So kurios wurde noch niemand in den Nationalrat gewählt

Nun ist der Nationalrat komplett: Der achte Tessiner Nationalratssitz geht an den CVP-Kandidaten Marco Romano. Das entschied ein Los. Die Umstände sind aussergewöhnlich.

Politik wird zum Glücksspiel: Marco Romano (l.) und CVP-Parteikollegin Monica Duca Widmer.

Politik wird zum Glücksspiel: Marco Romano (l.) und CVP-Parteikollegin Monica Duca Widmer. Bild: Keystone

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CVP-Kandidat Marco Romano besetzt den achten Tessiner Nationalratssitz. Eine zweite Losziehung ist zu seinen Gunsten ausgefallen. Parteikollegin Monica Duca Widmer, welche die erste Auslosung gewonnen hatte, hat das Nachsehen.

Der Verliererin war die Enttäuschung nach dem Losentscheid deutlich anzusehen. Sie wolle jetzt mit der Politik abschliessen, sagte Duca Widmer im Anschluss gegenüber Medienvertretern. Es mache für sie keinen Sinn, in vier Jahren neu zu kandidieren. Sie wolle aber erster Ersatz für die beiden CVP- Nationalräte bleiben.

Marco Romano hingegen freute sich sichtlich, auch wenn er lieber mit eindeutigem Stimmergebnis nach Bern gegangen wäre, sagte er den Medien. Doch jetzt sei er sehr froh, dass das Glück auf seiner Seite gestanden habe.

Anordnung des Bundesgerichts

Mit der zweiten Auslosung kam die Tessiner Regierung einer Anordnung des Bundesgerichts nach. Romano und Duca Widmer hatten bei den Eidgenössischen Wahlen vom 23. Oktober exakt gleich viele Stimmen erreicht.

Die erste Auslosung wurde mit einem Computerprogramm vorgenommen, das bei kommunalen und kantonalen Wahlen zum Einsatz kommt, wenn Stimmengleichheit vorliegt. Diese erste Ziehung hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Auch die beiden Kandidierenden waren nicht anwesend gewesen.

Nachdem drei Beschwerden gegen die erste Auslosung eingegangen waren, ordnete das Bundesgericht am Mittwoch eine manuelle und öffentliche Ziehung an. Vorzunehmen habe diese ein Mitglied oder eine Delegation der Tessiner Regierung. Nicht mitmachen dürfe allerdings der CVP-Regierungsrat Paolo Beltraminelli.

Öffentlichkeit zugelassen

Das Los zog am Freitag Staatsrat Marco Borradori (Lega) im Saal des Grossen Rats. Aufsicht führte eine Beamtin der Kantonspolizei. Die Öffentlichkeit war zugelassen. Rund siebzig Gäste und zahlreiche Medienvertreter verfolgten das Ereignis vor Ort. Im Namen der Kantonsregierung waren zudem Manuele Bertoli (SP) und Norman Gobbi (Lega) präsent.

«Es ist natürlich schade, dass ein so wichtiges Mandat letztendlich durch ein Losverfahren vergeben wird», sagte Marco Borradori nach der Ziehung. Doch zumindest habe das Bundesgericht die Entscheidung der Regierung gutgeheissen, keine Neuzählung durchzuführen. (bru/sda)

Erstellt: 25.11.2011, 12:45 Uhr

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