So reagiert Pfister auf die Kritik von Schmid-Federer

Die Zürcher Nationalrätin tritt zurück und kritisiert gleichzeitig den Kurs ihrer CVP. Nun nimmt der Parteichef Stellung.

Gerhard Pfister und Barbara Schmid-Federer an der Frühlingssession 2017 im Nationalrat. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Gerhard Pfister und Barbara Schmid-Federer an der Frühlingssession 2017 im Nationalrat. Foto: Peter Schneider (Keystone)

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Nationalrätin Barbara Schmid-Federer hat im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet ihren Rücktritt angekündigt – und kritisiert den konservativ-bürgerlichen Kurs der Parteileitung. «Ich bin überzeugt, dass in den urbanen Regionen ein Wählerpotenzial brachliegt, das eine liberal-sozial ausgerichtete CVP abholen könnte. Mit dem aktuellen Kurs wird das meines Erachtens nicht gelingen», sagt die Zürcherin, die am linken Rand der Bundeshausfraktion politisiert hat. Der liberal-soziale Flügel, dem Schmid-Federer angehört, ist in den vergangenen Jahren personell geschwächt worden. Mehrere Abgänge aus diesem Lager dürften im Hinblick auf die Wahlen 2019 auch dessen inhaltliches Gewicht schmälern.

Wie Schmid-Federer betont auch Präsident Gerhard Pfister auf Anfrage, trotz unterschiedlicher Meinungen ein «sehr kollegiales» Verhältnis zu seiner Sitznachbarin im Nationalrat zu haben. Und einig ist er mit ihr dahingehend, dass die CVP offen für alle Religionen und Konfessionen sein muss: «Alle, die unsere Werte teilen, sind bei uns willkommen.» Die Kritik am Kurs könne er jedoch nur bedingt nachvollziehen. «Hier schliesst man fälschlicherweise von mir auf die Partei: Nur weil ich selbst konservativ eingestellt bin, heisst das nicht, dass die ganze CVP nun so tickt», sagt der Zuger und verweist auf die Haltung der CVP zu grossen politischen Geschäften wie der Rentenreform oder der Energiewende. «Dabei hat sich die CVP als kompromissbereite Mitte-Kraft positioniert.»

«Mitte-links mehr Chancen»

Pfister erinnert zudem daran, dass er selbst die Initiative zur Gründung der Christlichsozialen Vereinigung (CSV) ergriffen habe. «Ich bin also durchaus bemüht, den linken Flügel zu stärken.» Die CSV soll unter der Führung von Nationalrat Stefan Müller-Altermatt die heutige Christlich-Soziale Partei (CSP) ersetzen. «In meinen Augen haben wir Mitte-links mehr Chancen, Wähler zu gewinnen, als im rechten Spektrum», sagte auch der Solothurner anlässlich der Gründung im April.

Eine öffentliche Richtungsdiskussion hält Pfister indes nicht für zielführend. «Ich bedaure, dass eine solche nicht stattgefunden hat, als wir im vergangenen August unsere neuen Leitlinien verabschiedet haben.» Vielmehr entspreche das Leitbild und damit auch der Kurs der konsolidierten Haltung der Fraktion und der Delegierten. «Daran halte ich mich.»

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Die nationale Parteileitung gebe zwar die grossen Linien vor, doch die Kantonalsektionen, so Pfister weiter, bestimmten ihre Ausrichtung letztlich selbst. Gäbe es also in urbanen Regionen wie Zürich Mitte-links ein brachliegendes Wählerpotenzial, liege es an der kantonalen Leitung, dies abzuholen. Pfister ist zudem überzeugt, dass der spezifische Kurs in einem Kanton nur einen Teil des Wahlerfolgs ausmache. «Entscheidend in einem Wahlkampf ist das Handwerk: Eine professionell geführte Kampagne erreicht die Wähler besser.» Das habe die CVP des Kantons Genf soeben bei den erfolgreichen Kantonsratswahlen bewiesen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2018, 13:54 Uhr

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