So viel zahlen Erben bei einem Ja

Viele Erben müssten bei einem Ja zur Initiative am 14. Juni keine Steuer mehr entrichten. Deutlich stärker zur Kasse gebeten würden aber direkte Nachkommen, die von ihren Eltern grössere Vermögen erhalten.

Ein Ja zur Erbschaftssteuer wäre ein Segen für den Fiskus: Die Initianten der Initiative «Millionen-Erbschaften für unsere AHV besteuern» in Bern. (15.3.2013)

Ein Ja zur Erbschaftssteuer wäre ein Segen für den Fiskus: Die Initianten der Initiative «Millionen-Erbschaften für unsere AHV besteuern» in Bern. (15.3.2013) Bild: Keystone

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Wie viel zahlen Erben, wenn Mitte Juni eine Mehrheit des Stimmvolks die Volksinitiative der EVP und der Linken unterstützt? Klärungsbedarf besteht noch bei Unternehmensnachfolgen oder Landwirtschaftsbetrieben – hier müsste bei einem Ja das Parlament die Steuerbelastung per Gesetz festlegen. Bei Privatpersonen macht die Initiative klare Vorgaben, sodass sich die neue Steuerlast bereits genau berechnen lässt. Sie sieht eine einfache Regel und einige Spezialbestimmungen sowie Ausnahmen vor. Eine Ausnahme sind etwa Beiträge an gemeinnützige Institutionen – sie dürften vom steuerbaren Betrag abgezogen werden.

Sobald ein Nachlass den Wert von 2 Millionen Franken übersteigt, wird eine Erbschaftssteuer fällig. Und zwar nur auf jenem Betrag, der über dieser Freigrenze liegt. Das aber schweizweit. Die bisherigen kantonalen Regimes fallen weg und damit auch etliche Erbschaftssteuern. Zum Beispiel zahlen Nichten und Neffen heute auf kleineren Beträgen Erbschaftssteuern. Mehr als 2 Millionen Franken erhalten sie äusserst selten. Mit einem Ja am 14. Juni würden also fast alle Nichten und Neffen von Erbschaftssteuern befreit.

Für Ehepartner würde sich nichts ändern

Es müssten grundsätzlich nicht besonders viele Bürger mit Wohnsitz in der Schweiz Erbschaftssteuern zahlen. Der Anteil der betroffenen Erben dürfte zwischen 2 und 4 Prozent liegen – in diesem Streubereich liegen die Angaben von Befürwortern und Gegnern der Initiative. Heute werden Kinder nur in den drei Kantonen Appenzell Innerrhoden, Neuenburg und Waadt erbschaftssteuerpflichtig. Sobald es um grössere Vermögen geht, verschlechtert sich deshalb mit der Initiative die Ausgangslage für direkte Nachkommen in den allermeisten Fällen.

Wenn Immobilien vererbt werden, ist der Freibetrag rasch einmal überschritten. Denn die Erbschaftssteuer soll nach dem Verkehrswert – also dem Marktwert – bemessen werden und nicht nach dem in der Steuererklärung verwendeten amtlichen Wert. Und der Steuersatz auf dem gesamten Nachlass erreicht auch schnell eine ansehnliche Höhe: Bei über 4 Millionen Franken sind es schon mehr als 10 Prozent.

Bei Annahme der Erbschaftssteuerinitiative werden neu folgende Steuern fällig (in Millionen Franken):

Nichts ändern würde sich für Ehepartner. Diese müssen heute schon in keinem Kanton dem Fiskus etwas abliefern, wenn die Frau oder der Mann stirbt. Dies sieht auch der Verfassungstext der Initiative vor. Das hat einen positiven Nebeneffekt: Wenn der verstorbene Ehepartner je die Hälfte seiner Frau und den Kindern vermacht, profitieren die Erben steuerlich zweimal vom Freibetrag. Das erste Mal, wenn sie vom Vater, und das zweite Mal, wenn sie später von der Mutter einen Nachlass erhalten.

Nachlass oder Erbe?

Ein Nachteil ist hingegen, dass es nicht wie in der heutigen Praxis üblich um eine Erbschaftssteuer, sondern um eine Nachlasssteuer geht. Dieser Unterschied spielt eine Rolle, wenn es mehrere Erben gibt. Bei der Erbschaftssteuer wird der Gesamtbetrag zuerst aufgestückelt und anschliessend auf den kleineren Summen die Steuer berechnet. Bei der Nachlasssteuer gilt der Gesamtbetrag als Bemessungsgrundlage. Die einzelnen Erben können so nicht mehr separat vom Freibetrag profitieren und zahlen deshalb mehr Steuern.

Für Schenkungen gibt es einen jährlichen Freibetrag von 20'000 Franken. Was darüber liegt wird an eine allfällige spätere Erbschaft angerechnet. Schenkt etwa ein Vater seinem Sohn eine Liegenschaft im Wert von 700'000 Franken, so ist das ein Betrag von 680'000 Franken. Nach dem Tod des Vaters erbt der Sohn weitere Liegenschaften im Wert von 1,7 Millionen Franken. Nach Abzug des Freibetrags von 2 Millionen Franken beläuft sich die steuerbare Summe somit auf 380'000 Franken. Darauf muss der Erbe 20 Prozent zahlen, also 76'000 Franken. Heute wäre das in den meisten Kantonen steuerfrei.

Immerhin könnte – falls später noch eine grössere Erbschaft folgt – die bezahlte Schenkungssteuer angerechnet werden. Speziell ist zudem, dass bei einem Ja am 14. Juni die Schenkungssteuer rückwirkend in Kraft tritt: Ab 2012 würden alle Schenkungen dem neuen Regime unterliegen. Die Behörden müssten das nachträglich kontrollieren und allenfalls anpassen.

Erstellt: 09.04.2015, 09:24 Uhr

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