Sogar die SP kritisiert die Frauenquote

Der Vorschlag des Bundesrates fällt bei Wirtschaft und Parteien durch. Den Sozialdemokraten geht die Quote zu wenig weit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für den Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) ist die Revision des Aktienrechts übertrieben, realitätsfern und schädlich. Mit Quotenregelung, bürokratischen Hürden und über das Mass der Minder-Initiative weit hinausgehenden Massnahmen würden KMU geknebelt, heisst es in einer SGV-Mitteilung.

«Die erzwungene Einführung von Frauenquoten in Unternehmen oder der Zwang zur Veröffentlichung von Zahlungen in gewissen Branchen sind unhaltbare Eingriffe in die unternehmerische Freiheit», schreibt die SVP. Der Bundesrat gefährde den Wirtschaftsstandort Schweiz.

Revision für CVP derzeit unnötig

Zuerst solle die Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften umgesetzt werden, die erst seit Kurzem in Kraft ist, fordert die CVP. Es dürfe nicht sein, dass Unternehmen schon wieder ihre Statuten anpassen müssten. Bevor Quoten für Frauen festgelegt würden, müssten die Ergebnisse der Bemühungen der Wirtschaft zur Selbstregulierung abgewartet werden.

Mit der Einführung von Geschlechter-Richtwerten missachte der Bundesrat die wirtschaftliche Freiheit von Unternehmen und er werde den Frauen nicht gerecht, schreibt die FDP. Dass Zahlungen von Rohstofffirmen an staatliche Stellen ab einem Betrag von 100'000 Franken offengelegt werden sollen, erachtet die Partei als weiteren, nicht gerechtfertigten staatlichen Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Die Flexibilisierung der Gründungs- und Kapitalvorschriften wird dagegen begrüsst.

SP: «Kein grosser Wurf, aber viele kleine Fortschritte»

Dass der Bundesrat überhaupt Vorschriften zur Vertretung der Geschlechter in den Leitungsgremien von Unternehmen erlasse, sei ein grosser Schritt, schreibt die SP. Die Übergangsfristen seien aber sehr lang und Sanktionsmöglichkeiten fehlten. Weiter vermisst die SP bei der Umsetzung der Abzocker-Initiative insbesondere die Bonussteuer, griffige Vorschriften für mehr Sorgfalt und Transparenz sowie mehr Mitbestimmung für die Angestellten.

In den Augen der Entwicklungsorganisation Swissaid foutiert sich die Schweiz komplett um ihre Verantwortung bei der Rohstofftransparenz. Ausgerechnet den Rohstoffhandel nehme der Bundesrat von der Pflicht zur Offenlegung der Zahlungen an Regierungen und staatlich kontrollierte Firmen aus, obwohl die Schweiz der weltweit wichtigste Rohstoffhandelsplatz sei. Damit verkenne die Landesregierung die Zeichen der Zeit komplett. Denn auf internationaler Ebene zeichne sich die entsprechende Ausdehnung der Transparenzgesetze bereits ab. (nag/sda)

Erstellt: 23.11.2016, 20:06 Uhr

Artikel zum Thema

Frauen sollen 3 von 10 Verwaltungsräten stellen

Der Bundesrat will im neuen Aktienrecht einen Frauen-Richtwert für die oberste Leitung börsenkotierter Firmen verankern. Mehr...

Alles, bloss keine Frauenquote

Mit einer neuen Initiative wollen Wirtschaftsvertreter beweisen, dass sie es ernst meinen mit der Frauenförderung. Wie viel der Vorstoss bringt, ist zweifelhaft. Mehr...

Frauenförderung droht doppelte Niederlage

Nach dem Rechtsrutsch im Bundeshaus stehen Lohnanalysen und Frauenquoten vor dem Aus. Jetzt hängt alles an einem Bundesrat. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Blogs

Geldblog Welche Autoversicherung passt?
Mamablog Geschlagen, gedemütigt, missbraucht
Sweet Home Acht Champions mit Champignons

Wettbewerb

Wie du spielend Geld sparen kannst

Energy Hero ist das kostenlose Online-Spiel, mit dem du mit etwas Fingerfertigkeit Preise im Wert von insgesamt 30 000 Franken gewinnen kannst.

Die Welt in Bildern

Der Herbst ist da: Ein Mann entfernt in St. Petersburg Laub von seinem Auto. (23. Oktober 2019)
(Bild: Anton Vaganov) Mehr...