Sommaruga fordert internationale Kooperation

Die Bundesrätin kritisierte an der Interpol-Konferenz, Alleingänge einzelner Länder würden den Menschenhändlern in die Hände spielen.

International handeln statt alleine kämpfen: Simonetta Sommaruga in Genf vor einem Plakat der Schweizer Woche gegen Menschenhandel. (18. Oktober 2016).

International handeln statt alleine kämpfen: Simonetta Sommaruga in Genf vor einem Plakat der Schweizer Woche gegen Menschenhandel. (18. Oktober 2016). Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fast eine Million Opfer von Menschenhandel gibt es in Europa. Justizministerin Simonetta Sommaruga forderte am Donnerstag an einer Interpol-Konferenz in Lugano TI mehr internationale Zusammenarbeit in dem Bereich. Alleingänge spielten Menschenhändler nur in die Hände.

Bundesrätin Sommaruga schilderte in ihrer Rede vor Fachleuten aus der ganzen Welt das Schicksal einer jungen Rumänin, die zur Prostitution gezwungen wurde. Ohne Papiere sei sie ihren Peinigern ausgeliefert gewesen.

Kooperation notwendig

Auch 2016 gebe es Menschen, die wie «Leibeigene im Mittelalter» ausgenützt würden, sagte die Justizministerin. Der Bundesrat habe deshalb die Bekämpfung von Menschenhandel zu einer der kriminalstrategischen Prioritäten der Legislaturperiode 2016-2019 erklärt. Sommaruga rief in Erinnerung, dass die Schweiz die Europaratskonvention gegen Menschenhandel ratifiziert hat und aktuell einen zweiten Aktionsplan gegen Menschenhandel ausarbeite.

Es sei mehr Kooperation zwischen den Staaten nötig, sagte Sommaruga. Alleingänge einzelner Länder spielten Menschenhändlern nur in die Hände. Interpol ermögliche es unter anderem, Vermisstenmeldungen international abzugleichen. Dies sei wichtig, da Opfer von Menschenhandel häufig von ihren Familien als vermisst gemeldet werden.

Opfer gehen nicht von sich aus zur Polizei

Die Bundesrätin berichtete vom konkreten Fall einer Frau aus Bulgarien, die in der Schweiz sexuell ausgebeutet wurde. Durch Interpol habe die Frau gefunden und befreit werden können.

Für eine umfassende Bekämpfung des Menschenhandels reiche dies aber nicht aus: Migrationsbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Ärzte sowie Spitäler müssten mit einbezogen werden. Denn Opfer würden häufig nicht von sich aus zur Polizei gehen, weil sie sich vor der Rache ihrer Ausbeuter fürchteten. Oder weil sie Angst hätten, das Land verlassen zu müssen.

Sondereinheiten im Tessin

Beim Thema Menschenhandel stehe das Tessin in der Schweiz im Fokus, erklärte der Tessiner Staatsrat Norman Gobbi an der Konferenz. Nicht erst seit dem Balkankonflikt würden Schlepper und Menschenschmuggler auf der Nord-Süd-Achse operieren und damit direkt das Tessin passieren.

Laut Gobbi hat der Kanton aber in den vergangenen Jahren die geeigneten Instrumente geschaffen, um auf diese Situation zu reagieren. Im Südkanton schuf die Kantonspolizei im Jahr 2005 eine Spezialsektion namens TESEU, um gegen den Menschenhandel vorzugehen. Der Schwerpunkt wurde dabei auf den Bereich der Prostitution gelegt.

Seit 2015 besteht im Tessin ebenfalls eine Sonderheit gegen den Menschenschmuggel entlang der Flüchtlingsroute von Süditalien nach Nordeuropa. Dies geschah als Reaktion auf den tragischen Tod von 71 Flüchtlingen in einem Lastwagen im September 2015 an der österreichisch-ungarischen Grenze. In der GIRP genannten Sondereinheit arbeiten Tessiner Behörden zusammen mit Ermittlern aus Italien und Deutschland. (kat/sda)

Erstellt: 20.10.2016, 22:30 Uhr

Artikel zum Thema

Blackbox Menschenhandel

Am europäischen Tag gegen Menschenhandel wird einem einmal mehr bewusst, wie wenig man über das Thema weiss – gerade in der Schweiz. Mehr...

Ex-Sexsklavin wird Botschafterin der UNO

Eine 23-jährige Jesidin wurde im Irak sexuell ausgebeutet und verkauft. Nun ernannte die UNO sie zur Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel. Mehr...

Schlepperei ist profitabler als Drogenhandel

Mit Menschenhandel wird weltweit mehr Geld gemacht als mit illegalen Drogen und Waffen. Zu diesem Schluss kommt die EU-Grenzschutzagentur Frontex. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Geldblog Lohnt sich eine PK-Einzahlung?

Sweet Home Gar nicht süsse Rezepte mit Zimt und Datteln

Paid Post

Wie zahlen sich Investitionen in Analytics und KI aus?

Analytics und künstliche Intelligenz (KI) stehen bei vielen Unternehmen oben auf der Agenda. Das bedeutet aber nicht, dass die Investitionen auch zu einem geschäftlichen Mehrwert führen.

Die Welt in Bildern

Ein Märchen aus Lichtern: Zum ersten Mal findet das Internationale Chinesische Laternenfestival «Fesiluz» in Lateinamerika, Santiago de Chile statt. Es dauert bis Ende Februar 2020. (3. Dezember 2019)
(Bild: Alberto Walde) Mehr...