Sommaruga und Berset spielen der SP ein Ständchen

Die Sozialdemokraten haben in Bern ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Parteigrössen wie Helmut Hubacher und Ruth Dreifuss überbrachten ihre Glückwünsche und Ermahnungen persönlich.

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Es war die grosse Überraschung am Fest zum 125-jährigen Jubiläum der SP Schweiz: Simonetta Sommaruga und Alain Berset setzten sich am Samstag gemeinsam ans Klavier und gaben zwei Stücke zum Besten. Die musikalische Darbietung der beiden SP-Bundesräte löste Begeisterung aus. Das Publikum im Berner Progr reagierte mit frenetischem Applaus auf den Überraschungsauftritt der beiden Magistraten. Diese hatten zwar kurz vorher am offiziellen Festakt auf dem Berner Waisenhausplatz teilgenommen. Dort hatten sie aber lediglich ein paar Fragen der Moderatorinnen zum Jubiläum der SP beantwortet.

Mit dem Verweis auf eine exklusive Premiere – und wohl auch Dernière – wurden die anwesenden SP-Mitglieder und Schaulustigen schliesslich vom Waisenhausplatz in den nahe gelegenen Progr gelockt. Dort tauchten sie plötzlich auf: Sommaruga elegant im langen schwarzen Abendkleid, Berset ebenso chic im schwarzen Anzug und mit Fliege.

Dass die beiden SP-Bundesräte musikalisch sind, ist bekannt. Ihre Musikalität stellten sie am Samstag mit ihrer vierhändigen Klavier-Darbietung unter Beweis. Grosse Freude hatte das Publikum an der Sommaruga-Berset-Interpretation der Titelmelodie aus dem Film «The Sting» (Der Clou).

Nach der bundesrätlichen Show-Einlage gab es Geburtstagstorte für alle. Verteilt wurde der Kuchen von prominenten SP-Vertretern: Neben Sommaruga und Berset gingen im Progr auch Ruth Dreifuss, Moritz Leuenberger, Christiane Brunner, Hans-Jürg Fehr und Christian Levrat mit Tabletts herum und boten den Gästen Stücke von der riesigen Geburtstagstorte an.

«Keine Reise ins Paradies»

Zu ihrem 125. Geburtstag hatte die SP zunächst zum Festakt auf dem Berner Waisenhausplatz geladen. Verschiedene Redner würdigten die Geschichte der Partei, blickten aber auch in die Zukunft.

«Unsere Geschichte ist keine Reise ins Paradies», sagte etwa alt Bundesrätin Ruth Dreifuss. Vielmehr gebe es eine stetige und beharrliche Auseinandersetzung mit Mechanismen der Armut, der Entmachtung, der Diskriminierung, der Gewalt an den Menschen und der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.

SP-Urgestein Helmut Hubacher betonte in seiner Rede die Bedeutung des Sozialstaats. «Durch die Geschichte der SP zieht sich ein roter Faden», sagte der frühere Parteipräsident. Bis heute sei dies der politische Einsatz für eine sozialere, gerechtere und demokratischere Schweiz. Die Sozialdemokraten hätten zwar viel, aber noch nicht genug erreicht. «Wir bleiben, wie man so schön sagt, am Ball», fügte er an.

Breite Volksbewegung

Der heutige Präsident der SP, Christian Levrat, würdigte in seiner Rede den damaligen Gründer der Partei: Albert Steck habe bereits vor 125 Jahren die SP als grosse und breite Volksbewegung verstanden. Steck sei es seinerzeit gelungen, die linksliberalen mit den Arbeitervereinen zusammenzubringen.

Später sei die SP Heimat für Pazifisten, Feministinnen und «Ökos» geworden, sagte Levrat. «Wir sind stark in unserer Vielfalt, weil wir die gleichen Ideale – die gleiche Vision – verfolgen», sagte der SP-Präsident weiter. Zu den Erfolgen seiner Partei zählt er die AHV, die öffentlichen Dienstleistungen und die Mutterschaftsversicherung. Eine wichtige Rolle habe die Partei überdies beim Frauenstimmrecht und bei der Sicherung der Renten gespielt.

Rote Luftballone

Nach den Reden auf dem Waisenhausplatz liessen die Organisatoren 125 rote Ballone in den Himmel steigen. Diese waren mit Kärtchen versehen, die die acht Grundwerte der Partei aufzählten: Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität, Demokratie, Gleichheit, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Internationalismus.

Das Jubiläumsfest wartete mit einem vielfältigen Programm auf. Auf dem Waisenhausplatz fanden nach den Reden Auftritte verschiedener Gruppen statt. Geplant war zudem eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen SP-Vertretern.

In der Aula des Progr waren Bilder ausgestellt, die danach in einer Auktion versteigert werden sollten. Zum Abschluss der grossen Jubiläumsfeier stand in der Turnhalle des Progr für die Nacht noch eine «Disco Finale» auf dem Programm. (mw/sda)

Erstellt: 07.09.2013, 16:39 Uhr

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