre-Yves Maillard, seinen Verzicht bekannt gegeben hat. Marras Handicap ist aber, dass sie als relativ links gilt. Deshalb könnte die SP Waadt versucht sein, an ihrer Stelle SP-Fraktionschef Roger Nordmann ins Rennen zu schicken.
  • Im Tessin wird voraussichtlich die aktuelle Nationalratspräsidentin Marina Carobbio um den frei werdenden Sitz von Fabio Abate (FDP) kämpfen – allerdings mit Aussenseiterchancen. Um den Einzug der Lega ins Stöckli zu verhindern, dürften die linken Stimmen eher an die FDP-Kandidatur gehen.

Exponenten der SP Schweiz räumen offen ein, man habe auf die Kantonalsektionen «sanften Druck» für Frauenkandidaturen ausgeübt. «Unser Druck zeigt nun in den Kantonalsektionen Wirkung», sagt auch Natascha Wey, die Co-Präsidentin der SP-Frauen. Diese hatten im Sommer einen Forderungskatalog zuhanden der Mutterpartei verabschiedet, um einen Einbruch des Frauenanteils zu verhindern. Wey hofft nun mit Blick auf die noch ausstehenden Nominationen – etwa in Basel-Stadt –, dass die kandidierenden Frauen tatsächlich nominiert werden.

Aussichtsreiche FDP-Frauen

In der freisinnigen Ständeratsdeputation ist der Frauenanteil in den letzten Jahren besonders stark zurückgegangen. Die letzte FDP-Ständerätin war Karin Keller-Sutter. Nach ihrer Wahl in den Bundesrat dürfte die FDP ihren Sitz im März 2019 in der Ersatzwahl an den CVP-Mann Benedikt Würth verlieren.

  • Intakte Chancen hat dafür Nationalrätin Daniela Schneeberger in Basel-Landschaft – allerdings muss sie sich gegen starke Konkurrenz aus der SP (Nationalrat Eric Nussbaumer) und bei den Grünen (Maya Graf) durchsetzen.
  • Eine starke Kandidatin wäre Parteichefin Petra Gössi in Schwyz. Allerdings ist bis jetzt weder klar, ob einer der beiden SVP-Amtsinhaber zurücktritt, noch ob Gössi antreten will.
  • Nur Aussenseiterchancen hat Nationalrätin Christa Markwalder im Kanton Bern. Chancenreicher wäre eine Frauenkandidatur der FDP Tessin zur Verteidigung des Sitzes von Fabio Abate. Die Weichen für die Ständeratswahl werden im Tessin aber erst nach den kantonalen Wahlen im April gestellt. Mögliche Kandidatinnen wären Carla Speziali, Laura Sadis oder Cristina Maderni.


Bildstrecke: Berner Ständeratswahlen 2019


Aussichtsreiche Grüne

Mit dem Rücktritt des Genfers Robert Cramer verlieren die Grünen ihren letzten Vertreter im Ständerat. In verschiedenen Kantonen versuchen sie nun mit Frauen Sitze zu holen.

  • Intakte Chancen hat Nationalrätin Maya Graf, in Basel-Landschaft den Sitz des voraussichtlich abtretenden SP-Mannes Claude Janiak zu erobern. Allerdings muss sie sich dafür in einem schwierigen Dreikampf gegen Eric Nussbaumer (SP) und Daniela Schneeberger (FDP) behaupten.
  • Potential hat auch die Kandidatur der erst 30-jährigen Lisa Mazzone in Genf. Am Anfang Aussenseiterin, sind Mazzones Wahlchancen inzwischen gestiegen, weil FDP und CVP mit Spesen- und Korruptionsskandalen prominenter Politiker zu kämpfen haben.
  • In der Waadt hoffen die Grünen, dass ihre frühere Co-Präsidentin Adèle Thorens den 2015 verlorenen Ständeratssitz zurückholt. Ihre Chancen könnten steigen, wenn die SP auf eine dezidiert linke Kandidatur setzt.
  • Die Wahlchancen der grünen Präsidentin Regula Rytz sowie der grünliberalen Nationalrätin Kathrin Bertschy in Bern sind schwer abschätzbar. Sie dürften steigen, falls der Amtsinhaber Werner Luginbühl (BDP) nicht mehr antreten sollte.
(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 22.12.2018, 10:46 Uhr

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