So teuer ist das Schweizer Gesundheitswesen

Die Gesundheitskosten sind im Jahr 2009 auf 61 Milliarden Franken gestiegen – 4,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Pro Einwohner sind das monatlich 653 Franken.

Komplexe Operationen treiben die Kosten in die Höhe: Herzoperation am KInderspital in Zürich.

Komplexe Operationen treiben die Kosten in die Höhe: Herzoperation am KInderspital in Zürich. Bild: Keystone

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Nach Angaben des Bundesamts für Statistik machten die Gesundheitskosten ganze 11,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus – so viel wie noch nie zuvor. Grund dafür ist, dass die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent zurückging, während die Gesundheitskosten stärker anstiegen als in den Vorjahren.

Damit dürfte das Schweizer Gesundheitswesen auch 2009 wiederum das zweitteuerste der Welt gewesen sein. Nur die USA gaben mit rund 16 Prozent des BIP mehr Geld für die Gesundheit aus. Mit Qualität hat dies jedoch wenig zu tun: In der im Jahr 2000 erstellten Rangliste der Weltgesundheitsorganisation landete die Schweiz auf Platz 20, die USA auf Platz 37.

653 Franken pro Monat

Monatlich wurden in der Schweiz für Gesundheit pro Einwohner 653 Franken ausgegeben. Davon deckten die Versicherten 229 Franken über die Grundversicherung. Im Durchschnitt 200 Franken pro Monat bezahlte jede und jeder Einzelne aus der eigenen Tasche, etwa für Pflegeheime und Zahnarztkosten. 123 Franken wurden via Steuern vom Staat getragen, 58 Franken von den Zusatzversicherungen und 37 Franken von AHV, IV oder Unfallversicherung.

Angestiegen sind die Kosten in allen wichtigen Leistungsbereichen. Für ambulante Behandlungen in Spitälern wurden 6,3 Prozent mehr ausgegeben. Gesundheitsgüter wie etwa Medikamente und die Langzeitpflege in Heimen wurden 5,1 Prozent teurer, die stationäre Akutbehandlung in Krankenhäusern 4,4 Prozent. Diese vier Bereiche zusammen machen knapp 60 Prozent der gesamten Kosten aus.

Der starke Kostenanstieg traf die Krankenversicherungen überraschend. Sie hatten die Prämien für das Jahr 2009 um bloss 2,6 Prozent erhöht. Die Zeche bezahlten die Versicherten im Jahr darauf: 2010 schnellten die Prämien um 8,7 Prozent in die Höhe.

Stetig steigende Kosten

Der vom BFS für 2009 ermittelte Kostenanstieg liegt im Rahmen der Prognosen. Vorangegangen waren jahrelange Bemühungen, die ständig steigenden Kosten in den Griff zu bekommen. Allerdings hatten weder der Zulassungsstopp für Ärzte noch der Ärztetarif Tarmed oder die Förderung von Generika eine spürbare Wirkung.

Die Kostenexplosion und der erwartete rapide Anstieg der Krankenkassenprämien brachten 2009 eine heftige politische Debatte in Gang. Der Bundesrat legte ein Paket mit dringlichen Massnahmen vor, darunter eine Praxisgebühr von 30 Franken oder obligatorische telemedizinische Angebote.

Nur ein Teil dieser Massnahmen wurde tatsächlich umgesetzt, und auch die Kosten steigen ungebremst weiter. Inzwischen ist auch klar, dass die neue Spitalfinanzierung und die Fallpauschalen, von welchen sich die Politik tiefere Kosten erhofft hatte, eher zu einer Verteuerung des Gesundheitswesens führen werden. (pbe/sda)

Erstellt: 29.04.2011, 11:16 Uhr

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