Steiners Streifen ist «nutzlos»

In seinem Kampagnenfilm gegen die Abzockerinitiative soll Regisseur Michael Steiner die Spaltung der Schweiz inszenieren. Auftraggeber Economiesuisse zögert noch immer, den Spot zu veröffentlichen.

Sein neuster Streifen polarisiert, noch bevor ihn die Öffentlichkeit gesehen hat: Regisseur Michael Steiner. (Archivfoto)

Sein neuster Streifen polarisiert, noch bevor ihn die Öffentlichkeit gesehen hat: Regisseur Michael Steiner. (Archivfoto) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Jahr 2018 spalten sich die Romands von der Eidgenossenschaft ab und schliessen sich Frankreich an. Ein elektrischer Grenzzaun wird die beiden Landeshälften fortan trennen. Anders als das Welschland wird die Deutschschweiz in Armut und Bürgerkrieg versinken. Dieses Schreckensszenario soll drohen, wenn die Abzockerinitiative angenommen wird – zumindest in den Augen von Michael Steiner.

Der Berner Nationalrat und BDP-Vizepräsident Lorenz Hess reagiert mit Befremden auf den Film: «Mit der Spaltung des Landes zu drohen, ist ein absolutes No-Go.» Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, erinnere der Kurzfilm an die Machart des deutschen Filmproduzenten Roland Emmerich, der für seine Katastrophen-Filme bekannt ist. So sollen in der Schweiz bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen: Die Luzerner Kappelbrücke ist abgebrannt, das Bundeshaus zerbombt und Basel wurde dem Erdboden gleichgemacht. Überall gibt es Tote und Verletzte sowie zahlreiche Flüchtlingsstrome. Der Film sei «nutzlos», weil er weder «zielführend» noch «verständlich» ist. «So macht man keine Werbespots», sagt Hess gegenüber der «SonntagsZeitung».

Noch nicht entschieden, ob der Film gezeigt wird

Der Erfolgsregisseur hat seinen Film im Auftrag von Economiesuisse gedreht. Die Kampagnenleiterin des Verbandes, Ursula Fraevel, hat gemäss «SonntagsZeitung» das Drehbuch abgesegnet. Doch ob der Film tatsächlich gezeigt wird, ist zurzeit noch unklar. Der Film sei die Kreation von Michael Steiner, verteidigt sich Economiesuisse-Chef Pascal Gentinetta. «Dass Steiner die Fakten filmerisch stark übertreibt, ist seine künstlerische Freiheit.» Allerdings könne Economiesuisse einzelne Elemente, etwa die Idee einer Spaltung der Schweiz, wie sie dargestellt sei, nicht mittragen. «Darum haben wir noch nicht entschieden, ob wir den Film überhaupt bringen.»

Erstellt: 10.02.2013, 07:26 Uhr

Artikel zum Thema

Economiesuisse fürchtet sich vor «Grounding»

Ein Internetfilm gegen die Abzockerinitiative sorgt beim Wirtschaftsverband für Diskussionen. Er könnte kontraproduktiv sein, befürchten manche. Mehr...

«Das ist eine Unterstellung, klar hätten wir die Studie gebracht»

Interview Economiesuisse hätte die ETH-Studie zur Energiewende überinterpretiert, das schade der Glaubwürdigkeit des Dachverbands, wird kritisiert. Nun nimmt Geschäftsführer Pascal Gentinetta Stellung. Mehr...

Die Economiesuisse verspielt Kredit

Hintergrund Der Wirtschaftsdachverband kämpft derzeit an allen Fronten – und leistet sich dabei folgenreiche Fehltritte. Die Glaubwürdigkeit nehme Schaden, sagen Kritiker. Mehr...

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...