Spanische Jugendliche als deutsche Lehrlinge

Auch in Deutschland herrscht in einigen Branchen akuter Lehrlingsmangel. Momentan läuft in Leipzig ein Pilotprojekt mit spanischen Jugendlichen.

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Arbeitslose Jugendliche aus EU-Ländern sollen in der Schweiz eine Berufslehre absolvieren und gleichzeitig den Lehrlingsmangel in der Schweiz entschärfen. Dieses Projekt prüft der Bundesrat derzeit. In Deutschland ist es bereits Realität. Nachdem die deutsche Regierung im Mai mit Spanien ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet hatte, lief vor wenigen Tagen der Pilotversuch in Leipzig an.

20 spanische Jugendliche wurden vor zwei Wochen in der ostdeutschen Stadt willkommen geheissen. Noch in der Heimat hatten sie sich bei ihren zukünftigen Betrieben beworben und einen Deutschkurs besucht. Nun steht ihnen ein sechswöchiges Praktikum bevor, an dessen Ende sie zusammen mit den Ausbildungsstätten entscheiden, ob sie eine dreijährige Lehre antreten wollen.

Einsätze auch in Engpass- oder Mangelberufen

Die Betriebe bezahlen den Jugendlichen, 16 Elektronikern und vier Friseurinnen, den üblichen Lehrlingslohn. Im Schnitt sind das 500 Euro im Monat, heisst es bei der Handwerkskammer Leipzig. Der deutsche Staat stockt den Betrag auf die Summe von 818 Euro auf – damit müssen alle Ausgaben inklusive der Unterkunft bezahlt werden.

Rahmenkosten und Flugtickets werden von der deutschen Bundesagentur für Arbeit bezahlt. Diese rief das Programm Anfang dieses Jahres ins Leben. Speziell dabei: Das Angebot richtet sich an «junge Menschen bis ins 35. Altersjahr». Neben einer betrieblichen Berufsausbildung sind auch Einsätze in einem Engpass- oder Mangelberuf möglich. Was ein Mangelberuf ist, definiert die Bundesagentur für Arbeit in regelmässigen Abständen neu.

Kritik am Projekt

Im Vorfeld wurde das Projekt in Deutschland von mehreren Seiten kritisiert. Handwerksbetriebe und Gewerkschaften bemängelten in deutschen Medien, es gebe genug deutsche Jugendliche ohne Ausbildungsplätze. Zudem befürchteten viele die Einführung von Dumpinglöhnen in den betroffenen Bereichen.

Bei der Handwerkskammer Leipzig wird darauf hingewiesen, dass ausschliesslich Berufe für das Programm gewählt worden seien, bei denen es schlicht zu wenige deutsche Bewerbungen gebe. Es komme nicht zu Konkurrenzsituationen zwischen deutschen und spanischen Bewerbern.

Hoffnung auf treue Mitarbeiter

Vom Austauschprogramm erhoffen sich die Betriebe langjährige Mitarbeiter. Es sei das ausdrückliche Ziel der Handwerkskammer Leipzig, dass viele der spanischen Jugendlichen nach einem erfolgreichen Abschluss ihren Ausbildungsstätten treu blieben.

Erstellt: 20.08.2013, 16:01 Uhr

Arbeitslose Jugendliche in Europa

In südeuropäischen Ländern nimmt die Jugendarbeitslosigkeit seit einigen Jahren dramatisch zu. Momentan gelten in Griechenland laut dem statistischen Amt der Europäischen Union 62,5 Prozent der Jugendlichen als arbeitslos. Dahinter folgen Spanien und Portugal mit 56,4 und 42,5 Prozent.

Deutschland ist mit einer Quote von 7,5 Prozent das Schlusslicht der Tabelle. In der Schweiz präsentiert sich die Situation noch positiver: Laut Zahlen vom Juni beträgt die Arbeitslosenquote unter den 15- bis 24-Jährigen 2,9 Prozent.

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