So stark werden die Prämien steigen

Auch nächstes Jahr werden die Schweizer wieder mehr Geld für ihre Krankenkasse zahlen müssen. Zwischen den Kantonen tun sich allerdings grosse Unterschiede auf.


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Der Internetvergleichsdienst bonus.ch schätzt die künftigen Prämien der Schweizer Versicherer ein. Die durchschnittlichen Erhöhungsquoten werden auf der Grundlage von allen Versicherungsmodellen und unter Berücksichtigung der Anzahl der Versicherungsnehmer der einzelnen Krankenkassen ermittelt. Das Resultat: Die Erhöhung der Grundversicherungsprämien wird 2013 mit ca. 2,5% gemässigt ausfallen.

Glarus, mit 4%, und Appenzell Ausserrhoden, mit 3,9%, müssen die stärkste durchschnittliche Erhöhung in Kauf nehmen, gefolgt von Basel-Stadt (3,3%) und Schaffhausen (3,2%).

Westschweiz und Tessin unter dem Schnitt

In Zürich (2,4%), Bern (2,6%) und Luzern (2,7%) werden die Prämien voraussichtlich mehr oder weniger dem nationalen Niveau entsprechen. Die Westschweizer Kantone (mit Ausnahme des Wallis und Freiburg) und das Tessin liegen unter dem nationalen Schnitt, zwischen 0,3% im Jura und 2,4% im Waadtland.

Nur wenige Deutschschweizer Kantone können ähnliche Werte vorweisen: Zug 1,8%, Aargau und Thurgau 2%, Uri und St. Gallen 2,2%, Zürich, Schwyz und Appenzell Innerrhoden 2,4%.

Es handelt sich bei diesen Zahlen um Durchschnittswerte, unter Berücksichtigung aller Versicherer. Doch für gewisse Krankenkassen und gewisse Kantone kann die durchschnittliche Erhöhung bis zu 11% betragen.

Je nach Altersgruppe und vertraglich festgelegter Franchise konnten Unterschiede festgestellt werden. Für gewisse Kunden kann die monatliche Versicherungsrechnung um 15% teurer werden, während andere sogar von einer Prämienreduzierung profitieren können. Insbesondere die Prämien für junge Erwachsene unter 26 Jahren steigen weiterhin an, während die der Kinder tendenziell sinken.

Managed Care im Vorteil

Die erwartete Erhöhung fällt für das traditionelle Versicherungsmodell um ungefähr 20% höher aus als für die alternativen Modelle, was insbesondere für das Versorgungsnetze-Modell, auch Managed Care genannt, gilt. Am 17. Juni dieses Jahres hatte das Schweizer Volk ganz klar gegen eine Integrierung des Versorgungsnetze-Systems in die Schweizer Gesetzgebung gestimmt, obwohl die alternativen Modelle dem Ansteigen der Gesundheitskosten und damit der Erhöhung der Krankenkassenprämien entgegenwirken, was die geringe Prämienerhöhung bei den alternativen Modellen zu bestätigen scheint. So hätte dieses bei der Abstimmung abgelehnte System dazu beitragen können, die Prämienerhöhungen auch in Zukunft niedrig zu halten.

Zurzeit prüft das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Prämien 2013, die ihm von den Schweizer Versicherern zur Genehmigung vorgelegt wurden. In wenigen Wochen wird es seine Entscheidung kommunizieren. Die Versicherer sind verpflichtet, die Versicherungsnehmer individuell bis spätestens Ende Oktober 2012 über die Prämien 2013 in Kenntnis zu setzen. Die Versicherungsnehmer haben also bis Ende November 2012 Zeit, ihren Versicherer und/oder ihr Versicherungsmodell zu wechseln. Die Kündigungsfrist für Zusatzversicherungen ist allerdings bereits Ende September.

Die Ursache der kontinuierlichen jährlichen Erhöhungen liegt generell in den progressiv steigenden Gesundheitskosten und in der Finanzierung von qualitativ hochstehenden Spitalstrukturen.

2011 betrug die Erhöhung 5,6% und 2010 sogar 8,7%. Die geringste Erhöhung gab es 2008, mit einer Erhöhung um 0.5% für Erwachsene. Für das Jahr 2014 sagt comparis.ch einen starken Anstieg voraus. Der Vergleichsdienst führt dies auf die Unsicherheiten wegen der provisorischen Tarifen bei stationären Spitalbehandlungen zurück.

(kle/sda)

Erstellt: 28.08.2012, 22:39 Uhr

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