«So wie der UBS-Job gestaltet ist, sehe ich keine Konflikte»

Der Glarner BDP-Nationalrat Martin Landolt erklärt, wieso ihn das Amt des Parteipräsidenten interessiert und warum er als Vertreter des Finanzplatzes keinen Clinch mit der BDP-Bundesrätin befürchtet.

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Herr Landolt, Sie werden fast schon wie der sichere Nachfolger von BDP-Präsident Hans Grunder gehandelt. Andere Kandidaten sind weit und breit keine auszumachen.
Ich weiss nicht, ob ich der einzige Kandidat bin. Es läuft jetzt erst eine Frist an, während der die Kantonalsektionen ihre Kandidaturen melden können. Ich selber bin ja auch noch nicht als Kandidat gemeldet.

Aber Sie wollen BDP-Präsident werden?
Ich habe bisher gesagt, dass ich Interesse an diesem Job habe. Und dass ich darum eine Kandidatur ernsthaft prüfen werde. Ich muss aber zuvor noch ein paar Gespräche führen und Abklärungen treffen. Das Grundinteresse ist jedoch vorhanden.

Wieso ist dieser Job für Sie interessant?
Es ist ein Amt, welches durchaus seine Faszination hat ...

... wegen der Auftritte in der «Arena» des Schweizer Fernsehens?
Nein, das sicher nicht. Die BDP ist eine junge Partei, bei der ich vom ersten Tag an beim Aufbau mitgearbeitet habe. Wir haben sehr viel Herzblut investiert. Mir ist es wichtig, dass sich die Partei nach diesem tollen Start entsprechend weiterentwickelt.

Sie gelten wegen ihres Berufes als Politberater der UBS als bankennah. Ist das für eine so junge Partei kein Handicap, wenn sie mit einem bankennahen Präsidenten ins Rennen steigt?
Man muss das den Leuten halt gut erklären. Bei der UBS bin ich politischer Berater, mein Auftrag ist, die Sichtweise der Politik einzubringen und das Sensorium für das Verständnis der Politik zu schärfen. Es ist doch positiv, wenn man bei der UBS zum Schluss kommt: Wir brauchen jemanden, der intern das Sensorium für Politik schärft. Politisch bin ich aber unabhängig und lobbyiere im Parlament nicht für die Interessen der UBS. Ich bin aber seit 1984 in der Finanzbranche tätig und stehe zu meinen beruflichen Wurzeln. Ich finde es auch nicht falsch, wenn sich ein Politiker oder eine Partei für den Finanzplatz einsetzt. Es ist eine Branche, die in der Schweiz von grosser Bedeutung ist und Zehntausende von Arbeitsplätzen garantiert.

Bringt Sie ihr Job bei der UBS nicht in einen Interessenkonflikt, wenn Sie BDP-Präsident werden?
Das ist einer der Punkte, die ich am Abklären bin. So wie der Job bei der UBS heute gestaltet ist, sehe ich keine Konflikte. Wenn es dennoch einmal knifflige Fälle geben sollte, macht es mir nichts aus, in die zweite Reihe zu stehen. Als Parteipräsident vertritt man zudem grundsätzlich die Meinung der Partei. Man kann mich jedoch an meinen Taten messen. Und dann wird man sehen, dass ich mit meiner politischen Arbeit in keiner Art und Weise das Klischee eines Bankenlobbyisten bestätigt habe.

Einige Akteure dieses Finanzplatzes haben aber die Schweiz in der Vergangenheit wiederholt international in die Bredouille gebracht.
Auch ich setze mich sehr kritisch mit dem Finanzplatz auseinander. Man muss aber differenzierter herangehen. Ja, es sind Fehler passiert, aber Zehntausende Bankangestellte haben in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Job gemacht – und dies nicht für Saläre in Millionenhöhe. Diese Leute möchte ich vor Pauschalurteilen schützen.

Die Branche hat aber ein schlechtes Image.
Und dies nicht nur zu Unrecht. Umso mehr geht es jetzt darum, der Branche zu helfen, damit sie ihr Image verbessern kann. Und zwar, indem man sich kritisch mit dem Finanzplatz auseinandersetzt. Das macht zum Beispiel unsere Finanzministerin. Ich mache das auch auf meine Art und Weise. Wir müssen politisch etwas auslösen, damit sich die Branche in die richtige Richtung weiterentwickelt. Das Ziel muss sein, dass auch die Banken wieder als verantwortungsvolle Unternehmen wahrgenommen werden.

In den letzten Tagen konnte man lesen, dass Banken alle Parteien sponsern wollen.
Credit Suisse und Raiffeisen haben ein neues Parteifinanzierungssystem vorgestellt. In unserem Milizsystem finde ich es gut, wenn uns die Wirtschaft ein wenig unterstützt. Wenn einer solchen Finanzierung nachvollziehbare Konzepte zugrunde liegen, finde ich das eigentlich einen positiven Ansatz.

Was verstehen Sie unter nachvollziehbaren Konzepten?
Credit Suisse und Raiffeisen haben klare Grundlagen, aufgrund der sie ihre Parteispenden verteilen, zum Beispiel die Anzahl Mandate. Das fördert die Transparenz und lässt alle politischen Kräfte profitieren. Letztendlich ist es aber Sache der jeweiligen Unternehmung, ob und wem sie etwas spenden möchte.

Ihre Bundesrätin will als Finanzministerin wegen den Steuerstreitigkeiten mit den USA und anderen Staaten die Sorgfaltspflichten der Banken ausbauen und eine Selbstdeklaration für ausländische Kunden einführen. Die Banken sind davon nicht gerade begeistert. Würden Sie da als BDP-Präsident nicht zwischen die Fronten geraten?
Das Gesetzesprojekt geht in die richtige Richtung. Ich finde den Ansatz mit der Selbstdeklaration gut und verfolgenswert. Ich glaube, dass dies in der Praxis umsetzbar ist, auch wenn die Banken jetzt noch ein wenig zurückhaltend reagieren. Aber das ist jetzt genau so ein Fall, wo sich die Banken bewegen müssen, um so ein wenig Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Sehen die Banken das auch so? Natürlich sind die Banken zurzeit noch skeptisch, weil man noch nicht genau weiss, wie man ein solches System im Geschäftsalltag umsetzen soll. Es ist auch eine gewisse Angst da vor dem Mehraufwand, der das bringen könnte. Das ist ein gutes Beispiel, bei dem ich versuche, die Sicht der Politik in die Bank einzubringen.

Und wie tun Sie das?
Indem ich sage: Diese Gesetzesänderung braucht es jetzt. Hier müsst ihr konstruktiv mitarbeiten. Das bringt euch langfristig weiter.

Wie vertragen Sie sich mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf?
Ich habe mit ihr einen guten Kontakt, wie die anderen Fraktionsmitglieder auch. Wir hatten bisher kaum Differenzen. Gerade zum Finanzplatz sehen wir vieles gleich. Diese Branche ist für die Schweiz und für die Wirtschaft wichtig und bedeutend. Gleichzeitig muss man dem Wandel Rechnung tragen, der international stattgefunden hat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.03.2012, 12:45 Uhr

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